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Abitur 2021 im Landkreis Freising:Die Belohnung bleibt aus

Abi 2021 Prünfungsräumlichkeiten

Obwohl hinter Freisings Abiturientinnen und Abiturienten kein einfaches Jahr liegt, blicken die meisten optimistisch in die Zukunft.

(Foto: Catherina Hess)

Nach einem Jahr im Corona-Ausnahmezustand fühlen sich viele Abiturienten schlecht auf die Abschlussprüfungen vorbereitet - auch dass sie danach nicht ausgelassen feiern und in den Urlaub fahren können, geht ihnen ab.

Von Johanna Pichler, Freising

Keine Abifahrt, kein Abiball und kein gemeinsames Fest nach den Prüfungen. Die Corona-Pandemie macht auch den diesjährigen Abiturienten einen Strich durch die Rechnung. Nach den Prüfungen zu feiern, das war bis zum vergangenen Jahr das Normalste der Welt - eine Belohnung nach dem Lernstress und eine Zeit zum Genießen, bevor der Ernst des Lebens beginnt. Diesen Monat ist es so weit, die Abiturprüfungen stehen vor der Tür, doch mit Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen werden die üblichen Feierlichkeiten wohl nicht wie gewohnt stattfinden können. Mit der Situation gehen Freisings Abiturienten ganz unterschiedlich um.

Maira Wiens ist 18 Jahre alt und besucht die zwölfte Klasse des Josef-Hofmiller-Gymnasiums in Freising. Die Nervosität steigt, denn am Mittwoch schreibt sie bereits ihre erste Prüfung im Fach Deutsch. Nach der stressigen Zeit wollte sie eigentlich mit Freunden in den Urlaub fahren, aber das steht wohl erst einmal noch in den Sternen. "Ich wollte eigentlich nach Amerika fliegen, da habe ich Freunde, mit denen ich meinen Abschluss feiern wollte. Aber das wird auch nicht gehen", erzählt die Schülerin. Einige ihrer Freunde hatten sich auf eine Auszeit im Partyhotel gefreut, Maira Wiens hofft darauf, jetzt wenigstens mit ein paar Freunden zelten gehen zu können.

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Maira Wiens hofft, in diesem Jahr nach dem Abitur wenigstens mit ein paar Freunden zum Zelten gehen zu können.

(Foto: Privat)

In der Corona-Krise einen Praktikumsplatz zu finden, ist alles andere als leicht

"Ich denke, dass manche auch einfach feiern werden. Vielen ist das egal. Nur die offiziellen Events dürfen natürlich nicht stattfinden", fügt sie hinzu. Der Abiball wurde beispielsweise schon vollständig abgeschrieben und wird auch nicht nach hinten verschoben. "Unser Oberstufenkoordinator ist noch sehr positiv gestimmt und glaubt, dass wir bis zur Zeugnisverleihung alle geimpft sind. Daran glaube ich nicht", sagt die Abiturientin. Eine Zeugnisverleihung soll es aber auf jeden Fall geben, vielleicht im Schichtsystem wie im vergangenen Jahr oder mit anderen Vorkehrungen.

Gut vorbereitet für die Abiturprüfungen fühlt sich Maira Wiens noch nicht ganz. "Ich hab viel gelernt, aber durch den Distanzunterricht gab es viele Schwierigkeiten. Ein halbes Jahr der elften Klasse habe ich so gut wie nichts gelernt, weil ich erst reinfinden musste. Außerdem ist es schwieriger, sich online zu konzentrieren." Trotzdem konnte sie noch viel nachholen und Teile der schriftlichen Prüfungen wurden sowieso schon rausgenommen. Aktuell versucht Maira Wiens, einen Praktikumsplatz zu finden, den sie für ihr angehendes Architekturstudium braucht. "Ein Praktikum zu finden, ist während Corona auch nicht gerade leicht", schildert die Abiturientin. "Aber ich versuche alles". Und auch von dem Risiko, ihr Studium online beginnen zu müssen, lässt sie sich nicht abhalten.

"Ich fühle mich so, als ob ich mir selbst noch einmal alles erarbeiten muss"

Matthias Schmidt besucht die zwölfte Klasse der FOS in Freising. Auch seine Abschlussprüfungen für das Fachabitur stehen kurz bevor, doch Pläne für danach hat er mittlerweile keine mehr. "Ich wollte endlich mal genießen, keine Schule mehr zu haben und jetzt kann man nicht viel machen. Man hätte natürlich gerne gemeinsam gefeiert", sagt der 20-Jährige. Das Feiern einfach irgendwann nachzuholen, ist für den Schüler keine Option. "Niemand weiß so richtig, wie lange das alles noch dauern wird und wenn es dann schon länger her ist, wird man sich vermutlich nicht noch einmal treffen und eine Abiturfeier nachholen". Bei den offiziellen Veranstaltungen sieht es an der FOS ähnlich aus wie am Josef-Hofmiller-Gymnasium. Eine Zeugnisverleihung wird es auch an der Fachoberschule geben, im Rahmen der aktuellen Corona-Regeln natürlich. Der Abiball dagegen sei schon gestrichen und werde nicht nachgeholt.

Für gut vorbereitet auf die anstehenden Prüfungen hält sich auch der FOS-Schüler nicht. "Ich fühle mich so, als ob ich mir selbst noch einmal alles erarbeiten muss", erzählt er. "Man hatte auch das Gefühl, dass sich niemand für die FOS interessiert hat. Die Politiker haben sich immer nur um die Gymnasiasten gekümmert, die wussten immer, wie es weitergehen wird. Die FOS dagegen wurde links liegen gelassen". An der Fachoberschule seien keinerlei Prüfungen ausgesetzt worden und alles musste nachgeholt werden.

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Matthias Schmidt macht erst gar keine Pläne für die Feier nach den Prüfungen. Auch der Abiball ist gestrichen.

(Foto: Privat)

"Die Zeit nach dem Abitur hat man nur einmal im Leben"

"Die Zeit nach dem Abitur hat man nur einmal im Leben. Es ist eine lange freie Zeit, die sollte man ausnutzen können", findet eine weitere Abiturientin, die namentlich nicht genannt werden will. Auch sie besucht die zwölfte Klasse des Josef-Hofmiller-Gymnasiums und schreibt schon diese Woche ihre erste Abiturprüfung. "Ohne Corona wäre ich mit meinen Freunden in den Urlaub gefahren. Jetzt werde ich wohl zu Hause bleiben und schon mal nach Wohnungen für mein Studium suchen", sagt die 18-Jährige.

Sie selbst sei kein Mensch, der normalerweise viel feiert, doch zu diesem besonderen Anlass wäre sie schon gerne dabei gewesen. "Offiziell gibt es keine Feiern, doch ich weiß, dass sich viele nicht daran halten und zusammen trinken werden", erzählt die Schülerin. Auch sie fühlt sich in einigen Fächern nicht gut vorbereitet und ist sich sicher, dass vor allem den Lehrern viel Energie genommen wurde.

Trotz der stressigen Zeit hat ihre Jahrgangsstufe in Freising den Spaß jedoch nicht ganz vergessen und bleibt zumindest selbstironisch mit ihrem Abiturmotto: "Kriminabis: Öfter in der Zeitung als in der Schule".

© SZ vom 11.05.2021/ilos
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