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Bauarbeiten an der A9:Straßensperrung bei Allershausen: Frust unter den Geschäftsleuten

Seit Monaten wird in Allershausen an der neuen Brücke über die Autobahn gebaut, in den Ferien muss die Anschlussstelle ganz gesperrt werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Trotz ihrer Proteste bleiben die Ortsdurchfahrt von Allershausen sowie die Zu- und Ausfahrten der Autobahn A 9 sechs Wochen lang gesperrt. Die Gewerbetreibenden schicken sich ins Unvermeidliche.

Von Petra Schnirch, Allershausen

Es bleibt dabei: Trotz der Proteste der Geschäftsleute werden die Ortsdurchfahrt in Allershausen sowie die Zu- und Ausfahrten der A 9 in den Sommerferien sechs Wochen lang komplett gesperrt. Der neue Verkehrsbeirat der Gemeinde traf sich vor Kurzem zu einer Ortsbesichtigung und sah keine wirkliche Alternative. Die Gewerbetreibenden sind enttäuscht, verzichten aber auf die geplante Unterschriftenaktion in ihren Geschäften, weil sie nicht mehr daran glauben, eine Vollsperrung noch abwenden zu können.

Die Anschlussstelle der Autobahn soll am Freitag, 25. Juli, 20 Uhr, gesperrt werden, die Münchner Straße vom Kreisverkehr bis einschließlich Einmündung Mozartstraße folgt um 23 Uhr. Die Autobahndirektion Südbayern erneuert derzeit die Brücke über die A 9, das Staatliche Bauamt will parallel dazu ein Teilstück der Staatsstraße sanieren. Außerdem entsteht entlang der Staatsstraße 2054 eine Rechtsabbiegerspur auf die A 9. Bis voraussichtlich Montag, 7. September, müssen Auto- und Lastwagenfahrer auf die Aus- und Zufahrten in Schweitenkirchen oder Eching-Neufahrn ausweichen. Die bereits von der Corona-Krise betroffenen Geschäftsleute empfinden dies als Katastrophe. Die Allershausener Gastronomie lebe zu zwei Dritteln vom Reiseverkehr. Das größte Geschäft mache er normalerweise in den ersten beiden Augustwochen, sagt Lars Rau, Inhaber der Schlossstube an der Münchner Straße.

Rau hätte sich mehr Unterstützung von der Gemeinde gewünscht

Auch für die Hotelbetreiber sind Touristen auf der Durchreise eine wichtige Einnahmequelle. Eigentlich hätte die Hauptsaison bereits Anfang Juni begonnen, schildert Rau. Wegen Corona seien viele Leute derzeit aber sehr zurückhaltend. Er mache nur die Hälfte des sonst um diese Zeit üblichen Umsatzes. Von der Gemeinde hätte er sich in dieser schwierigen Phase, ebenso wie andere Geschäftsleute, mehr Unterstützung gewünscht. Zwar weiß Rau, dass die Gemeinde für die Sperrung nicht zuständig ist. Dennoch findet er, dass sie sich mehr für die Geschäftsleute hätte einspreizen und darauf dringen können, dass die Sperrung verschoben wird.

Über einen solchen Schritt habe der Verkehrsbeirat diskutiert, berichtet Bürgermeister Martin Vaas (PFW). Dem Gremium gehört SPD-Gemeinderat und Hotelbesitzer Christian Huber an, der die Gemeindespitze zuvor selbst kritisiert hatte. Dennoch sprach sich der Beirat nach längerer Debatte letztendlich dafür aus, dass die Bauarbeiten wie geplant durchgezogen werden sollten.

Auch ein weiterer Vorschlag aus dem Kreis der Gewerbetreibenden ließe sich laut Vaas nur schwer realisieren. Würde man die Anschlussstelle abschnittsweise jeweils nur auf einer Fahrbahnseite schließen, würde das die Bauarbeiten erheblich verzögern, sagt der Bürgermeister, eine Teilsperrung würde erheblich länger zu Behinderungen führen. Wären die Arbeiten in der Münchner Straße ganz abgeblasen worden, könnte die Ampel nicht installiert werden, von der sich viele Allershausener mehr Sicherheit und weniger Staus an der Autobahneinfahrt versprechen, zudem würden die Gehsteige inklusive Beleuchtung nicht ausgebaut. Für Ingenieurleistungen sei hier schon ein fünfstelliger Betrag angefallen, schildert Vaas. Der Beirat sei deshalb der Meinung, dass die Vollsperrung "der einzig gangbare Weg" sei.

"Wir haben es uns nicht einfach gemacht", sagt Vaas. Die Münchner Straße soll seit einigen Jahren hergerichtet werden. Würde man dies später, in einem Zug, vom Kreisverkehr in Oberallershausen bis zur Kreuzung Ampertalstraße/Jobsterstraße erledigen, wären Anwohner und Verkehrsteilnehmer viel stärker und länger beeinträchtigt. Vaas widersprach Huber, der sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung darüber beklagt hatte, dass die Gemeinde bisher nicht über die Sperrung informiert habe. In einer E-Mail im April 2019 habe sein Vorgänger Rupert Popp diese bereits angekündigt.

Kommende Woche beantworten die Verantwortlichen Fragen

Doch die Geschäftsleute bleiben bei ihrer Kritik: Sie haben großteils erst Mitte Juni aus der Zeitung davon erfahren, dass Allershausen wochenlang von der Autobahnzufahrt abgekoppelt sein wird - und sie halten der Gemeinde vor, dass sie schon vor Monaten hätte versuchen können, eine Sperrung zu vermeiden. Die Zufahrten zu Häusern und Betrieben sollen jederzeit möglich sein. Anfang der kommenden Woche werden die Anlieger weitere Informationen direkt von den Projektverantwortlichen erhalten. Sie wollen am Montag, 6. Juli, persönlich zu den direkt betroffenen Anwohnern kommen. Fragen können dann direkt beantwortet werden, wie das Staatliche Bauamt mitteilt.

Grundsätzlich, darauf weist die Behörde zur aktuellen Diskussion in Allershausen hin, bleibe festzustellen, dass derart komplexe Bauvorhaben, "die größtenteils unter laufendem Verkehr und ohne Sperrungen" ausgeführt werden, mindestens eineinhalb bis zwei Jahre im Vorfeld geplant und festgelegt werden. "Kurzfristige Änderungen und Verschiebungen im Bauablauf sind meist nicht möglich", da zu einem späteren Zeitpunkt womöglich "ungünstigere Witterungsbedingungen herrschen oder benötigte Baumaschinen und auch Personal schon an anderen Baumaßnahmen fest eingeplant sind". Das Corona-virus stelle für alle eine sogenannte höhere Gewalt dar, "auf die wir keinen Einfluss haben". Die Ausmaße sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie seien lange Zeit nicht absehbar und für den weiteren Projektablauf nicht planbar gewesen, so die Behörde weiter.

Gastronom Lars Rau gibt sich inzwischen fast schon fatalistisch. "Es ist gelaufen, weil der Gemeinde das völlig wurscht ist", sagt er frustriert. Zwar komme sie den Gastronomen bei der Bestuhlung im Außenbereich entgegen, auf die Anlieger hätte sie aber viel früher zugehen müssen, findet er. Er will sein Lokal jetzt im August eine Woche zusperren und Urlaub machen.

© SZ vom 02.07.2020/nta

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