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20 Jahre evangelische Jugend:"Sahneschnitte des Dekanats"

Wiedersehen nach 20 Jahren. Bei der Feier aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der Evangelischen Jugend im Dekanat Freising haben sich viele alte Bekannte wiedergetroffen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Evangelische Jugend feiert ihr 20-jähriges Bestehen. Zum ersten Zusammentreffen des Verbands 1998 kamen zehn Teilnehmer, mittlerweile sind es oft mehr als 100. Wer mitmacht, will sich vor allem angenommen fühlen.

"Damals war das ganz schön komisch", sagt Daniel Fritsch und kratzt sich nachdenklich am Kopf, "wir waren verdammt wenige." Um ihn herum sitzen an zwei langen Tafeln etwa 120 Jugendliche, Gäste und Freunde der Evangelischen Jugend (EJ) und feiern den 20. Geburtstag des Jugendverbandes im Jugendhaus St. Anna in Thalhausen. Es wird jede Menge gequatscht und die alten Hasen tauschen sich mit den Jungen über ihre Erfahrungen aus. "Das ist jetzt natürlich ganz anders", sagt er mit einem Lächeln und blickt erfreut ans andere Ende des Tisches.

Daniel Fritsch war von 1998 bis 2002 der erste Vorsitzende des Dekanatsjugendkonvents, der Versammlung aller Jugendlichen im Dekanat. "Beim ersten Konvent waren wir zehn Teilnehmer", erinnert sich der 37-Jährige, der zweite musste sogar ausfallen. Inzwischen kommen für die Konvente pro Jahr zwischen 60 und 140 Jugendliche zusammen, um sich auszutauschen, die Richtung des Verbandes zu besprechen und ihre Vertreter für die Gremien zu wählen. Konvente sind vor allem aber auch ein tolles Wiedersehen. So haben sich beim Jubiläumskonvent in Thalhausen Daniel Fritsch und seine Nachfolgerin Anna Kühnel nach zehn Jahren wieder getroffen und finden: "Es ist wie gestern."

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"Einfach vorne hinstellen und etwas machen"

Für die beiden sei die Zeit in der Evangelischen Jugend prägend, lehrreich und wunderschön gewesen. "Man lernt zu organisieren", erzählt Anna Kühnel, "und sich nicht stressen zu lassen, wenn etwas schief geht. Einfach vorne hinstellen und etwas machen." Das Highlight von Daniel Fritsch waren die Grundkurse, bei denen die EJ ihre Jugendleiter ausbildet. Später zu erfahren, was die Leute mitgenommen haben, was sie geprägt habe, sei das Tolle, ergänzt die 36-Jährige.

Von Anfang an dabei ist Diakonin Angela Senft, die die Jugendarbeit als hauptamtliche Jugendreferentin begleitet. Wenn man ihr an diesem Jubiläumsfest lauscht, kann man hören, wie stolz sie auf ihre Jugendlichen und die Arbeit der EJ ist. "Evangelische Jugend heißt, zusammen leiten und Glauben weitergeben, wir leben Gemeinschaft wie sie in der Bibel steht", erklärt sie in ihrem Grußwort. Die jungen Leute könnten fernab von Leistungsdruck sich selbst zeigen und so sein wie sie sind. Über die Jahre hat die Diakonin tatkräftige Unterstützung im Dekanatsjugendwerk gewonnen, denn Jugendarbeit ist Teamwork. Mit Jugendpfarrerin Anna Hertl und den Religionspädagoginnen Kati Jindrich und Tabea Müllers werden die zahlreichen Veranstaltungen gestemmt. Die Neueste im Quartett der Hauptamtlichen, Tabea Müllers, findet, die EJ biete vor allem Heimat für Jugendliche, die an ihrer Persönlichkeit wachsen wollen, die die Möglichkeit haben wollen, auch mal Fehler zu machen und trotzdem zu wissen, so angenommen zu werden. "Wir schaffen den Zugang zu den jungen Leuten durch Gespräche, sind für die Jugendlichen da und machen aus den Bedürfnissen Angebote", betont Müllers. So ist sie mit vier Jugendleitern und jede Menge motivierten Teilnehmenden in den Sommerferien auf Actionfreizeit in die fränkische Schweiz gefahren.

Für Oberflächlichkeit sei kein Raum, sagt der Vorsitzende der Dekanatsjugend

"Oh, das war schon sehr sehr nice, einfach absolut cool", unterbricht die 14-jährige Chiara Simonis, einer der jüngsten in der EJ. Sie ist über ihre beiden großen Brüder, die ebenfalls sehr aktiv sind, schon früh mit der kirchlichen Jugendarbeit in Berührung gekommen. So singt sie auch in der neugegründeten EJ-Band, gestaltet Kinder- und Jugendgottesdienste und hat in der Evangelischen Jugend auch eine kleine Heimat gefunden.

In den vergangenen zwei Jahre hat Matthias Golibrzuch die Dekanatsjugend als Vorsitzender geleitet. Für ihn ist die biete die Möglichkeit, aus der alltäglichen, oft stressigen Welt einmal herauszukommen. "Es gibt Leute, die siehst du zwei Mal im Jahr und trotzdem ist man sich unglaublich verbunden", sagt der 24-Jährige, "es werden die wirklich wichtigen Themen angesprochen, denn für Oberflächliches ist kein Raum und keine Zeit." Diese "4-Uhr-nachts-Gespräche", in denen man sich fallen lassen könne, seien das, was die Zeit für ihn so wertvoll mache. Sein Wunsch für die Zukunft ist, dass es so weiter geht, dass auch die Stimme der Jugend weiterhin gehört werde. Insgesamt hat die Evangelische Jugend im Dekanat Freising über 580 Jugendleiter ausgebildet, war mit über 1500 Kindern und Jugendlichen auf Freizeiten und ist 32 546 Kilometer gefahren. Da fehlen nur noch knapp 7500 bis die Welt umrundet ist.

Bei so vielen Erfolgen, auf die an diesem Tag mit Diashow, Fotobuch und jede Menge Geschichte aus erster Hand zurückgeblickt wird, fällt das Lob nicht gering aus. Pfarrerin Dorothee Löser, stellvertretende Dekanin, bezeichnet die Evangelische Jugend dann auch als "Sahneschnitte des Dekanats" und als "Schokostückchen im Kuchen".

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