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Freimann:Werktags wird kontrolliert

Wächter in Warnwesten: Rechtlich haben die Security-Leute keine Handhabe, dennoch lassen sich Autofahrer von ihnen überzeugen umzukehren.

(Foto: Catherina Hess)

Anwohner der Allianz-Arena litten unter wild parkenden Fußballfans, bis ein Schutzkonzept die Situation deutlich entschärfte. Bei Spielen am Wochenende soll es weiterhin nur ausnahmsweise zum Einsatz kommen

Drei Wochen vor dem Start der neuen Bundesliga-Saison deutet sich an, dass auch das reduzierte Anwohnerschutzkonzept für die Siedlungen südlich der Allianz-Arena die gewünschte Wirkung entfaltet. Kreisverwaltungsreferat (KVR), Polizei, FC Bayern und Anwohnervertreter werten den Effekt der Maßnahmen gegen wild parkende Fußballfans übereinstimmend als Erfolg, wie aus dem Protokoll eines turnusmäßigen Erfahrungsaustauschs hervorgeht. Die Konsequenz: Während der Saison 2019/2020 werden die Zufahrtsregelungsaktionen weiter nur bei Spielen unter der Woche, nicht an Wochenenden, durchgezogen. Allerdings: Fallen Entscheidungsspiele - wie jenes gegen Frankfurt am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison - auf ein Wochenende, soll das Schutzkonzept auf Anraten des Polizeipräsidiums München gegebenenfalls dennoch zur Anwendung kommen.

Das sogenannte Anwohnerschutzkonzept ist ein Maßnahmenpaket, um die teils massiven Probleme mit Fußballfans in den Griff zu bekommen. Denn seit der Eröffnung des Stadions im Jahr 2005 parken diese die Straßen in den Freimanner Vierteln zu, hinterlassen jede Menge Müll, urinieren an Hecken und Hauseingängen. Der jahrelange Protest der Anwohner und auch des Bezirksausschusses mündete im August 2018 in folgende Lösung: Drei Stunden vor Anpfiff postieren sich Security-Mitarbeiter neben Sperr-Baken an verschiedenen Zufahrten zu den Siedlungen. Die Wächter in Warnwesten haben zwar rechtlich keine Handhabe, die Fußballfans an der Durchfahrt zu hindern. Sie können aber aufklären und dazu animieren, etwa das Stadion-Parkhaus zu benutzen. Überdies ist die Polizei an diesen Spieltagen verstärkt mit Falschparkerkontrolleuren präsent; vereinzelte Halteverbote wurden eingerichtet. Dazu sollen Schilder mit der Aufschrift "Verbot für Kraftfahrzeuge, Anlieger frei" an den Zufahrten zusätzlich auswärtige Autofahrer abschrecken.

Die regelmäßigen Aktionen halten viele Fans tatsächlich dauerhaft von den Wohngebieten fern, wie sich jetzt offenbar zeigt. Das KVR spricht von einer "deutlichen Verbesserung im Vergleich zur Vorsaison". Grundlage ist eine Analyse von elf Spielen in der Rückrunde. Beim Match gegen Liverpool etwa ließen sich 150 Autofahrer überzeugen, die Sperren nicht zu passieren und kehrten um. Durchschnittlich wurden 30 Strafzettel wegen Falschparkens ausgestellt, in der Spitze waren es einmal 48, wobei sich die Beschwerdelage als unauffällig darstelle, wie das KVR mitteilt. Gleichzeitig sei das Arena-Parkhaus im Schnitt zu 80 Prozent ausgelastet, die Park-and-ride-Anlage Kieferngarten bei jedem Spiel voll belegt gewesen.

Die Polizei zeigt sich dem Protokoll zufolge ebenfalls zufrieden: Es sei "eine deutliche Verbesserung der Situation in den Wohngebieten eingetreten", wird die Einschätzung des Präsidiums wiedergegeben. Die Rede ist von einem "gewissen Abschreckungseffekt", wobei sich der Verkehr zum Stadion hin verlagert hat - dort werden nun vermehrt Falschparker festgestellt. Der Stadion-Betreiber FC Bayern urteilt: Die Parkbelastung befinde sich "in einem durchaus hinnehmbaren Rahmen".

Und auch die Anwohner bemerken eine Entspannung der Situation. "Aus Sicht der Siedlervereinigung haben alle bisherigen Maßnahmen sehr positive Effekte gebracht", heißt es von der Siedlerschaft Kieferngarten, die gut 2000 Bewohner vertritt. Es werde wohl kaum gänzlich ohne "Fremdparker" gehen, räumt der Anwohnersprecher ein, zeigt sich jedoch einverstanden, die Zufahrtsregelungen nur an Wochentagen einzurichten. Die Mietergemeinschaft Burmester-/Bauernfeindstraße trägt das reduzierte Konzept ebenfalls mit. Qua Protokoll will sie aber dem KVR bald eine Liste mit "Vorschlägen verkehrsordnender Maßnahmen" unterbreiten.

Der Erfahrungsaustausch ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Die Akteure - Behörden, Polizei, Anwohner, FC Bayern und der Bezirksausschuss - wollen die Situation weiterhin genau beobachten und zum Abschluss der kommenden Saison im Mai 2020 erneut die Lage diskutieren. Dabei könnte sich bereits ein weiteres Entspannungselement bemerkbar machen: Ende 2019 soll das neue Parkhaus nordwestlich der Arena mit geplanten 1250 Stellplätzen fertig sein. Es ist dies auch ein Projekt, um die Sicherheitslage mit rivalisierenden Fans zu verbessern: Der Komplex soll zum "Gäste-Parkhaus" werden, mit einem speziellen "Gäste-Eingang" aufs Gelände - Zu- und Abfahrt erfolgen allein über den Autobahnring A 99.