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Freimann:Stadt zahlt zwei Millionen Euro für Munitionsfund

In Freimann wurden zehn Tonnen Kampfmittel und Munition aus dem zweiten Weltkrieg entdeckt.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Seit in Freimann Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde, müssen die Anwohner im Hotel übernachten.
  • Zuerst hieß es, sie müssten für die Entsorgung des Sprengstoffs selbst aufkommen - nun will überraschend doch die Stadt einen Großteil der Kosten übernehmen.
  • Die Kommune hält sich eine Beteiligung der Betroffenen offen.

Die Stadt will einen Großteil der Kosten für die Beseitigung der zehn Tonnen Munition in Freimann übernehmen. Das schließt auch den Einsatz von Sicherheitskräften ein sowie die Hotelzimmer für Nachbarn des gefährdeten Grundstücks, die seit Wochen in Hotels übernachten müssen. Das Kreisverwaltungsreferat wird dem Stadtrat am Mittwoch vorschlagen, insgesamt bis zu 2,238 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Bei dieser Summe sollen die Kosten vorläufig gedeckelt sein.

Ob sich die Eigentümer des Grundstücks Zwergackerweg 3, wo die alte Munition gefunden wurde, mit einem Anteil beteiligen müssen, ist noch offen. Die Stadt soll aber unabhängig davon versuchen, einen Teil der Summe von Bund oder Freistaat zu erhalten, heißt es in der Vorlage.

Mit diesem Angebot geht die Stadt mit ihrer Hilfe viel weiter als bisher gedacht. Allerdings stets mit dem Verweis darauf, dass es sich um einen Einzelfall handele. Sie will unter anderem 370 000 Euro für den Wachdienst bezahlen, der die geräumten Häuser und Grundstücke gegen Vandalen und Plünderer sowie das durch Munition verseuchte Gebiet sicherte. Auch die 180 000 Euro Miete für Hotelzimmer der aus ihrem Heim verbannten Anwohner übernimmt die Kommune, wenn der Stadtrat den Plänen zustimmt. Die Gesamtkosten schätzt die Stadt aktuell auf gut 2,2 Millionen Euro und verweist darauf, dass die Aktion noch immer laufe. Deshalb ist in der Summe auch ein Puffer von etwa 450 000 Euro enthalten.

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Den größten Posten machen der Abtransport und die Deponiekosten des verseuchten Aushubs aus. Sie belaufen sich auf 620 000 Euro. Die Beseitigung der zehn Tonnen Munition - unter anderem freiliegender Sprengstoff und panzerbrechende Geschosse - übernimmt nach der Rechtslage ohnehin der Freistaat. Die Munition freizulegen, zu bergen und in Kisten zu packen - dafür sollten ursprünglich die Eigentümer des Hauses am Zwergackerweg aufkommen. Diese Kosten belaufen sich laut Stadt derzeit bereits auf 350 000 Euro.

Sie sind in der Rechnung der Stadt auch komplett enthalten, allerdings hält sich die Kommune eine Beteiligung der Familie offen. Maßstab dafür müsse sein, in welcher Höhe dies den Eigentümern, der Familie Meinberger, angesichts ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse zuzumuten sei. Diese hatte sich lange und auch vor Gericht gegen die Kostenübernahme für die Bergung der Munition gewehrt. Am 3. März dieses Jahres begannen die ersten Sondierungen, die Räumung nahm nach und nach ein kaum für möglich gehaltenes Ausmaß an. Sechs Tage später wurde klar, dass es sich um zehn Tonnen gefährliche Munition aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. Für 40 Werktage wurde eine Sperrzone mit einem Radius von 50 Metern um den Fundort eingerichtet; insgesamt 24 Anwohner durften tagsüber nicht in ihre Häuser.

Am 16. März entdeckte der Sprengmeister frei liegenden Sprengstoff und die Chemikalie Phosphor, die Sicherheitslage verschärfte sich dadurch dramatisch. Nun wurde eine Sperrzone mit 100 Metern Radius eingerichtet, das Betreten der Grundstücke darin wurde rund um die Uhr verboten. Etwa 200 Anwohner waren davon betroffen. Polizei, Feuerwehr und ein Sicherheitsdienst sorgten dafür, dass das Verbot umgesetzt wurde. Eigentlich sollte die Sperrzone nur für zehn Tage gelten, doch die Beseitigung der Munition und die dafür nötige Sicherung der Häuser gestalteten sich schwieriger als erwartet. Die Branddirektion stellt inzwischen eine Rückkehr für diesen Mittwoch um 19 Uhr in Aussicht.

Just also an dem Tag, an dem der Stadtrat über die Übernahme des Großteils der entstandenen Kosten entscheiden soll. Die Eigentümer der beiden Nachbargrundstücke, auf denen ebenfalls Munition gefunden wurde, müssen laut Stadt mit keinen weiteren Kosten rechnen. Sie hatten bei der Bebauung des Grundstücks im Jahr 2012 eine Spezialfirma beauftragt, alle Munitionsrückstände zu beseitigen. Dass noch weiteres gefährliches Material auftaucht, hätten sie nicht wissen können, argumentiert das Kreisverwaltungsreferat (KVR). Deshalb seien sie finanziell nicht mehr zur Verantwortung zu ziehen. Anders als die Familie Meinberger mit dem Grundstück Zwergackerweg 3 - sie hätte laut KVR wegen der Historie grundsätzlich von der Munition auch wissen müssen.

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