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Freimann:Schmökern am Heidemarkt

Am Samstag eröffnet der Verein Kinderschutz München im Viertel den ersten öffentlichen Bücherschrank

Der Stadtteil Freimann hat ja so einiges, worauf andere Teile Münchens gut und gerne verzichten können. Monströse Gewerbegebiete, massive Verkehrsschwemme, eine zerstückelte, zumeist versiegelte Stadtlandschaft. Andererseits gibt es dort vieles nicht, Dinge, die die Freimanner schmerzlich vermissen. Ein Schwimmbad zum Beispiel oder auch eine Bibliothek, zumindest einen Buchladen. Vielleicht erbarmt sich die Bayerische Hausbau und lässt im Baugebiet Freisinger Landstraße das Floriansmühlbad wieder aufleben. Und was die Bücher angeht: Da springt jetzt der soziale Verein Kinderschutz München in die Bresche und etabliert beim kleinen Stadtteilzentrum am Heidemarkt einen Bücherschrank - also eine jener in vielen Vierteln äußerst beliebten Glasvitrinen, in die jedermann Lesestoff hineinstellen und sich selbst daraus kostenlos bedienen kann.

Auf dem Heidemarkt an der Paul-Hindemith-Allee findet der Freimanner Bücherschrank seinen Standort.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Wir haben schon einen guten Platz dafür gefunden", sagt Elke Stamminger, beim Verein zuständig für die Stadtteilangebote im Bezirk Schwabing-Freimann. Sie ist die Ansprechpartnerin für den Bezirksausschuss, aus dessen Mitte die Idee an sie herangetragen wurde - und der zuletzt 10 353 Euro aus seinem Budget für das Projekt bereitgestellt hat. So viel kostet der Bücherschrank, für dessen Organisation und Betreuung Kinderschutz München die naheliegende Wahl ist: Der Verein ist seit vielen Jahren sozialer Akteur im Viertel, betreibt in dem Häuserblock am Heidemarkt ein Familienzentrum und den Nachbarschaftstreff. Außerdem hat die Organisation einen guten Draht zum Eigentümer des Karrees an der Paul-Hindemith-Allee, der ZF Wohnbau. Deren Chef, Hans-Peter Zeitler, begrüße die Bücherschrank-Idee sehr, berichtet Stamminger. Was das ganze Projekt sehr vereinfachte, denn schwierig kann es werden, wenn der Literaturtauschkasten auf öffentlichem Grund platziert werden soll. "So ging alles ganz schnell", sagt Stamminger.

Kinderschutz

Elke Stamminger leitet in Schwabing-Freimann die Stadtteilangebote und kümmert sich um den neuen Bücherschrank. Im Ferienprogramm des Familienzentrums ist er für Vorleseaktionen bereits eingeplant.

(Foto: Carolin Tietz/oh)

Die Stahlkonstruktion mit Bronzelegierung soll am Nordosteck des sternförmigen Segments, auf dem mittwochs immer der Wochenmarkt gastiert, aufgestellt werden, gleich neben dem Spielplatz im Bereich der Heckenelemente. Der Termin steht schon fest: Am Samstag, 10. August, um 11 Uhr wird der Bücherschrank im Rahmen eines kleinen Fests enthüllt. Es gibt ein Buffet sowie ein Vorlese- und Spielprogramm für Kinder. Besucher sind aufgerufen, zu dem Termin bereits Bücher zum Befüllen des Schranks mitzubringen. Bei schlechtem Wetter wird die Veranstaltung in den Heidetreff, Karl-Köglsperger-Straße 19, verlegt. Die offene Bücher-Bedientheke hat bereits im Ferienprogramm des Familienzentrums einen festen Platz: Laut Stamminger werden die nächsten Wochen regelmäßig Vorleseaktionen stattfinden.

Sie erzählt überdies, dass sich die Freimanner ziemlich freuen, dass sie - wenn schon keine Bibliothek und keine Buchhandlung - so wenigstens eine Lesestoff-Tauschbörse im Viertel bekommen. "Es ist eine tolle Idee", gibt Stamminger die Reaktionen von Bürgern wieder. Bis eine Bücherei in Freimann ihre Pforten öffnet, wird es noch dauern: Geplant ist jedenfalls, dass die Volkshochschule im neuen Stadtquartier auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne eine Zweigstelle eröffnet.