Süddeutsche Zeitung

Freimann:Neues Parkhaus soll Verkehrsprobleme an der Allianz-Arena lösen

  • Von Ende 2017 bis 2019 wird an der Allianz-Arena ein neues Parkhaus gebaut.
  • Die Situation in den benachbarten Siedlungen soll sich dadurch entspannen.
  • Das neue Parkhaus mit 1250 Stellplätzen soll das Verkehrs- und das Fan-Problem an der Arena lösen.

Von Stefan Mühleisen, Freimann

Die Bürger in den Siedlungen nahe der Allianz-Arena müssen an gut 45 Tagen im Jahr mit dem Ausnahmezustand leben: An jedem der Spieltage geht in den Wohngebieten nahe dem Fröttmaninger Stadion die Post ab; der Extremfall ist längst zur Normalität geworden. Wie die Heuschrecken fallen Hunderte Fans mit ihren Autos in die Straßenzüge ein, parken Hauseinfahrten, Gehsteige zu.

Menschenmassen drängen sich in der U-Bahn - und oft kommt es zu Rangeleien zwischen heimischen und auswärtigen Fans. Doch schon in drei Jahren könnte in jeder Hinsicht Entspannung einkehren - denn dann soll das neue Parkhaus am Stadion fertig sein. "Wir hoffen, dass sich die Situation damit entzerrt", sagte der Betriebsleiter der Allianz-Arena, Uwe Stadler, am Dienstag in der Sitzung des Bezirksausschusses Schwabing-Freimann während einer Diskussion über die Pläne.

Die Allianz Arena München Stadion GmbH, die das Stadion für den Gesellschafter FC Bayern AG führt, hat bereits im Juli einen Bauantrag für das Projekt eingereicht. Es ist der erste Schritt, um Ordnung in teils chaotische Verhältnisse rund um die Arena zu bringen. Dabei sollen zwei Probleme gelöst werden: das Verkehrs- und das Fan-Problem. Der bisher einzige Parkkomplex mit 9000 Plätzen südlich der Esplanade gilt bei Besuchern als Staufalle, vor und nach den Spielen sind die Zu- und Abfahrten zum bestehenden Parkzentrum oft überlastet.

Das bringt viele dazu, sich in den kleinen Straßen der Siedlung Kieferngarten einen Parkplatz zu suchen. Das neue Gebäude mit 1250 Stellplätzen nordwestlich des Stadions soll Entlastung bringen - denn es wird laut Stadler nur über die Abfahrt an der Autobahn A 99 erreichbar sein; und nach dem Abpfiff dürfen jene, die dort ihr Auto abgestellt haben, nicht mehr nach Süden über die Werner-Heisenberg-Allee fahren. "Sie werden zwangsweise auf die A 99 geleitet", betonte Stadler.

Mit dem neuen Parkhaus hoffen die Betreiber auch, die mitunter prekäre Sicherheitslage durch rivalisierende Fans in den Griff zu bekommen. Die Anhänger der Gastmannschaften sollen in diesem "Gäste-Parkhaus" parken, sie dürfen auch nur noch über einen hier neu geschaffenen "Gäste-Eingang" aufs Gelände. Die beiden Eingänge im Süden und im Norden sind dann nur noch für FCB- und Löwen-Fans zugänglich.

Die Trennung soll auch am U-Bahnhof Fröttmaning funktionieren: Schilder zeigen zukünftig an, dass heimische Fans nach rechts zur Esplanade, Auswärtige nach links über den Weg am Rande der Heide zum neuen Zugang gehen sollen. "Nur dort erhalten sie mit ihren Tickets Zutritt", betonte Stadler. Damit das überhaupt funktioniert, muss eine Brücke über die Bahngleise gebaut werden, wobei der westliche Brückenkopf direkt ans "Gästeparkhaus" andockt. Über diesen Weg müssen die Gäste-Fans dann wieder aus dem Stadion heraus - egal, ob sie mit Auto, U-Bahn oder Bus angereist sind.

Weniger Parkdruck in der Siedlung

Der Gebäudekorpus, entworfen und geplant vom Architekturbüro Reinhard + Partner München mit Vize (Prag), wird auf einem bestehenden Busparkplatz errichtet. Entstehen sollen nach Stadlers Angaben drei Stockwerke; das neue Parkhaus ist 250 Meter lang, 70 Meter breit und 16 Meter hoch. Baubeginn ist Ende 2017, die Fertigstellung 2019 geplant.

Die Mitglieder der Bezirksausschusses ließen durchblicken, dass sie sich vor allem eine Beruhigung der Lage in den umliegenden Siedlungen erwarten. Das Lokalgremium fordert seit Jahren im Schulterschluss mit Bürgern ein "Anwohner-Schutzkonzept", um den Ansturm der Fußballfans in den Wohngebieten einzudämmen - bisher ohne Erfolg. Allianz-Arena-Emissär Stadler wollte den Lokalpolitikern keine Entlastung zusichern, gab sich aber optimistisch, dass das Konzept Erleichterungen für die Bevölkerung mit sich bringt.

"Mit dem neuen Parkhaus wird für die Leute die Attraktivität, anderswo zu parken, abnehmen", sagte er. Man hege die große Hoffnung, dass der Parkdruck in den Siedlungen damit sinkt. Stadler betonte, dass die Fans mit ihren Tickets eine Information über die getrennte Park- und Anreisesituation erhalten werden. Zusätzlich werde die Beschilderung auf den Straßen, der U-Bahn und auf dem Gelände entsprechend angepasst.

Die Stadtviertelvertreter zeigten sich insgesamt sehr zufrieden mit dem Konzept, gaben einstimmig ihre Zustimmung und folgten damit offenbar der Haltung der Lokalbaukommission. Nach den Worten von Bezirksausschuss-Mitglied Petra Piloty (SPD) hat der Behördenleiter Cornelius Mager bei einem Gespräch die Pläne "sehr positiv" beurteilt.

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SZ vom 29.09.2016/amm
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