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Freimann:Gelassene Nachbarschaft

Die Arbeiten für die Flüchtlingsunterkunft nahe der Fröttmaninger Arena stoßen auf keinerlei Widerstand

Münchner Lokalpolitiker haben es derzeit oft mit verunsicherten Bürgern zu tun. Die Menschen sind unruhig, weil neue Flüchtlingsunterkünfte entstehen. In manchen Vierteln war bei Info-Veranstaltungen nervöse Stimmung zu spüren. Doch es gibt auch Münchner, die so freundlich reagieren, dass der Bezirksausschuss-Vorsitzende den Besuchern mit einem Bibelzitat begeistert Respekt zollt. "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan", sagte Werner Lederer-Piloty (SPD) unlängst zu den Freimanner Bürgern bei einem Info-Abend. Sie waren gekommen, um sich über die geplante Leichtbauhalle für 280 Asylsuchende nördlich der Bezirkssportanlage an der Bauernfeindstraße unweit der Arena zu informieren. Der Vers aus dem Matthäus-Evangelium, so Lederer-Piloty, charakterisiere auch die Einstellung der Freimanner zu dem neuen Flüchtlingsquartier.

Mit der Sentenz wird vermittelt: Es ist gottgefällig - also moralisch geboten -, fremden Menschen zu helfen, ihnen Essen, Trinken und ein Obdach zu geben. Während das städtische Sozialreferat seinen Aufnahmeverpflichtungen hinterher hinkt, es keine Ausweichquartiere mehr gibt, die Bezirksregierung bereits ein "Unterbringungsdefizit" anmahnt, sind die Freimanner hilfsbereit - das ist umso bemerkenswerter, als schon seit Jahren das Erstaufnahmezentrum Bayern-Kaserne zu ihrer Nachbarschaft zählt. Als "sehr konstruktiv" beschreibt Lederer-Piloty die Gemütslage der Bürger an diesem Abend. Es ging dabei um eine von sieben Leichtbauhallen, die 2016 im Stadtgebiet als Überbrückungslösung auf städtischen Grundstücken neu hinzukommen. Im Münchner Norden sind es insgesamt vier.

Es geht voran: Planierraupen und Bagger bereiten das Gelände in Freimann derzeit vor.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Stadtrat hat schon wiederholt mit sogenannten Standortbeschlüssen festgelegt, wo Leichtbauhallen als Interimsquartiere errichtet werden. Diese Unterkünfte bestehen aus einer Stahl- und Aluminiumkonstruktion, eingefasst von wärmegedämmten Paneelen und Thermoplatten. Das wird auch bei der Freimanner Unterkunft so sein, die am 1. April in Betrieb gehen soll. Sie entsteht auf einem städtischen Grundstück an der Ecke Bauernfeindstraße und Werner-Heisenberg-Alle, südöstlich des U-Bahnhofes Fröttmaning gelegen. Im Frühjahr 2017 soll auf der Fläche laut Sozialreferat eine Schulcontaineranlage entstehen - Ausweichquartier für die Schülerschaft des Oskar-von-Miller-Gymnasiums und des Max-Gymnasiums, deren Gebäude generalsaniert werden. Bis dahin könne die Fläche als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden, teilt ein Behördensprecher mit. Allerdings könnte es auch ein Jahr mehr werden, wie der Zusatz "maximal 24 Monate" in der Mitteilung nahelegt.

Entstehen sollen zwei Gebäude für jeweils 140 Menschen, dazu eine Catering-Halle sowie Container für Aufenthaltsräume, Lager, Büros, Sprachkurse und die Asylsozialberatung. Als Betreiber der Anlage hat sich das Bayerische Rote Kreuz beworben; eine Entscheidung ist nach Behördenangaben noch nicht gefallen.

Solch temporäre Gebäude sind ein wichtiger Teil des "kommunalen Überbrückungsprogramms", wie es das Sozialreferat nennt. Im Klartext heißt das: Es gibt keinen Platz mehr in festen Gebäuden, also müssen Notlösungen her. 2016 will die Stadt - so die Auskunft am Dienstag - 30 Gemeinschaftsunterkünfte mit 6500 Plätzen schaffen, davon 1570 in sieben Leichtbauhallen; auch in vielen Gewerbeimmobilien kommen die Asylsuchenden unter. Bisher sind vier Leichtbauhallen - Mainaustraße, Hansastraße, Kronstadter Straße und Max-Proebstl-Straße - im Stadtgebiet in Betrieb gegangen. Im Münchner Norden kommen im ersten Halbjahr, neben jener an der Bauernfeindstraße, noch drei hinzu: An der Neuherbergstraße 24 soll bereits am 22. Februar eine Unterkunft für 250 Flüchtlinge eröffnen. Für den 30. Mai ist geplant, ein Übergangsquartier für 500 Bewohner an der Event-Arena im Olympiapark zu etablieren. Eine Kapazität von bis zu 380 Plätzen sollen die Hallen an der Karlsfelder Straße 282 in Ludwigsfeld haben.

Anschließend soll die Unterkunft errichtet werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Unterdessen wurde Kritik an der Ausstattung dieser temporären Unterkünfte laut. Perlacher Lokalpolitiker rügten die mangelnde Privatsphäre zwischen den eng mit Trennwänden separierten Betten-Parzellen in der Halle an der Arnold-Sommerfeld-Straße in Neuperlach. Grünen-Politiker Guido Bucholtz verlangte, "Mindeststandards für eine menschenwürdige Unterbringung" einzuhalten.

In Freimann ist damit zu rechnen, dass nicht nur Politiker, sondern auch viele Bürger ein Auge auf die Situation der Flüchtlinge haben werden. Wie der Gremiumsvorsitzende Werner Lederer-Piloty mitteilt, habe sich bereits jetzt ein Helferkreis zur Unterstützung der Ankömmlinge formiert. Dabei haben in diesen Tagen die Bauarbeiten auf dem Gelände gegenüber der Freimanner Bezirkssportanlage erst begonnen.