Bürgerversammlung:Neufreimann wächst, die Sorgen wachsen mit

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Bürgerversammlung: Die Tram nach Freimann erschließt die Bayernkaserne und soll via Heidemannstraße (Bild) den U-Bahn-Halt in Kieferngarten ansteuern.

Die Tram nach Freimann erschließt die Bayernkaserne und soll via Heidemannstraße (Bild) den U-Bahn-Halt in Kieferngarten ansteuern.

(Foto: Stadtwerke/MVG)

Mit dem zunehmenden Baufortschritt auf dem Areal der ehemaligen Bayernkaserne stellen die Freimanner die Verkehrsplanungen in Frage. Und auch die Polizei weiß nicht, wie sie der Probleme im vergrößerten Stadtbezirk Herr werden soll.

Von Ilona Gerdom

Draußen, am Eingang zum MOC-Veranstaltungscenter, stehen die Leute noch Schlange. Drinnen sind trotz der 250 Stühle kaum noch Plätze frei. Stadträtin Anna Hanusch (Grüne), Leiterin der Freimanner Bürgerversammlung, sorgt sich bereits, dass der Raum zu klein ist: "Hoffentlich brauchen wir keine Wiederholung." Die braucht es nicht - auch wenn die Bürgerinnen und Bürger eine Reihe von Anträgen stellen. Den Abend bestimmen Wachstumsprobleme und Trambahn-Planungen.

Mit einer kleinen Verspätung von fünf Minuten und einer großen Zahl geht es los: 20 000. Um so viele Menschen wird Freimann nach städtischen Prognosen bis 2030 wachsen. Vor allem zwei Orte gibt es hier im Münchner Norden, an denen Wohnraum entstehen wird. Zum einen sollen 600 Wohnungen an der Freisinger Landstraße 40 bis 60 errichtet werden. Die finalen Beschlüsse dazu wolle der Stadtrat 2023 treffen, so der stellvertretende Bezirksausschuss-Vorsitzende Lars Mentrup (SPD). Baustart könnte dann 2024 sein.

Zum anderen "entsteht ein Stück Stadt", wie Mentrup (SPD) es nennt, auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne. In Neufreimann, wie das Areal nun heißt, soll bis 2030 ein Quartier mit 15 000 Einwohnern entstehen. Bagger sind schon angerückt. Gebaut wird gerade am Schulzentrum. Entstehen sollen viele weitere Projekte im Bereich sozialer Infrastruktur. Aber auch für die verkehrlichen Vorhaben gibt es Pläne: Die Tramlinie 23 soll erweitert und durch das Gebiet geführt werden. Die Straßenbahnen werden dann entlang der Heidemannstraße bis Kieferngarten fahren und dort, wo sich aktuell noch ein Parkhaus befindet, wenden. Die Schleife wird auch zum Anfang und Ende der neuen Linie 24, die ebenfalls über die Heidemannstraße Richtung Westen bis zur U-Bahn-Haltestelle Am Hart führen soll.

Die Realisierung einer alternativen Tramtrasse ist unwahrscheinlich

Nicht alle sind darüber glücklich, wie die Anträge der Freimannerinnen und Freimanner zeigen. "Ich fühle mich immer noch nicht aufgeklärt", sagte eine Bürgerin. Sie will Auskunft, mit welchen Nutzerzahlen gerechnet wird. Sie bezweifelte, dass die Erweiterung nötig ist und forderte, das Planfeststellungsverfahren zu prüfen. Dazu meldete sich MVG-Vertreter Stefan Bieschke zu Wort. Genaue Zahlen verriet er nicht, betonte aber, dass die Tram auch im Hinblick auf die kommenden "20, 30, 40 Jahre" gerechtfertigt sei. München werde wachsen und damit auch die Infrastruktur.

Ein anderer Besucher wohnt nahe an der künftigen Wendeschleife. Er ist sich sicher: Die "quietscht und rattert. Dann ist es mit dem Schlafen vorbei." Statt vor seine Wohnungstür solle man die Strecke "alternativ" nach Fröttmaning führen. Die Versammlung stimmte dem zu. Dass es so kommt, ist erst einmal unwahrscheinlich. Denn, so Bieschke, die MVG habe einen klaren Auftrag vom Stadtrat und sei längst in die Planung eingestiegen. Eine Tram bis Fröttmaning würde zudem eine längere Strecke bedeuten. Es müssten nicht nur mehr Schienen verlegt werden, sondern es brauche auch mehr Fahrzeuge und Personal. Das sei zu teuer. Eine Verlängerung sei aber "nachträglich möglich".

Bei einem so großen Quartier wie Neufreimann ist der Verkehr freilich nicht das einzige Thema, das Bürger wie Behörden bewegt. Besorgt zeigte sich auch Olaf Schleicher von der zuständigen Polizeiinspektion Milbertshofen. Er fragt sich, wie er und seine Kollegen das Gebiet angemessen betreuen sollen. Schon jetzt sei man für rund 110 000 Menschen zuständig. Schleicher findet: "Die Polizeiinspektion zu vergrößern, wäre eine feine Sache."

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