Freiham Neue Heimat für 3000 Schüler

Am letzten Tag vor den Ferien wurde für die neuen Schulgebäude im Münchner Westen Richtfest gefeiert.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ein komplett neues Stadtviertel entsteht gerade in Freiham. Der Betrieb auf dem dazugehörigen riesigen Bildungscampus soll schon nächstes Jahr starten - der Rohbau dafür steht jetzt schon.

Von Robert Meyer

Grüne und gelbe Ungetüme bestimmen derzeit das Bild eines Viertels, in dem sich grüne Wiesen und die Kiesflächen der Baustellen abwechseln. Die Kräne seien fast schon die "neuen Wahrzeichen" von Freiham, scherzte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Freitag beim Richtfest für den neuen Bildungscampus im Münchner Westen. Dazwischen stehen die Betonskelette der neuen Schulen auf dem ansonsten brachen Feld, wo derzeit Münchens größtes Stadtentwicklungsprojekt entsteht: der neue Stadtteil Freiham.

Am letzten Schultag vor den Sommerferien feierte die Stadt den Abschluss der Rohbauarbeiten auf dem Schulcampus, auf dem künftig 3000 Schüler in insgesamt vier Schulen unterrichtet werden sollen - je eine Grund-, Real- und Förderschule sowie ein Gymnasium. Dazu kommt eine Doppelsporthalle und ein gemeinsames Gebäude mit Mensa, Bibliothek und Kreativbereichen. Mehr als 6000 Tonnen Stahl und 47 000 Kubikmeter Beton wurden bisher verbaut.

Weitläufiges Areal: Vier Schulen sind auf dem Bildungscampus in Freiham untergebracht. Simulation: Ponnie

(Foto: )

Im März vergangenen Jahres begannen die Arbeiten, zum Schuljahr 2019/20 sollen die ersten Schüler bereits auf dem Campus unterrichtet werden. Ein enger Zeitplan für Münchens größte Schulbaustelle, gibt Baureferentin Rosemarie Hingerl zu. Das sei risikoreich, in den knapp zweieinhalb Jahren Bauzeit habe man "keine Zeitpuffer". Nach dem Abschluss des Rohbaus vervielfacht sich nun die Zahl der Firmen, die am Bau beteiligt sind, vom Schlosser über den Schreiner bis zum Bodenleger. Man sei aber voll im Plan, versichert Hingerl. Beim Richtspruch fehlte dann auch nicht die Stichelei gegen die Dauerbaustelle am Berliner Flughafen.

Ein Bauprojekt dieser Größe wäre an einer zentraleren Stelle in der Stadt wohl kaum möglich, meinte Oberbürgermeister Dieter Reiter. Denn sonst habe man es in München fast immer mit den "Transparenthaltern" zu tun, Nachbarn oder politischen Mitbewerbern, die sich vor jede Baustelle stellen und "versuchen, bauen zu verhindern".

Ein komplett neues Stadtviertel

Dass es noch keine Nachbarn gibt, sei einer der großen Vorteile der Schulbaustelle, meint auch Baureferentin Rosemarie Hingerl. Von Montag bis Samstag laufen die Bauarbeiten, mithilfe von Ausnahmegenehmigungen teilweise auch an einigen Sonn- und Feiertagen. Bis zu neun Kräne standen während der Rohbauphase gleichzeitig auf dem Gelände des künftigen Schulcampus, der die Stadt 245 Millionen Euro kostet. "Ich finde es wunderbar, dass für den Bau von Bildungseinrichtungen so viel Geld zur Verfügung gestellt wird", sagte Bildungsreferentin Beatrix Zurek. Das sei vor allem im Hinblick auf andere, finanziell schwächere Städte in Deutschland nicht selbstverständlich. Sie sei auch stolz darauf, dass "von Anfang an die Wünsche von Kindern und Jugendlichen mit berücksichtigt" und in die Baupläne integriert worden seien, sagt Zurek.

Der Bau der neuen Schulen eilt, schließlich platzen die Grundschulen im Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied aus allen Nähten. Und durch die wachsenden Bevölkerungszahlen in den kommenden Jahrzehnten wird sich die Situation in den Schulen wohl kaum entspannen. Die Prognosen zur Zahl der Schüler müssen regelmäßig nach oben korrigiert werden.

Um den neuen Bildungscampus herum entsteht in Freiham derzeit auf einer Fläche von knapp 500 Fußballfeldern ein komplett neues Stadtviertel, in dem eines Tages 25 000 Menschen leben sollen. Bis zum Jahr 2024 soll der erste von zwei Bauabschnitten vollendet sein. Der Bildungscampus wird also schon lange vor den mehr als 10 000 geplanten Wohnungen fertig sein.

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