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Freiham:Leuchtende Augen danken für die Hilfe

Insomi

Anschub für einen guten Start: Wenn die Mama in der Sprachschule ist, kümmern sich Mentoren um ihren Sohn.

(Foto: Klaus Bichlmayer/oh)

Der Verein "Insomi" betreut Flüchtlinge bei ihrem Start in der neuen Heimat und sucht Mentoren zur Verstärkung

Engagement ist immer auch ein bisschen Abenteuer. Für all diejenigen, die Unterstützung bekommen. Aber auch für jene, die ihre Hilfe anbieten. Als Karin Fink Anfang 2016 in der Gemeinschaftsunterkunft in Freiham eine junge Kongolesin kennenlernte, wusste sie nur bedingt, was sie erwartete. Sie sah, die Frau ist hochschwanger und hat bereits einen vierjährigen Sohn. Also kümmerte sich Fink um die Geburtsvorbereitung. Sie suchte einen Arzt und eine Klinik, organisierte eine Betreuung für den Jungen, sorgte für Kinderwagen und Wickeltisch. Als die frischgebackene, alleinerziehende Doppelmama dann in die Sprachschule ging, betreute Fink die Kleinen. "Wenn Greta nach eineinhalb Stunden aus dem Unterricht zurück kommt, freuen wir uns beide", schrieb Fink im Mai 2016 in ihren Blog. "Sie, weil sie wieder etwas Neues gelernt hat. Und ich, weil ihre Augen so schön leuchten." Inzwischen ist das Baby der Kongolesin ein gutes Jahr alt, jetzt steht die Suche nach einem Kindergartenplatz für den Großen an.

Karin Fink ist Mentorin. Der Verein "Insomi", in dessen Vorstand sie sitzt, gründete sich Ende 2015, zu Beginn der Flüchtlingswelle. "Insomi" steht für integrativ - sozial - mittendrin: Schwerpunkt der Vereinsarbeit ist die humanitäre Hilfe mit dem Ziel der Integration. Den Zuzug von Asylsuchenden begreift der Verein "angesichts demografischer Herausforderungen, eines immer drängenderen Fachkräftemangels und der unaufhaltsam fortschreitenden Globalisierung" als "große Chance für unsere Gesellschaft". Damit Integration funktionieren kann, braucht es engagierte Paten. Momentan ist der Verein nur in der Freihamer Unterkunft tätig, mehr als 20 Flüchtlinge konnten dort schon an einzelne Mentoren und Mentorentandems vermittelt werden. Langfristig soll das Projekt aber auch in anderen Unterkünften eingesetzt werden können. Wer sich engagiert, wird umfassend betreut. Mentor und Mentee passen in der Regel gut zueinander, "Insomi" fragt Sprachkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen ab. Eine Familie mit Kindern etwa harmoniert vermutlich gut mit einer Flüchtlingsfamilie, junge Asylsuchende teilen ihre Interessen wohl eher mit Studenten als mit Rentnern. Außerdem gibt es gemeinsame Zielvereinbarungen.

"Hat ein Pate dennoch ein Problem mit seinem Schutzbefohlenen, bekommt er sehr schnell Unterstützung aus der Gruppe", verspricht Karin Fink. "Sehr hilfreich" sei die Whatsapp-Gruppe: "Sie liefert oft prompte Antworten, etwa wenn die Frage auftaucht, welche Bank am günstigsten für ein Girokonto für Flüchtlinge ist." Schwieriger allerdings wird es, wenn psychische Probleme aufgrund von traumatischen Erlebnissen zu bewältigen sind. In solchen Fällen unterstützt der Vorstand oder Koordinatorin Annette Sommer.

Behördengänge übernehmen, Fahrräder oder Kochutensilien organisieren, Überzeugungsarbeit leisten, dass der Deutschkurs wichtig ist und besucht werden muss - das sind die alltäglichen Dinge, mit denen Mentoren in der Regel zu tun haben. Aber es gibt eben auch die tollen Momente: gemeinsame Kochaktionen mit den Schützlingen, wie jetzt am 20. Mai im Rahmen eines Kulturfestes. Oder, wenn ein neuer Mensch im Kreißsaal auf die Welt kommt.

Wer Interesse an einer Patenschaft für Flüchtlinge hat - "Insomi" bietet regelmäßig unverbindliche Informationsveranstaltungen zur Mentorentätigkeit an. Die nächste findet am Montag, 22. Mai, um 18.30 Uhr im Stadtteilladen Pasing an der Gleichmannstraße 5 a statt.