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Freiham:Gemeinsames Garteln

Ein Freiluft-Projekt soll Nachbarn zusammenbringen

Von Julia Weinzierler, Freiham

Es wird gewerkelt - und das nicht nur auf den schier unendlichen Baustellen in Freiham-Nord. Denn während das neue Wohnquartier entsteht, soll auch das soziale Miteinander aufblühen. So wird im frisch eingeweihten Freiluftgarten trotz wolkenverhangenen Himmels am Wochenende fleißig der Rechen geschwungen und gesät. Das Urban-Gardening-Projekt läuft gerade erst an, doch schon greifen über ein Dutzend Freiwillige zu Gartengeräten aus dem neuen Holzschuppen und bringen Samen für Zucchini, Kürbisse und Salate auf einem der acht Beete in die Erde.

Die 800 Quadratmeter große Fläche im Grünband zwischen Freiham und Neuaubing wird vom ansässigen Nachbarschaftstreff in Kooperation mit Green City betreut. Wie Patrycja Marek vom Träger Kinderschutz München erklärt, steht das Gärtnern aber im Hintergrund. Vielmehr noch wolle man Menschen in ihrer Freizeit zusammenbringen. Das Projekt soll und darf dabei ein Eigenleben entwickeln, ein Konzept wird nicht vorgegeben. Was mit den Parzellen genau geschieht, entscheiden die Anwohner eigenständig.

Laut Marek hängt es von deren Engagement ab, was in dem Freiluftgarten umgesetzt werden kann. Denkbar sei so einiges: Neben der Produktion von Nahrung könnte auch ein Insektenhotel entstehen oder etwa ein Unterschlupf für Igel im Winter. "Durch die Baustelle wurde hier sehr viel an Flora und Fauna zerstört", berichtet Marek mit Blick auf die vielen Baugerüste rund um das idyllische Gärtchen. Nun könne man der Natur etwas zurückgeben.

Eine noch größere Rolle soll Vielfalt spielen. Im Freiluftgarten möchte man an Barrieren aller Art arbeiten. Scheitern könnte dies lediglich am "deutschen Boden", schmunzelt Marek. "Wir haben zum Beispiel eine Familie aus dem Iran, die Pflanzen aus der Heimat mitgebracht hat und gerne hier kultivieren möchte", erzählt sie. Das ist vielleicht gerade das Schöne an einem solchen niederschwelligen Projekt: Die Anwohner können sich ausprobieren, Wissen einbringen und ihre Kenntnisse weiterentwickeln. Am Ende entsteht vielleicht nicht das perfekte Produkt, dafür aber eine nachbarschaftliche Gemeinschaft. Der Grundstein ist nun gelegt.

© SZ vom 02.06.2020

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