bedeckt München

Freiham:Es werde Licht - aber nicht zu viel

Adaptive Straßenbeleuchtung "Bei Bedarf Licht" in München, 2019

Wenn Menschen auf dem Fußweg entlang der Ellis-Kaut-Straße unterwegs sind, flammt das Licht auf und wird danach wieder reduziert - um die optische Umweltverschmutzung zu reduzieren.

(Foto: Florian Peljak)

Stadtteilvertreter fordern dimmbare Beleuchtung zum Schutz nachtaktiver Tiere

Von Ellen Draxel, Freiham

Helles Licht durchflutet die Grünanlagen rund um den Bildungscampus. Es ist spätabends, draußen ist es dunkel, Schüler und Lehrer haben das Gelände längst verlassen. Die Beleuchtung des Campus ist eine Sicherheitsfrage - aber aus Sicht von Aubings Lokalpolitikern könnte diese Aufgabe auch mittels Bewegungsmeldern gelöst werden. Der Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied stört sich an zu viel Lichtverschmutzung. Intensive Helligkeit in der Nacht, das ist wissenschaftlich bewiesen, beeinträchtigt nachtaktive Insekten und andere Tiere, wirkt sich aber auch negativ auf den menschlichen Biorhythmus aus.

Deshalb fordern die Stadtteilvertreter ein "Beleuchtungskonzept zur Vermeidung von Lichtverschmutzung in städtischen Grünanlagen und begrünten Außenanlagen von städtischen Gebäuden". Schließlich gebe es dank der "rasanten technischen Entwicklung" Alternativen zur Dauerbeleuchtung bei gleichbleibend starker Lichtintensität.

Bislang existiert ein solches Konzept stadtweit nicht. In Freiham-Nord jedoch läuft noch bis Ende des Jahres ein Feldversuch einer adaptiven Beleuchtung: Diese 16 LED-Lampen, angesiedelt an einem 350 Meter langen Fußweg zwischen der Ellis-Kaut-Straße und der Grundschule an der Gustl-Bayrhammer-Straße, werden heller, sobald sich jemand nähert, und verdunkeln sich wieder, wenn der Passant vorbeimarschiert ist. Schon heute ist klar, diese Technik spart immens Energie und CO₂ ein, bis zu 80 Prozent. Allerdings kostet sie auch: Allein in der Anschaffung sind LED-Lampen dem Baureferat zufolge fast doppelt so teuer wie konventionelle Leuchten. Und die adaptive Beleuchtung verdreifacht den Wert noch. Ein flächendeckender Aufbau in der Stadt sei deshalb, so die Planer beim Start des Pilotprojekts vergangenen November, derzeit noch nicht realisierbar.

Dass das Baureferat sich dennoch seit Jahren Gedanken um Lichtemissionen macht, beweist der schon lange praktizierte Einsatz von Lampen mit einer gezielten Lichtlenkung und geringem Blauanteil. Tiere werden dadurch weniger gestört. In Grünanlagen werden zudem nur übergeordnete Routen, die zu Haltestellen führen oder Schulwege sind, beleuchtet. Gespart wird außerdem beim In-Szene-Setzen der historischen und sakralen Gebäude, Denkmäler und Brunnen in München. Etwa hundert dieser Sehenswürdigkeiten werden Abend für Abend in der Landeshauptstadt angestrahlt - früher bis halb eins in der Nacht, seit August 2019 nur noch bis 23 Uhr. Dank des Volksbegehrens "Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern".

© SZ vom 19.09.2020
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