Kampagne zum Umzug aufs Land Münchner, zieht nach Mühldorf!

"Doppelte Lebensqualität zum halben Preis": Ein Verein aus Mühldorf am Inn preist das pittoreske Städtchen 80 Kilometer östlich von München als "Superstandort" - und will zum Umzug aufs Land animieren.

Von Heiner Effern

Schöne Stadt, tolle Lebensqualität, gute Anbindung. "Ein Superstandort", sagt Franz Hutterer. Wer nun glaubt, damit könne nur wieder einmal das unübertreffliche München gemeint sein, der geht fehl. Das Gegenteil ist der Fall: Hier will einer die Möglichkeit zur Flucht anbieten. Münchner, zieht nach Mühldorf, das ist Hutterers Botschaft. Die ist seit dieser Woche prominent platziert: An der S-Bahnstammstrecke hängen Plakate, auf denen glückliche Flüchtlinge abgebildet sind. "Ich war ein Münchner" steht in großen Lettern darauf. Und der Grund für den Umzug nach Mühldorf: "Doppelte Lebensqualität zum halben Preis".

Mühldorf am Inn, 80 Kilometer östlich von München, pittoreske Altstadt, knapp 20.000 Einwohner. Für den Hauptstädter ist dieser "Super-Standort" keine Erfüllung geheimer Sehnsüchte, sondern das Einfallstor nach Niederbayern. Seltsam sprechende Menschen wohnen da, die wie verhinderte Rennfahrer die B 12 und die A 94 hinauf und hinunterrasen, um in München arbeiten zu dürfen.

Dieses Bild hat sich so festgesetzt, dass es Franz Hutterer und anderen Mühldorfern reicht. Sie gründeten einen Verein, der die Kleinstadt aus der gedanklichen Versenkung holen will, in der sie bei ihrem großen Nachbarn schlummert. Nicht ganz uneigennützig: Vorstandschef Hutterer ist Projektentwickler für Immobilien, auch andere Mitglieder kommen aus dieser Branche. Sie wollen verdienen am Boom in München. "In Mühldorf bekommt man eine neue 80-Quadratmeter-Wohnung für 200 000 Euro. Dafür kriegt man in München eher ein Wohnklo." Und München sei in einer Dreiviertelstunde mit dem Zug zu erreichen. "Von Erding ist man auch nicht viel schneller in der Stadt."

Die Plakate sind nur der Beginn einer Kampagne. An allen 36 Infoscreens in der U-Bahn wird in den kommenden Wochen im Zehn-Minuten-Takt für die "charmante Alternative" geworben. Dafür haben Hutterer und seine Freunde 150 000 Euro gesammelt. Doch eine Stadtflucht in den Osten sei gar nicht das alleinige Ziel, beteuert Hutterer. Es gehe auch darum, die Stadt Mühldorf positiv dazustellen.

Für ironische Angriffe auf seine Stadt ist immer noch Oberbürgermeister Christian Ude selbst die erste Adresse. Er nimmt die frechen Kleinstädter in seiner typischen Diktion in den rhetorischen Schwitzkasten. "Die Mühldorfer Kampagne ist ein origineller Hinweis auf die Vielfalt der Qualitäten, die die Europäische Metropolregion München zu bieten hat", schreibt er. Die Stadt Mühldorf könne dort ja Mitglied werden, gleich beim nächsten Treffen. Ob die Mühldorfer auf diese Weise von der Hauptstadt einkassiert werden wollen? Franz Hutterer sieht eher einen beidseitigen Nutzen der Kampagne. "Wir entlasten deren Wohnungsmarkt."