Frauenrechte Zeit für Diakoninnen

Die Diakone Thomas Nixdorf und Stefan Stürmer (von links) stellen sich den Reformern um Stefan Schori.

(Foto: Catherina Hess)

Katholiken protestieren für Gleichstellung in der Kirche

Von Jakob Wetzel

Elisabeth Stanggassinger ist das Warten leid. "In der Kirche wird immer gesagt, wir müssten die Zeichen der Zeit wahrnehmen", sagt sie. "Aber das wichtigste Zeichen unserer Zeit ist die Gleichstellung der Frau! Und da schaut die Kirche weg." Um Diakon zu werden, muss man ein Mann sein; Frauen bleiben außen vor, einfach weil sie Frauen sind. So gehe es nicht weiter.

Stanggassinger ist Gemeindereferentin im katholischen Pfarrverband München-Westend. An diesem Mittwoch aber steht sie mit 21 Gleichgesinnten vor dem Eingangstor zum Exerzitienhaus Schloss Fürstenried. Die drei Reformgruppen "Münchner Kreis", "Gemeindeinitiative" und "Wir sind Kirche" haben dazu aufgerufen, ein Zeichen für die Gleichberechtigung zu setzen. Im Schloss tagen die Sprecher der Diakone aller deutschen Bistümer, draußen werben die Reformer für das Diakonat der Frau. Auf einem Transparent zitieren sie das Grundgesetz: Niemand dürfe wegen seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt werden. Ein anderes fragt: "Was sagt ihr euren Töchtern, wenn sie euch fragen, warum schließt ihr Frauen aus?"

Das Diakonat sei der erste Schritt, sagt Stanggassinger. Letztlich gehe es auch um die anderen Weiheämter, um das Priestertum der Frau und das Bischofsamt. Doch Reformen gehen in der katholischen Kirche einen langen Weg, das zeigt sich hier beispielhaft: Die Reformer wollen die Sprecher der Diakone bitten, mit den anderen Diakonen in ihren Diözesen ihre Bischöfe zu bitten, sich in Rom für ihre Sache einzusetzen. In München haben das die Diakone bereits 2017 getan: Sie baten Erzbischof Reinhard Marx um Fürsprache bei Papst Franziskus. Eine Rückmeldung erhielten sie nach eigenen Angaben freilich nicht.

Aus dem Erzbistum München und Freising heißt es, die Kirche wolle grundsätzlich schon mehr Verantwortung an Frauen übergeben. Kardinal Marx forderte zuletzt wiederholt öffentlich, die Rolle von Frauen zu stärken. Und künftig soll auch das bisher einem Priester vorbehaltene Amt des Verwaltungschefs im Erzbistum Frauen offen stehen. Das Diakonat aber sei ein Weiheamt, sagt ein Sprecher. Das könne der Kardinal nicht alleine entscheiden.

In Fürstenried stehen die Reformer vor verschlossenem Tor. Mittags kommen zumindest einzelne Diakone heraus; Stefan Schori, Sprecher des "Münchner Kreises" und selber Diakon, überreicht ihnen Regenschirme mit der Aufschrift "Für den Diakonat der Frau". Die Diakone aus dem Schloss hören zu, glücklich aber wirken sie nicht. Er selber würde das Diakonat der Frau ja begrüßen, sagt Thomas Nixdorf, Diakon aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Aber ob eine Demonstration helfe, sei fraglich. Wer daran rühre, dem schalle von Konservativen sofort entgegen, er wolle ein Schisma. Und eine Entscheidung falle, wenn, dann in Rom. In vielen Ländern stehe das Diakonat der Frau aber gar nicht zur Diskussion. "Wir Diakone haben kein politisches Mandat", ergänzt Stefan Stürmer, Diakon aus Trier. Zudem habe der Papst 2017 eine Studienkommission eingesetzt; deren Ergebnisse solle man abwarten.

Es sei längst alles gesagt, findet hingegen Stanggassinger. "Alle Argumente liegen auf dem Tisch." Nicht einmal die Tradition spreche dagegen: Im 11. Jahrhundert habe es Diakoninnen gegeben, in der Urkirche sowieso. Und niemand müsse auf die Weltkirche warten, sagt Diakon Willi Kuper. Der Papst habe die Bischöfe aufgefordert, mutig zu sein, sie könnten eigene, regionale Lösungen finden. "Aber dazu fehlt vielen Amtsträgern eben doch der Mut. Das ist schade."