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Frauenleiche vom Feringasee:Zwei Versionen von den Geschehnissen im Wohnzimmer

Was dort im Wohnzimmer geschah, ist ungewiss. Staatsanwalt Laurent Lafleur ging in seiner Anklage davon aus, dass Konstantin V. seine Freundin mit einem Messer attackiert, gewürgt und ihr einen Gefrierbeutel über den Kopf gezogen und diesen mit einem Seil fixiert hat, um sie zu erdrosseln. V. sagt, Beatrice F. sei auf ihn los gegangen und als die Geliebte an der Haustüre geklingelt habe, sei sie so in Rage geraten, dass es zu einem Gerangel gekommen sei. Er habe sie im Schwitzkasten gehalten, man sei gestürzt, dann sei Beatrice F. leblos liegen geblieben. Er habe ihr den Beutel übergezogen, weil sie aus einer Kopfwunde geblutet habe.

Das Seil um den Hals sei "extrem eng und einschnürend gewesen", sagt die Gerichtsmedizinerin in ihrem Gutachten. Die Verletzungen am Kehlkopf seien durch beide Versionen des Tatgeschehens nicht ausschließbar. Bei einem kurzen Unterarmwürgegriff allerdings werde der Betreffende zwar bewusstlos, erwache aber dann wieder. Um den Tod herbeizuführen, bedürfe es einer längeren Kompression gegen den Hals.

Staatsanwalt Lafleur ist der Ansicht, dass Konstantin V. ein neues Leben plante, dass Beatrice F. dabei im Weg stand, und er sie heimtückisch und aus niederen Beweggründen ermordet habe. "Ich will Dich glücklich sehen, zu jedem Preis", schrieb Konstantin V. an seine Geliebte. Er hatte ein neues Jobangebot, wollte mit ihr nach Utrecht in den Niederlanden ziehen und tauschte mit Margareta R. Wohnungsannoncen aus.

Verteidiger Alexander Schmidtgall hingegen sagt, Konstantin V. habe mit der Frau aus Prag nur gespielt, sie sei lediglich eine Geliebte gewesen. Die Worte in dem Chartverkehr würden sich lesen wie aus einer "Gebrauchsanweisung für Liebesbriefe", die die Polizei tatsächlich auf dem Rechner von V. fand. Allerdings fand die Polizei auf dem Laptop auch ein Suchprotokoll von August 2017, wo Konstantin V. nach Begriffen wie "Tod durch Schlafmittel", "nicht nachweisbare Gifte" oder "Atemlähmung" forschte.

Diese "Fantasien vorab" könnte er nicht beurteilen, sagte der psychiatrische Gutachter Cornelis Stadtland, da Konstantin V. sich auch dazu nicht äußere. Tatsache hingegen ist, dass Konstantin V. laut Stadtland die aus mehreren Handlungen bestehende Tat "zielgerichtet" ausgeführt habe. Und dass er nach der Tat "vollkommen handlungsfähig" gewesen sei. "Eine schwere affektive Erschütterung blieb aus." Was heißt, dass er sofort nach der Tat mit seiner Geliebten völlig normal wirkend etwas Trinken ging, mit ihr im Bogenhausener Reihenhaus übernachtete, während die Freundin tot im Keller lag.

Am Sonntag, als die Geliebte abgereist war, brachte er die Leiche zum Feringasee. Als seine Geliebte via Chat fragte, was er so gemacht habe, antwortete er, er habe alten Krempel aus dem Keller entsorgt. Der Prozess wird fortgesetzt.

© SZ.de/mmo
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