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Serie: Frauen machen Politik:Warum müssen Frauen härter kämpfen als Männer?

Lydia Dietrich von den Grünen engagiert sich in den Frauenorganisation ihrer Partei.

Lydia Dietrich von den Grünen engagiert sich in den Frauenorganisation ihrer Partei.

(Foto: Robert Haas)

Die Frauenorganisationen der Parteien versuchen, Politik für Frauen attraktiver zu machen. Drei Beispiele zeigen, wie das klappen kann.

Bettina Messinger war es irgendwann leid. Leid, in ihrer Arbeit immer wieder ihre Zuständigkeit für den Computerbereich verteidigen zu müssen, gegen Männer, die wie selbstverständlich davon ausgingen, dass sie als Frau von Technik ja keine Ahnung haben kann. Also schleuderte sie dem Nächsten, der ihr Wissen anzweifelte, ein paar Sätze entgegen, gespickt mit Fachausdrücken, "die haben so aneinandergereiht gar keinen Sinn ergeben", sagt die SPD-Stadträtin und lacht. Aber der Auftritt zeigte Wirkung. "Da hat sich niemand getraut zu widersprechen."

Dass bei Frauen viel häufiger die Kompetenz-Frage gestellt wird, die Erfahrung hat auch Ulrike Grimm gemacht. Zwar nicht persönlich, aber die CSU-Stadträtin nennt Michaela Kaniber als Beispiel, bei der es anfangs auch geheißen habe: Landwirtschaftsministerin - kann die das überhaupt? "Haben Sie schon mal erlebt, dass das bei einem angehenden Minister gefragt wird?" Grimm schüttelt den Kopf.

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Bei Lydia Dietrich haben die Rollenklischees die Berufswahl bestimmt. Aufgewachsen in einem Dorf in Rheinland-Pfalz, sei immer klar gewesen, dass sie als Mädchen maximal Realschulabschluss machen und dann Krankenschwester werde. "Ich habe mich ungerecht behandelt gefühlt", erzählt die frühere Grünen-Politikerin, "aber ich hatte keine Chance." Erst mit Ende 20, als sie längst in München lebte, kündigte sie ihren Job als Krankenschwester, holte ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach und begann ein Studium der Politischen Wissenschaften und Sozialpsychologie. "Das war wie ein Stachel, das war mir wichtig."

Drei Frauen, drei politische Ausrichtungen, eine Erfahrung. "Frauen müssen härter kämpfen als Männer", fasst es Grimm zusammen. Dass sich das ändert, dass die Politik attraktiver wird für Frauen, dafür engagieren sich die Politikerinnen seit Jahren. Einen wichtigen Rückhalt finden sie dabei in den Frauenorganisationen ihrer Parteien. Hier diskutieren sie über Themen, bereiten Anträge für den Stadtrat vor, knüpfen Kontakte mit anderen Frauenvereinigungen in München. Im Arbeitskreis Feminismus der Grünen können auch Männer mitarbeiten, die meisten Mitglieder sind aber weiblich. Die Frauen-Union (FU) und die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) stehen dagegen ausschließlich Frauen offen.

Doch warum sind Frauenverbünde im Jahr 2019 überhaupt noch wichtig? Sollten Themen wie Erziehung, häusliche Gewalt, gendergerechte Bezahlung oder Frauenförderung nicht längst in der Mitte der Gesellschaft und damit der Parteien angekommen sein? Für Bettina Messinger ist die Antwort klar: "Wer persönlich betroffen ist, setzt sich mehr ein." Die 50-Jährige ist seit 1997 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) in München und seit 2014 deren Vorsitzende.

Manches sei in den vergangenen Jahren selbstverständlich geworden: "Aber in vielen Punkten tun wir uns noch schwer mit Gleichberechtigung." Bei Themen wie gleiche Bezahlung, gerechte Aufstiegschancen oder paritätische Listenaufstellung brauche es den Anstoß der Frauen. Sexistische Werbung etwa wurde in München im vergangenen Jahr verboten, treibende Kraft hierbei: die Frauenorganisationen der Parteien, die ihre Positionen vor dem Beschluss abgestimmt hatten.

Bettina Messinger (rechts, mit Petra Reiter) von der SPD.

Bettina Messinger (rechts, mit Petra Reiter) von der SPD.

(Foto: Privat)

Für Lydia Dietrich, die in 16 Jahren Stadtrat viele Gleichstellungsduelle gefochten hat, war der Grünen-Arbeitskreis Feminismus immer eine wichtige Bastion. Zwar seien die Listen abwechselnd mit Mann und Frau besetzt, auch werde in der Grünen Jugend heute kein großer Unterschied mehr zwischen den Geschlechtern gemacht. Dennoch sei der Arbeitskreis heute genauso wichtig wie in den Achtzigerjahren. "Es gibt eine ganz starke antifeministische Bewegung in Deutschland", sagt sie mit Blick auf das von rechten Strömungen propagierte Frauenbild.

"Es ist unglaublich wichtig, in diesen Netzwerken zusammenzuarbeiten und sich dem entgegenzustellen." Dietrich war auch zwölf Jahre lang Gleichstellungsbeauftragte der Stadt München, bis sie vergangenes Jahr dieses Amt und ihr Stadtratsmandat niederlegte, um Vorsitzende der Frauenhilfe zu werden. Sie setzte sich unter anderem dafür ein, dass München die Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern unterzeichnet und mittels Aktionsplänen aufzeigt, wie die Stadt mehr Gendergerechtigkeit erreichen möchte.