Galerist Franz Dahlem gestorbenEr zeigte Werke von Richter und Beuys, als sie noch keiner kannte

Beim Frühstück mit Franz Dahlem hat Franziska Leuthäußer ihren Gesprächspartner 2016 in seinem Garten fotografiert.
Beim Frühstück mit Franz Dahlem hat Franziska Leuthäußer ihren Gesprächspartner 2016 in seinem Garten fotografiert. Franziska Leuthäußer

Franz Dahlem ist tot, mit ihm geht ein Stück Kunstgeschichte. Er zeigte in München zusammen mit Six und Heiner Friedrich als Pioniere Werke der großen Nachkriegskünstler – und war selbst ein ganz besonderer Charakter.

Von Susanne Hermanski

„Am 29. Dezember des alten Jahres ist der deutsche Kunsthändler, Galerist und große Künstlerfreund Franz Dahlem in Altenmarkt im Chiemgau im Kreise seiner Familie gestorben“, das hat sein Verleger Lothar Schirmer am Mittwoch mitgeteilt. Dahlem gehörte zu den prägenden Charakteren der Kunstszene der Nachkriegszeit. Auch wenn sein eigener Name nur in der Szene selbst groß war – er verhalf vielen heute international ikonisch verehrten Künstlern, gerade in ihren Anfangsjahren, zum Ruhm, darunter Beuys, Baselitz und Richter.

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Dahlem wurde 1938 in München geboren, wuchs als Kriegswaise auf, lernte Bierbrauen und mit Büchern zu handeln, und er „hatte seine Initiation auf dem Feld der zeitgenössischen Kunst durch die Begegnung mit dem jungen Maler Uwe Lausen“, schreibt Lothar Schirmer. Lausen wurde in den Sechzigerjahren wegen Gotteslästerung von der deutschen Justiz verfolgt. 1963 eröffnete Dahlem zusammen mit Heiner Friedrich und dessen Frau Six die bald berühmte Galerie Friedrich & Dahlem an der Maximilianstraße.

Von 1967 an beriet er den damals bereits 80-jährigen Inhaber der Wella AG, Karl Ströher. Er überzeugte ihn unter anderem, die erste, große Einzelausstellung der Werke von Joseph Beuys in Mönchengladbach en bloc zu erwerben. Über diese Zeit berichtete Dahlem, der auch ein herrlicher Erzähler war, in seiner Autobiografie. Sie ist in Form des Interviewbandes „Am liebsten würde ich Marilyn Monroe sein“ 2022 im Schirmer/Mosel Verlag erschienen. Die zeitgeschichtlich überaus interessanten Gespräche führte die Herausgeberin des Buchs Franziska Leuthäußer.

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