Trend in MünchenComeback der Retro-Fotoautomaten

Lesezeit: 4 Min.

User Lee Sommer am Fotoautomaten bei der Minna Thiel, den erst seit Kurzem neue Graffiti zieren.
User Lee Sommer am Fotoautomaten bei der Minna Thiel, den erst seit Kurzem neue Graffiti zieren.
Lena Mittermayr

Mehr als 100 Jahre nach seiner Erfindung feiert der analoge Fotoautomat ein Comeback. Gedruckte, „echte“ Bilder sind wieder im Trend. Wo die Vintage-Fotoautomaten in München versteckt sind.

Von Lena Mittermayr

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In Zeiten von Smartphones und Co sind Fotos ein schier unbegrenztes Gut und der Speicherplatz am Handy explodiert beinahe vor lauter Urlaubsfotos und Gruppenselfies. So sind Fotoautomaten mit schlappen vier Fotos doch irrelevant geworden – würde man meinen. Im Gegensatz zum Smartphone, kann man beim Fotoautomaten nicht zigmal auf den Auslöser drücken, bis das perfekte Bild dabei ist, und einen Filter kann man über die Schnappschüsse auch schwer legen. Eigentlich ziemlich umständlich. Dennoch findet man vorrangig auf Instagram und Tiktok massenhaft Videos von lustigen Momenten in den Automaten und Empfehlungen für neue Fotoautomaten in der jeweiligen Stadt – Nostalgie scheint wieder im Trend zu sein. Auch München hat einige besondere Fotoautomaten zu bieten.

Bahnwärter Thiel und Minna Thiel – die Zwillinge

Shabby Chic: Auf dem Gelände des Bahnwärter Thiel stehen zwei Fotoautamen.
Shabby Chic: Auf dem Gelände des Bahnwärter Thiel stehen zwei Fotoautamen.
Ewelina Bialoszewska

Auf dem Gelände des Bahnwärter Thiel stehen zwei Fotoautomaten, einer davon im Atelierpark direkt gegenüber der Trambar und der andere im Clubbereich. Bei der Minna Thiel steht er neben der Tischtennisplatte. Alle drei teilen sich die gleiche schäbige und coole Ästhetik, die durch Unmengen von Stickern und Graffiti an den Außen- und Innenwänden erzeugt wird. Doch obwohl die Automaten sehr heruntergekommen aussehen, funktionieren sie einwandfrei und sogar eine Kartenzahlung ist möglich. Gerade im Clubbereich spielen Fotoautomaten eine besondere Rolle, da dort ein Fotoverbot herrscht und so trotzdem schöne Erinnerungen eingefangen werden können. Johanna Popp von den Bahnwärter Kulturstätten meint: „Analoge Fotos werden nach wie vor sehr geschätzt und haben für viele einen besonderen Charme.“

Bahnwärter Thiel, Tumblingerstraße 45; Minna Thiel, Bernd-Eichinger-Platz 1

Feierwerk – der Punkige

Kaum noch zu erkennen unter den Stickern: Der Fotoautomat beim Feierwerk.
Kaum noch zu erkennen unter den Stickern: Der Fotoautomat beim Feierwerk.
Katrin Ried

Optisch reiht sich der Fotoautomat am Vorplatz des Feierwerks an der Hansastraße ein in die Ästhetik der Bahnwärter-Fotohäuschen – übersät mit bunten Stickern und krakeligen Graffiti passt er gut zur Atmosphäre rundherum. Nach einem Konzert tummeln sich dort die Leute zum Rauchen und Reden – oder zum Fotos machen. Zwei junge Frauen, beide in Schwarz gekleidet und dunkel geschminkt, fallen lachend aus dem Automaten und gehen in Richtung Feierwerk – in ihren Händen das Papier mit vier Schnappschüssen. Bruce Hay arbeitet selbst als Produktionsleitung beim Feierwerk und beobachtet immer wieder, wie Leute den Automaten nutzen. „Was mir an Fotoautomaten gefällt, ist, dass jede Emotion in dem Bild durch die Leute darin ausgelöst wird, weil es kein Drumherum gibt“, sagt Hay.

Feierwerk, Hansastraße 39

Werksviertel – der Stylische

Der Fotoautomat von Katharina Augustin und Emilie Zeeb steht im Werksviertel in der „BoothBox“, wo sich auch noch ein „Secret-Packs“-Automat befindet.
Der Fotoautomat von Katharina Augustin und Emilie Zeeb steht im Werksviertel in der „BoothBox“, wo sich auch noch ein „Secret-Packs“-Automat befindet.
Fotoautomat Munich

Ursprünglich am Kulturstrand angesiedelt, steht seit Oktober vergangenen Jahres ein neuer Fotoautomat in der Atelierstraße im Werksviertel. Doch der Fotoautomat ist gar nicht neu, sondern wurde ordentlich aufgepäppelt. Die Freundinnen Katharina Augustin und Emilie Zeeb leben beide in München und haben nach langer Recherche einen ausrangierten Fotoautomaten aus Berlin gekauft und auf dem Speditionsgelände von Augustins Familie saniert. Anfänglich waren die Bilder verschwommen, die Lichtverhältnisse schlecht und der Seitenstreifen unpassend. Auch äußerlich bekam der Automat ein Make-Over: Frische schwarze Farbe, ein neues Dach, Plakate, Lampen und Vorhänge. „Uns war es trotzdem wichtig, diese Vintage-Ästhetik zu bewahren“, sagt Zeeb. Das Einzige, was nicht reparierbar war, ist die Kartenzahlung, der Automat akzeptiert nur Münzen. „Eine Hommage an sein Alter“, sagt Zeeb.

Werksviertel, Atelierstraße 16

Alte Utting – der Romantische

Wenn man die Stufen zu den Essensständen hinuntergeht, steht der Fotoautomat gleich rechts unter den Bäumen.
Wenn man die Stufen zu den Essensständen hinuntergeht, steht der Fotoautomat gleich rechts unter den Bäumen.
Alte Utting

In der 25 Jahre alten Liebeskomödie „Die fabelhafte Welt der Amélie“ verliebt sich die Protagonistin Amélie in den Fotoautomatenbild-Sammler Nino Quincampoix. An diesen Kultfilm ist auch die Idee des Fotoautomaten bei der Alten Utting angelehnt. Versteckt unter Bäumen und beim Treppenabgang des Schiffs steht der unscheinbare Automat. Das Team des Partyschiffs hegt eine Liebe zur analogen Fotografie und zu spontanen Momentaufnahmen, die in den Geldbeutel passen oder am Kühlschrank aufgehängt werden können. Eine Besonderheit ist, dass dieser Automat den gleichen Streifen zweimal herausgibt, was praktisch ist, weil man ja meistens nicht alleine in eine Fotobox geht. Da die Alte Utting auch als Eventlocation vermietet wird, nutzen viele unterschiedliche Menschen den Automaten, unter anderem die Bands, die auf der alten Utting auftreten. So ein Automat muss auch regelmäßig, gewartet und instand gehalten werden. Reich werde man mit dem Fotoautomaten zwar nicht, aber die Besuchenden würden ihn sehr schätzen, meint Vanessa Groeger von der Alten Utting.

Alte Utting, Lagerhausstraße 15

Urban Outfitters – der Coole

Die braune Fotobox wackelt, und von innen dringt lautes Lachen und Gekreische. Drei Mädchen schälen sich aus der kleinen Kabine und warten nicht einmal ab, bis der fertige Fotostreifen gedruckt ist. Fotoautomaten sind ein fixer Bestandteil in Urban-Outfitters-Stores und gehören zum Geschäftsmodell dazu. Es ist auch ein modernes Modell, das Bilder in Farbe, Schwarz-Weiß und Sepia machen kann. In der Münchner Filiale steht der Automat gleich im Erdgeschoss links von der Kassa. Dort hat sich bereits eine lange Schlange gebildet. An der Außenseite des Automaten ist ein Bildschirm angebracht, damit alle auch von außen das Shooting verfolgen können. Ein junges Paar – Freddy und Finja – macht ein klassisches Schmusefoto. „Ich finde es toll, wenn ich das Foto dann direkt in die Handyhülle geben kann“, so Finja.

Urban Outfitters, Kaufingerstraße 24

Motorworld – der Schnittige

Während ein schwarzer Sportwagen gerade Probe gefahren wird, verlässt ein junges Pärchen lachend den Fotoautomaten in der Motorworld München. In ihren Händen? Die soeben gemachten Bilder. Direkt neben dem Restaurant Bacio della Mamma befindet sich ein besonders farbenfroher Fotoautomat. Mit brauner und türkisfarbener Verkleidung sowie einem roten Vorhang hat dieser Automat ein besonders schnittiges Design. Passend dazu gibt es auch mehrere Farbfilter, in denen die Fotos geknipst werden können. Die Fotokabine wurde von einem kleinen Unternehmen aus Berlin gebaut, das Fotoboxen im Vintage-Look designt, fertigt und vermietet. Für die Motorworld ist der Fotoautomat eine spielerische Ergänzung zu der Kulisse ihres Areals.

Motorworld München, Am Ausbesserungswerk 8

Gasteig – der Hippe

Die Autorin hat den Fotoautomaten im Gasteig HP8 in der Halle E selbst getestet.
Die Autorin hat den Fotoautomaten im Gasteig HP8 in der Halle E selbst getestet.
Robert Haas

Mit seiner untypisch rundlichen Form und den starken Farbkontrasten hat der Fotoautomat im Gasteig HP8 schon fast futuristische Züge. Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens des Gasteigs wurde in der Halle E im vergangenen September ein Fotoautomat aufgestellt, der laut Kathrin Metzner, Referentin für Marketing und Kommunikation im Gasteig HP8, von allen Generationen gerne genutzt wird. Während einiger Jubiläumsveranstaltungen ist der Automat kostenlos für alle zu benutzen und animiert Besuchende zu spontanen Fotoshootings in der Kabine. Der Seitenstreifen trägt das gleiche Design wie der Automat selbst, und zelebriert unter dem Motto „Feiert Kultur!“ das Jubiläum des Gasteigs.

Gasteig HP8, Halle E, Hans-Presinger-Straße 8

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