Süddeutsche Zeitung

Szenario:Bilder, die Lust aufs Genießen machen

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Die Fotografin Annette Sandner hat klassische Gerichte der Hochküche mit historischen Speisekarten und Büchern kombiniert.

Von Franz Kotteder, München

Auf den ersten Blick sieht's so aus, als wäre dem Kellner das Essen vom Teller gerutscht und auf die Speisekarte geplumpst. Was übrigens an einen berühmten Klassiker der modernen Küche erinnert, das Gericht des Mailänders Massimo Bottura trägt den schönen, sprechenden Titel: "Ups, mir ist der Zitronenkuchen runtergefallen." Was Annette Sandner da im ersten Stock des Restaurants Atlantik Fisch angerichtet hat, ist allerdings penibel in Szene gesetzt. "Culinary Timepieces" heißt ihre Fotoausstellung, und sie zeigt Küchenklassiker auf historischen Speisekarten und Kochbuchseiten, künstlerisch inszeniert.

Die 38-Jährige ist mittlerweile in München wohl die gefragteste Fotografin, wenn es um Gastronomie und Kulinarik geht. Das Grundverständnis für die Thematik wurde ihr buchstäblich in die Wiege gelegt, ihre Eltern führten ein Hotel in Bad Wiessee am Tegernsee, und ihr Vater war zusätzlich noch der Küchenchef des Hotelrestaurants. Das prägt. Annette Sandner ging dann zum Studieren nach München und gründete vor zehn Jahren den Foodblog culinarypixel.de. Der fiel bald vor allem durch die hohe Qualität seiner Fotos auf, und so wurde das Hobby zum Beruf.

Die Leidenschaft für klassische Kochkunst war dann auch der Auslöser für ihre aktuelle Fotoserie, die nun im Restaurant Atlantik Fisch an der Zenettistraße zu sehen ist. Gemeinsam mit dessen Küchenchef Franz Josef Unterlechner und dem befreundeten, vielfach ausgezeichneten Koch Sascha Kemmerer vom Gourmetrestaurant Kilian Stuba im Hotel Ifen im Kleinwalsertal hat sie ihr Projekt seit Anfang 2021 umgesetzt. Sie hat die zum Teil recht kostbaren Originale der Postkarten und Bücher abfotografiert, sie dann auf passendem Papier wieder ausgedruckt, und die beiden Köche haben das passende Gericht dazu gekocht und auf dem Papier angerichtet. Das wiederum wurde erneut abgelichtet, herausgekommen sind 30 ästhetisch hochwertige Kunstfotografien, die nahezu alle klassische Gerichte der vorwiegend französischen Haute Cuisine zeigen. Da stechen die zwei Bilder vom Leipziger Allerlei, das Sascha Kemmerer zubereitet hat, schon etwas heraus. Schließlich gibt es sonst ja noch eine Bouillabaisse auf einer Speisekarte von 1923 aus dem Restaurant Basso in Marseille, Crêpe Suzette auf einer Karte von 1930 aus dem Royal Court Restaurant in London oder Seezunge mit Hummer-Coulis, wie sie 1935 im L'Ecu de France im Pariser Bahnhof Gare de l'Est serviert wurde.

Diese drei Gerichte gab es am Vernissagenabend übrigens zusammen mit drei weiteren nicht nur an den Wänden der Ausstellungsräume, sondern auch auf dem Teller. Denn Kemmerer und Unterlechner kochten für die gut 70 Gäste des Abends gleich auch noch groß auf. Die Gäste, vorwiegend aus der Branche wie Matthias Hahn und Pascale Kassel vom Tantris, Manuel Reheis vom Broeding oder Antje Schneider von der Haberl-Gastronomie erlebten so ein multimediales Ereignis ganz besonderer Art. Darauf werden die späteren Besucher der Ausstellung (bis zum 22. Juni ist sie während der Restaurantöffnungszeiten zu sehen) neidisch sein, denn die Bilder machen große Lust auf kulinarische Genüsse.

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