
Ganz persönliche Blickwinkel haben zwölf Fotobegeisterte, die in sozialen Betrieben arbeiten, eingefangen. Die Ergebnisse des Projekts zeigt eine Ausstellung im Westend. Vom 16. bis zum 25. April veranstaltet die ökumenische Aktionsgemeinschaft Arbeit und Arbeitslosigkeit die Aktionswoche "In Würde leben - mit und ohne Arbeit".In diesem Rahmen stellen zwölf Münchner vom 16. bis zum 23. April im Pfarrheim St. Rupert in der Gollierstraße 61 Portraits und Fotoreportagen aus.Das Bild zeigt Anita, die bei dem Fotoprojekt mitgemacht hat. Sie wurde von einem anderen Teilnehmer abgelichtet. Hier soll nur Anita im Mittelpunkt stehen - bei den Portraits wird deshalb der Name des Fotografen nicht angegeben.Foto: oh Text: Ana Maria Michel

Anita und die anderen Teilnehmer des Fotoprojekts arbeiten in unterschiedlichen sozialen Betrieben in München wie Diakonia, Weißer Raabe oder Statt-Auto. In den Betrieben haben sie ihre Bildreportagen aufgenommen. Anita arbeitet im Diakonia Gebrauchtwarenhaus.Foto: oh

In ihrer Fotoreportage mit dem Titel "Ich werde getragen" zeigt sie den Weg eines Kleidungsstücks. Die knallbunt gestreifte Hose ist für ihren ehemaligen Träger wertlos, findet aber als Second-Hand-Kleidungsstück in der Diakonia eine neue Verwendung.Anita nimmt mit der Kamera neue Blickwinkel auf - so kommt das gequetschte, an eine Glasscheibe gedrückte Gesicht zu stande. Beim Fotografieren kann sie Neues und Ungewöhnliches ausprobieren.Foto: oh

Nikolaus lässt sich vor einer orangefarbenen Wand porträtieren. Sein Blick ist traurig und er sitzt ganz still. Die Portrait-Aufnahmen der Projekt-Teilnehmer sind sehr persönlich und zeigen in den meisten Fällen eine absolute Unbeweglichkeit. Das ist ein Zustand, den die Fotografen wie Nikolaus kennen, denn sie sind arbeitslos.Viel Bewegung steckt dagegen in den Fotoreportagen, die die Arbeit in den sozialen Betrieben zeigen. Im Rahmen der künstlerischen Fotografien können Nikolaus und die anderen zeigen, was in ihnen steckt. Trotzdem wollen die Beteiligten nicht, dass ihre Nachnamen veröffentlicht werden.Foto: oh

"Tom in den Möbeln" heißt das Bild, das Nikolaus im Diakonie Gebrauchtwarenhaus aufgenommen hat. Grelle Farben leuchten dem Betrachter entgegegen.Die freischaffende Fotografin Sabine Jakobs ist die Leiterein des Projekts, dessen Höhepunkt die Ausstellung "Foto in Arbeit" im Münchner Westend ist. In einem Bildbearbeitungsworkshop hat Jakobs mit den Projekt-Teilnehmern Montagen und Plakate erstellt. Finanziell ermöglicht wurde das Projekt im Rahmen des Ökumenischen Kirchentags.Foto: oh

Mund und Augen sind weit aufgerissen: "Sehen lernen entwickelt das Bewusstsein" ist das Motto der Ausstellung. Die Fotografen haben bei den Fotoreportagen in den sozialen Betrieben verschiedene Aufnahmesituationen, Bildgestaltungs- und Bearbeitungstechniken einüben können. Mit einer Kamera vor dem Auge sieht die alltägliche Umgebung gleich ganz anders aus. Gleichzeitig konnten die Teilnehmer des Projekts sehr persönliche Perspektiven einfangen, da sie sich in den Betrieben auskennen.Foto: oh

Jaro hat diese Fotos in der Cantina Diakonia aufgenommen. Unter der Anleitung von Jakobs wurde daraus eine Foto-Kollage, die eine alltägliche Situation darstellt. Drei Monate lang fotografierte Jaro mit den elf anderen, die am Projekt beteiligt waren, nach der Devise "Sehen schafft Bewusstsein".Foto: oh

Ein junger Mann mit zurückgebundenen Dreadlocks, einer Brille mit dunklem Rand und einem roten Schal blickt starr geradeaus. Aber er schaut nicht den Betrachter an, der nicht weiß, wohin Christoph schaut.Nicht jeder weiß ganz genau, mit welchen Problemen Menschen konfrontiert sind, die keine Arbeit haben. Unter der Leitung von Jakobs konnten sich fotobegeisterte Münchner wie Christoph kreativ mit der Kamera austoben.Foto: oh

Beim Fotografieren lernt man genau hinzuschauen. Christoph hat bei einer Hausentrümpelung ein Detail-Foto aufgenommen: Eine Schraube und ein Metallring auf einem neonblauen Teppich. Eine Hausentrümpelung ist in vielen Fällen eine gute "Lösung". Und so heißt auch der Titel von Christophs Kollage.Foto: oh

Christophs Bilder sind sehr kunstvoll, sie spielen mit Licht und Dunkelheit und nehmen die Dynamik der Hausentrümpelung auf. Das rechte Bild übt eine Wirkung wie ein Sog auf das Auge aus: Hier geht es schnell, die Handgriffe sitzen.Foto: oh

Fast wie eine Puppe blickt Juliane starr geradeaus. Auch sie sieht nicht in die Kamera und ihr Gesicht wird in einem Spiegel reflektiert. Mit einfachen Mitteln kann man beim Fotografieren interessante Bilder enstehen lassen.Foto: oh

"Klamotte" heißt die Kollage von Juliane. Sie zeigt einen kleinen Jungen, der in der Kleiderkammer der Inneren Mission womöglich etwas Passendes gefunden hat, auch wenn das Hemd etwas zu groß für ihn zu sein scheint. Außerdem hat Juliane die verschiedenen Stoffe in Nahaufnahme abgelichtet. Die Kleidung wird so zu mehr als einem Nutzgegenstand, denn sie erhält durch die Fotografie einen ästhetischen Wert.Foto: oh Text: Ana Maria Michel