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Forstenried:Praktische Heimatkunde

Sie kennen ihr Viertel: Die Viertklässler Lina, Alina, Jannis und Tayler (von links) präsentieren den neuen Kinderstadtplan.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Schüler aus dem Stadtbezirk gestalten neuen Kinderatlas

Von Jürgen Wolfram, Forstenried

Gemischte Fragen, mal rätselhaft, mal sehr gezielt. Warum heißt die Achterlacke im Forstenrieder Park, wie sie heißt? Wer war Erich Dagobert von Drygalski? Und wo, bitte, geht's zur nächsten Eisdiele? Was Viertklässler aus dem Münchner Südwesten halt so interessiert. Die Antworten finden sich im Kinderstadtplan, den Schülerinnen und Schüler nach gründlicher Erforschung ihrer Heimatviertel Fürstenried und Forstenried erarbeitet haben. Das informative Werk für junge Altersgruppen ist jetzt öffentlich präsentiert worden, unter anderem in der Klasse 4 a der Grundschule an der Forstenrieder Allee. Die Bezirksausschuss-Kinderbeauftragte Monika Reim zeigte sich beeindruckt, nannte die Orientierungshilfe für Jungbürger "toll". Sie enthalte jede Menge wertvoller Hinweise und helfe hoffentlich, München noch spielfreundlicher zu gestalten, sagte sie.

Die Arbeitsgemeinschaft "Spiellandschaft Stadt" hat in enger Zusammenarbeit mit Schulen sowie mit finanzieller Unterstützung durch den Bezirksausschuss, das Stadtjugendamt und das Bildungsreferat in Forstenried und Fürstenried eines ihrer erfolgreichsten Projekte fortgeschrieben. Pro Stadtgebiet leitet die Arbeitsgemeinschaft zwei Jahre lang Schulkinder an, ihre Umgebung zu erkunden und die Resultate in einem altersspezifisch nützlichen Stadtplan festzuhalten. Schon viele Jahre ist man in Sachen Heimatkunde mit Gebrauchswert unterwegs, das aktuelle Kompendium trägt die Nummer 22.

In der 4 a der Grundschule Forstenrieder Allee durften die Klassensprecher Annalena und Philip die ersten druckfrischen Exemplare verteilen. Das war ein großer Moment, doch offenbar nichts im Vergleich zur Gaudi, die die Buben und Mädchen bei ihren Exkursionen in die nähere Heimat erlebten. Evelyn Knecht von der Projektleitung hatte schon leise Befürchtungen gehegt, die Erinnerung der Kinder an die Ausflüge ins Forsthaus, ins Schwimmbad und auf Spielplätze sowie das große Geräusche-Raten oder auch das selbst entwickelte Feuerwehr-Hörspiel könnte inzwischen verblasst sein, denn die Aktionen liegen schon ein paar Monate zurück. Auch hätte das Handbuch für Kinder um die zehn Jahre bereits Mitte März vorgestellt werden sollen, was die Corona-Pandemie verhinderte. Doch am Ende zeigte sich: Die Erforschung der eigenen Umgebung hat allenthalben bleibenden Eindruck hinterlassen, sehr zur Freude von Klassenlehrerin Lioba Becker.

Gemerkt haben sich die Kinder, wo es sich im Stadtbezirk gut toben lässt und wo nicht. Manche Spielplätze seien aufregend, wie diejenigen beim TSV Solln oder an der Drygalski-Allee, andere "langweilig", lautet das Fazit der Entdeckungen in diesem Segment. Manche Nachwuchs-Wünsche sind noch offen, etwa der nach mehr verkehrsberuhigten Zonen und Tempo-Disziplin der Autofahrer. Da nicken auch Erwachsene heftig.

Diese könnten im Zuge der Spiellandschaft-Aktion einiges dazugelernt haben. Zum Beispiel, dass Erich Dagobert von Drygalski ein Forscher war und somit ein Vorbild für die wissbegierigen Schulkinder aus Forstenried und Fürstenried. Oder dass die Achterlacke von acht Bäumen gesäumt wird.

© SZ vom 21.07.2020

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