Forstenried Gegen den politischen Willen

Die Stadt will die Umbaupläne des Investors für den Derzbachhof genehmigen

Von Jürgen Wolfram, Forstenried

Die Widerstände der Anwohner gegen die Pläne der Firma Euroboden zur Sanierung des Derzbachhofes halten an, die Bedenken der Lokalpolitiker sind unverändert gravierend. Vorbehaltlich der Klärung restlicher offener Fragen zu einzelnen Auflagen, hält die städtische Lokalbaukommission (LBK) das Vorhaben dennoch "dem Grunde nach für genehmigungsfähig", wie Behördenchef Cornelius Mager bei der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln bestätigte. Man sei mit dem Bauherren "in guten Verhandlungen".

Auch das Landesamt für Denkmalpflege sehe im Euroboden-Konzept eine angemessene Lösung, weil der Derzbachhof damit zu retten sei und eine dominante Erscheinung bleibe. Insgesamt positiv bewertet werde auch der geplante Wohnungsbau im rückwärtigen Bereich des Grundstücks. Mager betonte zugleich, die Chance einer "besonderen Nutzung" durch Staat, Stadt, Kirche oder eine Stiftung, etwa als Heimatmuseum oder Begegnungsstätte, sei endgültig vom Tisch. "Letztlich wollte niemand das Denkmal anrühren. Und man kann von der Stadt nicht verlangen, dass sie die Immobilie herauskauft", sagte Mager. Ausgeschlossen sei ebenso ein Grundstückstausch.

Umstrittenes Konzept: Gemäß den Plänen sollen die Neubauten (Bildmitte) im rückwärtigen Bereich entstehen. Der Bezirksausschuss lehnt dies ab und fordert, dass der Hof und das Umfeld nicht verändert werden.

(Foto: Euroboden)

Das überarbeitete Euroboden-Konzept sieht nur noch 16 statt bisher 19 Wohnungen im dreigliedrigen Neubau vor. Dafür sollen jetzt in der ehemaligen Tenne zwei bis vier Wohnungen untergebracht und das Vordergebäude für Gemeinschaftsräume und Gästeappartements genutzt werden. Unverändert geplant ist eine Tiefgarage. Weil die neuen Gebäude tiefer ins Gelände rücken, behalte das denkmalgeschützte Vordergebäude seine prägende Wirkung. "Nach vielen Jahrzehnten der Diskussion sehen wir nun die Denkmalrettung", so Mager zusammenfassend.

Gänzlich anders beurteilen viele Mitglieder des Bezirksausschusses den Fall. Sie trugen erneut ihre Zweifel vor, wegen der Höhe eines der neuen Gebäude, Störung der Sichtachse zur Kirche Heilig Kreuz, wegen denkbarer negativer Folgen für den Ensembleschutz im Forstenrieder Ortskern, des Eingriffs in eine Frischluftschneise oder die Beeinträchtigung des Grünzuges. "Da bleibt das Ortsbild auf der Strecke", wandte etwa Rosmarie Rampp (CSU) ein. Als "Katastrophe" bezeichnete es Hannelore Prechtel (SPD), würde durch das Euroboden-Sanierungsprojekt der Ensembleschutz geopfert. Und Karl Pauli (CSU) forderte Behördenleiter Mager unumwunden auf, "den Antrag auf Vorbescheid nicht zu genehmigen".

Cornelius Mager, Chef der Lokalbaukommission

"Letztlich wollte niemand das Denkmal anrühren. Und man kann von der Stadt nicht verlangen, dass sie die Immobilie herauskauft."

Was auch im Sinne von Naturschützern sowie der Anwohnersprecherin Vera Grundler wäre. Von ihr stammt ein Antrag an die Stadt, den Derzbachhof und sein Umfeld nach einer Sanierung so zu erhalten, wie sich die Anlage gegenwärtig präsentiert. 750 Unterschriften hat Grundler dafür bereits im Viertel gesammelt. Der BA votierte am Ende seiner erneuten Derzbachhof-Debatte mehrheitlich dafür, diesen Antrag zu unterstützen.

Cornelius Mager hatte sich zuvor mit mäßigem Erfolg bemüht, die Einwände zu entkräften. Zum Thema Außenbereich/Frischluftschneise merkte er an, eine scharfe Grenze dafür lasse sich aus heutiger Sicht in diesem Winkel Forstenrieds nicht mehr ziehen. Und wenn Grünzüge in Randbereichen bebaut werden, dann breche deshalb "nicht gleich das ganze System zusammen". Mögliche Probleme beim Artenschutz könne man über Auflagen regeln, der Baumschutz im Bereich der Grundstücksgrenze zum benachbarten Kindergarten sei gewährleistet. Überdies bleibt nach Magers Worten an anderer Stelle eine alte Esche erhalten. Ansonsten betonte der LBK-Leiter, wie einig sein Haus sich mit dem Landesamt für Denkmalpflege in der positiven Bewertung der Sanierungspläne sei: "Da herrscht Konsens."