Forstenried Empfindlicher Dorfkern

Am Ensembleschutz soll nicht gerüttelt werden

Von Jürgen Wolfram, Forstenried

Lieber nicht befassen wollte sich jüngst der Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln mit dem Antrag einer Bürgerin, das geschützte Dorfkernensemble von Forstenried zu erweitern. Zu riskant erschien es dem Stadtteilgremium, das heikle Thema erneut aufzugreifen. Denn vor einigen Jahren hatte der Ensembleschutz schon einmal komplett auf der Kippe gestanden, weil Fachbehörden und der Landesdenkmalrat starke Zweifel hegten, ob es in München überhaupt noch Dorfkerne gibt, die diesen Namen verdienen.

Als Kompromisslösung wurde damals in Forstenried der Umgriff des Ensembles zurückgestutzt. Unter anderem verlor das Pfarrheim seinen Schutzstatus. Eine Erfahrung, die sich nach Auffassung der Lokalpolitiker fortsetzen könnte, wenn man die Denkmalschützer mit Verbesserungswünschen reizt. "Nur keine schlafenden Hunde wecken", mahnte denn auch Hannelore Prechtel (SPD). Und der BA-Vorsitzende Ludwig Weidinger (CSU) befand, die Risiken einer neuerlichen Überprüfung der Verhältnisse in der Ortsmitte von Forstenried seien deutlich größer als die Chancen, den einstigen Ensemble-Zuschnitt zurückzugewinnen. Der Bezirksausschuss fordert gleichwohl vehement den Fortbestand des bestehenden Ensembles, zu dem unter anderem der Derzbachhof gehört, und erinnert an einschlägige Beschlüsse aus der Vergangenheit. Der erklärten "Nichtbefassung" mit dem Bürgerwunsch ging immerhin eine halbstündige Debatte voraus.

Die Antragstellerin Claudia Kaiser möchte trotz aller BA-Vorbehalte nicht am Status quo festhalten und hält eine Erweiterung des Dorfkernensembles für geboten. Notwendig ist aus ihrer Sicht, den historischen Sixweg als östliche Begrenzung der Ensemblefläche neu auszuweisen, um die Sicherheit für Fußgänger, Radfahrer und Schulkinder zu gewährleisten. Zum "natürlichen und logischen Dorfkern" gehöre ferner der Bereich zwischen dem alten Schulhaus und der Liesl-Karlstadt-Straße sowie weiter südlich bis zur Alten Post. Sozusagen die gesamte historische, wenn auch nicht mehr homogene Meile von Forstenried sei "für weitere Generationen zu erhalten und von unangepasster Bebauung" freizuhalten, ebenso wie die Sichtachse hinüber nach Solln. Den Abschnitt zwischen dem Gasthof "Alter Wirt" und der Kirche Heilig Kreuz möchte Claudia Kaiser verkehrsberuhigt und "gut gestaltet" sehen.

Mit der Projektgegnerin Vera Grundler weiß sie sich einig in der Ablehnung einer Bebauung des rückwärtigen Teils des Derzbachhofs. "Ich kann nicht verstehen, warum Denkmalschützer hier den Ensembleschutz abschaffen wollen", sagte Kaiser, die seit ihrer Kindheit im Münchner Südwesten lebt. Jeder Privatperson würde verwehrt, was einem Investor jetzt genehmigt werden soll. Aber mittlerweile gelte wohl die Formel "Investorenschutz statt Ensembleschutz".