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Forst Kasten:Kompliziert, aber machbar

Die Stadt sollte sich die Zeit nehmen, die Idee eines Grundstückstausches zu prüfen - Eile ist nicht nötig

Die Idee der Gegner des Kiesabbaus im Forst Kasten ist einfach: Damit im Münchner Umland sowohl Kies abgebaut als auch der Bannwald zwischen Neuried und Planegg erhalten werden kann, müsste doch nur die Waldfläche mit einer Ackerfläche getauscht werden. Win-Win für alle Beteiligten: Es gäbe den regionalen Kies für die Bauwirtschaft, die Heiliggeistspital-Stiftung könnte die Fläche bewirtschaften, und die Münchner und Würmtaler behielten ihren Naherholungsraum im Wald. Nur leider sind Ideen, die zunächst einfach klingen, manchmal schwer umzusetzen. Zu Recht betont das Sozialreferat in dem Antwortschreiben an die Ideengeberin, dass die damit verbundenen "finanziellen und stiftungsrechtlichen Fragen kompliziert" sind. Umso enttäuschender ist, dass mit eben jener Komplexität die Ablehnung der Idee begründet wird.

Ja, die Heiliggeistspital-Stiftung darf durch einen Flächentausch finanziell nicht schlechter dastehen. Ja, das Grundstockvermögen einer Stiftung anzutasten, ist alles andere als trivial. Und ja, die Tauschfläche müsste wohl ebenfalls vorrangig dem Kiesabbau gewidmet sein. Einen triftigen Grund, den Flächentausch erst gar nicht zu prüfen, liefern all diese Vorgaben allerdings nicht. Schließlich lassen sich sogenannte Kiesvorranggebiete im Regionalplan eintragen, so wie auch die aktuell diskutierte Fläche dort einmal kartiert worden ist. Das dauert zwar, allerdings kann man sich diese Zeit auch nehmen. Denn der Kiesabbau im Forst Kasten ist auch ohne ein neues Abbaugebiet auf Jahre hinaus gesichert. Und das laufende Ausschreibungsverfahren für die aktuell diskutierten zehn Hektar liegt ohnehin auf Eis, weil es die Regierung von Oberbayern noch einmal prüft. Wie lange noch, weiß aktuell nicht einmal die Regierung selbst, wie sie mitteilt. Zeitdruck gibt es also nicht, um all die komplizierten Fragen zu klären, die sich wegen dieser einfachen Idee auftürmen.

Dementsprechend wäre es wünschenswert, dass der erneut von den Grünen vorgetragene Antrag nach einem Flächentausch im Stadtrat eine Mehrheit findet. Denn die Verwaltung hätte die Chance, sich diesen komplexen Fragen noch einmal zu widmen - und könnte diese dann wirklich beantworten.

© SZ vom 14.02.2020
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