Forschung für die Polizei Mit Sekundenkleber auf Verbrecherjagd

Mit einer Art Föhn lassen sich Fingerabdrücke auf verdächtigen Objekten sichtbar machen.

(Foto: oh)
  • Der Münchner Wissenschaftler Peter Leibl ist eine Art Daniel Düsentrieb, der nach neuen Methoden forscht, um den Panzerknackern das Leben zu erschweren.
  • Zusammen mit der Polizei hat er ein Verfahren entwickelt, um berührungslos Spuren zu sichern.
  • Leibl ist für seine Projekte immer auf der Suche nach Fördergeldern - zahlreiche Anträge wurden bereits abgelehnt.
Von Susi Wimmer

Der Raum ist winzig klein und rappelvoll: Ein U-Boot in Kleinformat, das unter Wasser spazieren fahren kann, ein Krankenbett, auf dem die Patienten automatisch gewendet werden, ein Kettenfahrzeug mit integrierter Kamera, das Treppen steigt und Türen öffnet. Dazu noch Laborschränke, halb zusammenmontierte Geräte, Teile von diesem und jenem. "Seit Ende März bekommen wir keine Fördergelder mehr, deshalb ist alles in einem Raum zusammengepfercht", entschuldigt Peter Leibl das Chaos im Minilabor.

Peter Leibl ist eine Art Daniel Düsentrieb, der nach neuen Methoden forscht, um den Panzerknackern das Leben zu erschweren. Anders gesagt: Peter Leibl ist Professor an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München, zuständig für Produktentwicklungen im Bereich Sicherheit. Seinen neuesten Coup landete der Wissenschaftler mit der Polizei. Leibl und sein Team entwickelten mit dem Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) zwei Verfahren, wie man beispielsweise an einer Bombe Fingerabdrücke sichert, ohne das Objekt zu berühren. Nächstes Jahr will das Team den Prototypen auf der Sicherheitsmesse in Leipzig vorstellen.

Berührungslose Spurensicherung - braucht das die Welt? Ja, meint Peter Schottenheim vom LKA. Die Geräte seien praktisch und schnell zu handhaben und bieten dem Beamten Sicherheit. Ein Beispiel: 2012 wurde am Bonner Hauptbahnhof eine blaue Tasche mit verdächtigem Innenleben entdeckt. Spezialisten der Bundespolizei sprengten den Nylonbehälter durch Beschuss mit einem Wasserstrahl. In der Tasche hatte sich eine funktionsfähige Bombe befunden. Erst nach Monaten gelang es der Polizei, die Täter ausfindig zu machen.

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Spurensicherung an schwierigen Stellen

Durch den Beschuss mit dem Wasserstrahl oder nach einer Sprengung sei es für die Polizei anschließend viel schwieriger, in den Einzelteilen noch Fingerabdrücke oder DNA-Spuren zu finden, sagt Schottenheim, Experte für Daktyloskopie. Jetzt kommt die neue Erfindung aus dem Hause Düsentrieb ins Spiel: Leibl hat zwei Methoden entwickelt, mit der man beispielsweise an der blauen Nylontasche vor der Sprengung innerhalb von Sekunden und gefahrenlos Fingerabdrücke hätte sicher können. Und man hätte die Spuren sofort mit der deutschlandweiten Fingerabdruck-Datenbank abgleichen können.

Sekundenkleber, das ist vereinfacht gesagt der Schlüssel zum Daktyloskopen-Glück. Leibls Erfindung sieht aus wie ein klobiger Föhn in milchweiß. Man drückt den On-Schalter und auf dem Display rattert die Temperaturanzeige nach oben, 27, 31, 54, 69. Jetzt ist der Apparat heiß genug. Nun werden 9 Tropfen Cyanacrylat in das Gerät geträufelt. Cyanacrylat ist nichts anderes als Sekundenkleber, der langsam aushärtet.

Masterstudent Christoph Pohl setzt die Spezialbrille auf, der Föhn bläst auf einen Türrahmen, der vorher befingert wurde. Sofort werden die Fingerabdrücke sichtbar und können fotografiert werden. "Der Klebefilm lässt sich anschließend abkratzen, damit hat man auch DNA-Spuren gesichert", erklärt Leibl. Bislang pudert die Spurensicherung tatrelevante Gegenstände mit Grafitstaub ein - eine ziemlich schmutzige Sache.

Auch Roboter, wie dieses Ketten-Fahrzeug, sollen der Polizei helfen.

(Foto: oh)

Um neue Methoden für die Spurensicherung zu entwickeln, erforschte Leibls Team erst einmal, wie ein Fingerabdruck entsteht. Dazu drehten die Forscher einen spektakulären Hochgeschwindigkeitsfilm. Dort ist zu sehen, wie ein Finger eine Oberfläche berührt und beim Loslassen eine richtige Dampfwolke entstehen lässt. Hier setzt das zweite Verfahren der Forscher an. Mittels eines kleinen Kästchens mit Bildschirm können sie die Aminosäuren der Schweißabdrücke sichtbar machen und fotografieren.

Die Fördergelder fehlen

Auch hier können die Fingerabdrücke sofort mit der bundesweiten Datenbank verglichen werden. "Man könnte dieses Verfahren auch einsetzen, wenn es beispielsweise um eine wertvolle Stradivari geht oder wenn Fingerabdrücke auf einem Erpresserbrief sofort ausgewertet werden sollen", meint Peter Sedlmeier, einst wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule. Könnte - denn für das Projekt "optische Spurensicherung" gibt es keine Fördergelder.

"Wir hätten zwei zusätzliche Werkzeuge in unserem Koffer, die uns die Arbeit erleichtern würden", sagt Kriminaldirektor Gerold Werner vom LKA. Und zumindest für den milchweißen Föhn besteht Hoffnung: Die Gröbenzeller Firma Schleißheimer Gerätebau ist daran interessiert, Firmeninhaber Johann Schleißheimer hat schon einige Hunderttausend Euro investiert.

Er will den Prototypen bauen und dann erneut einen Förderantrag stellen. Sieben Forschungsanträge für diverse Projekte Leibls hat unter anderen das Bundesforschungsministerium abgelehnt, die "Erfindungshöhe", also der Nutzen, sei zu gering, hieß es. Polizisten in Deutschland - und auch im Ausland - könnten da anderer Meinung sein.