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Förderprogramm:Stadt will mehr Proberäume für Musiker

Jugendtreff "Soundcafe" in München, 2014

Schlagzeuger und andere Musiker sollen mehr Proberäume bekommen.

(Foto: Robert Haas)
  • Musiker haben große Probleme, in München einen Übungsraum zu finden.
  • Das Kulturreferat legt nun ein Konzept für Musikproberäume vor.
  • Darin gibt es Pläne für Profimusiker und für Hobbybands, die nach erschwinglichen Räumen suchen.

Ein Musikinstrument spielen zu lernen, ist nie verkehrt. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat sich irgendwann einmal das E-Gitarre-Spielen angeeignet - und das hat nun durchaus erfreuliche Auswirkungen auf Münchner Musiker vom Amateur bis zum Profi. Denn in seinem 100-Tage-Programm nach dem Amtsantritt versprach Reiter, sich um mehr Übungsräume zu kümmern. Und nun legt das Kulturreferat ein Konzept für Musikproberäume vor, mit dem das jahrzehntealte Problem angegangen werden soll. An die 145 000 Euro will man künftig dafür jährlich ausgeben. Am Donnerstagnachmittag wird der Kulturausschuss des Stadtrats darüber beraten.

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"Die Nachfrage ist groß, es gibt einfach zu wenig bezahlbare Übungsräume in unserer Stadt", sagt Reiter, der mit seiner Hobby-Band Next Generation schon einen hat. "Deshalb war es mir wichtig, alle Möglichkeiten auszuloten und zusätzliche, günstige und gut erreichbare Proberäume zu schaffen." Das soll nun ein Programm bewirken, das an das Atelierkonzept angelehnt ist. Fördern will man Profis wie Amateure, Musiklehrer und Jugendliche, und zwar mit unterschiedlichen Methoden.

Jury entscheidet über den Zuschlag

Profimusiker sollen künftig städtische Proberäume, etwa im Atelierhaus an der Domagkstraße, für fünf Jahre verbilligt mieten können. Wer zum Zuge kommt, darüber entscheidet eine Jury, die mit Fachleuten aus allen Musiksparten von Klassik bis Rock besetzt ist. Bewerben können sich einzelne Musiker, Ensembles und Start-up-Labels.

Das Hauptproblem hat Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) im Schallschutz ausgemacht: Räume in städtischen Immobilien gebe es schon, die wenigsten aber seien aus Lärmschutzgründen als Proberaum geeignet. Man müsste sie schallschutztechnisch umrüsten, dafür aber hat das Kulturreferat "derzeit kein Budget". "Derzeit" bedeutet: Küppers hätte gern Geld dafür. Mehr noch: Das ist für ihn die Voraussetzung dafür, dass ein Jury-Verfahren längerfristig auch sinnvoll ist. Er stellt sich pro Jahr eine Summe von 40 000 Euro vor.

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Ebenfalls für Profis gedacht sind die geplanten Mietzuschüsse für bereits vorhandene Proberäume. Sie sollen auf drei Jahre befristet werden und nur an Ensembles gehen, die schon länger zusammenarbeiten, oder Solomusiker, die ebenfalls bereits länger im Geschäft sind. Das Kulturreferat sieht darin "eine konkrete Unterstützung für die Möglichkeiten zur Ausübung ihres Berufs". Dafür will die Stadt künftig jährlich 55 000 Euro zur Verfügung stellen. Zur Betreuung des neuen Förderkonzepts wird eine Halbtagsstelle im Kulturreferat eingerichtet.

Aber nicht nur Profis brauchen Proberäume, sondern auch der Nachwuchs. Für ihn will die Stadt nun ein kleines Containerdorf auf einem Grundstück nördlich des Feierwerks an der Bahnlinie bauen. Acht kleine Container zu je 18 Quadratmetern und zwei größere mit 36 Quadratmetern sollen dort aufgestellt und schallschutzgerecht ausgestattet werden. Sieben Tage die Woche und nachts soll dort die Musik spielen, die Räume werden stunden- und tageweise über das Feierwerk und die dort zugeordnete Fachstelle Rock vergeben. Für das Kulturreferat eine ideale Ergänzung: "Die Nachwuchsbands können beispielsweise in solchen Containern proben, in den Räumen des Feierwerks und auf dem Theatron auftreten, sich in den zahlreich angebotenen Workshops fortbilden und professionalisieren, bei der Fachstelle beraten lasen und einen Tourbus kostengünstig anmieten."