zu "Das Bad im Fluss" vom 6. Oktober:
Als Autor des Buches "Isarlust", das 2011 mit dem vorläufigen Ende der Isarrenaturierung erschien, fühle ich mich veranlasst, mich zu den vehement vorangetriebenen Plänen des Vereins "Isarlust", mit dem ich übrigens nichts zu tun habe, zu äußern.
Über Notwendigkeit oder Sinn eines solchen Bades kann man geteilter Meinung sein. Mir geht es einzig um den jetzt in der SZ vorgestellten Standort zwischen Reichenbach- und Corneliusbrücke. Dieser Flussabschnitt gehört zum sensibelsten Bereich der renaturierten Isar. Deshalb wurde damals eigens ein Modell der Isar im Maßstab 1:20 angefertigt, an dem man das Verhalten des Flusses bei verschiedenen Wasserständen und die Hochwasserproblematik studieren konnte. Außerdem wurde ein Architektenwettbewerb für den Abschnitt zwischen Weideninsel und Corneliusbrücke ausgelobt. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass der damalige erste Preisträger den Auftrag nicht erhielt, weil er sich mit betonierten Liegeterrassen im Fluss zu weit von einer natürlichen Flusslandschaft entfernte. Genau daran erinnert aber der jetzt vorgestellte Entwurf, auch wenn, wie es aussieht, statt Beton weitgehend Holz verwendet werden soll.
Der Plan wirft aber auch andere Fragen auf: Das "regelmäßig wiederkehrende Hochwasser" wird vom planenden "Bäder-Experten" als große Herausforderung bezeichnet, jedoch ohne jeden Hinweis, wie er dieser Herausforderung begegnen will. Hat sich der Architekt mit den jahrelangen Untersuchungen der Hochwasserproblematik, die von der Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft der TU im Rahmen der Renaturierung durchgeführt wurden, auseinandergesetzt?
Meine Ablehnung dieses Standortes hat aber vor allem damit zu tun, dass damit einer der angenehmsten Aufenthaltsorte an der städtischen Isar weitgehend zerstört würde. Nicht umsonst sind die steinernen Sitzgelegenheiten mit dem Blick auf eine schön bewachsene Kiesinsel bei schönem Wetter ständig belegt. Etwas abseits vom Trubel der südlicheren Uferbereiche kann man hier meist, eingelullt vom Rauschen eines Streichwehrs, seinen Gedanken nachhängen. Diese Situation würde durch ein Bad an dieser Stelle zerstört. Mich erinnert der Plan an die Diskussion um einen neuen Konzertsaalbau, als ein Architektenentwurf auch einen Standort auf den Kiesbänken mitten in der Kleinen Isar unmittelbar vor Münchens wohl schönster Brücke, dem Kabelsteg, vorsah.
Eher kurios mutet die Absicht an, einen Kiosk und Toiletten auf dem Balkon der Corneliusbrücke zu platzieren. Kurios vor allem deshalb, weil eine andere Initiative seit Jahren plant, ein im Krieg teilweise zerstörtes und dann abgebrochenes Denkmal für König Ludwig II. an eben dieser Stelle wieder aufzubauen. Was nun? König Ludwig oder Toiletten? Oder König Ludwig und Toiletten?
Um mit einem konstruktiven Vorschlag zu enden: Wenn schon ein Bad in der Isar, dann doch in der Großen Isar, die auf Grund ihres kanalartigen Ausbaus regulierbar ist und auch als Isarkanal bezeichnet wird. Und welcher Abschnitt würde sich da besser eignen als der auf der nördlichen Museumsinsel mit dem Vater-Rhein-Brunnen? Schließlich war das schon im 19. Jahrhundert das Trainingsgelände des Münchner Ruderclubs. Hier könnte der Verein Isarlust mit seinem Vorsitzenden Benjamin David, der dort jahrelang seinen "Kulturstrand" betrieb, diesen mit einem Freibad verbinden und so zwei Fliegen auf einmal erledigen. Peter Klimesch, München
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