Flughafen München Kaum mehr Luft nach oben

413.000 Starts und Landungen, mehr als 46 Millionen Passagiere: Der Flughafen München befindet sich auf Rekordkurs. Um den fortsetzen zu können, muss er sich nun aber Neues einfallen lassen.

(Foto: Natalie Neomi Isser)
  • Der Flughafen München hatte im vergangenen Jahr so viele Fluggäste wie noch nie: 46,3 Millionen, das sind 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr.
  • Weil eine dritte Landebahn, wenn überhaupt, dann frühestens 2030 kommt, geht der Flughafenchef von zunehmenden Kapazitätsengpässen aus.
Von Andreas Schubert

Ob irgendwann wirklich einmal Lufttaxis zum Flughafen fliegen werden, kann dessen Chef Michael Kerkloh nicht sagen. Nur so viel: Der Anflug der elektrischen Helikopter sollte sich tunlichst nicht negativ auf den normalen Flugbetrieb auswirken. Und das könnte schwierig werden bei der ohnehin schon starken Auslastung des Airports. Wieder einmal haben Passagieraufkommen und Flugbewegungen zugenommen. Rund 46,3 Millionen Fluggäste verzeichnet die Flughafengesellschaft FMG für 2018. Das sind 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Und die Starts und Landungen summieren sich auf genau 413 469, das ist ein Plus von 2,2 Prozent. Einen Rekord vermeldete Kerkloh auch beim Konzernumsatz, der erstmals über 1,5 Milliarden Euro liegt, unterm Strich machte die FMG 150 Millionen Euro Gewinn.

Bei seiner letzten Jahrespressekonferenz als Geschäftsführer der FMG hatte Kerkloh also nichts wirklich Überraschendes zu verkünden. Und die Forderung nach einer dritten Startbahn, die für diese bayerische Legislaturperiode ausgesetzt ist, hält er schon von Berufs wegen natürlich aufrecht. Weil es mit der Piste, wenn überhaupt, frühestens 2030 etwas werden könnte, werde es in den kommenden Jahren vor allem darum gehen, die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Drehkreuzes bei zunehmenden Kapazitätsengpässen zu sichern. Denn beim Verkehr wird das Wachstum am Flughafen wegen der Auslastung in den kommenden Jahren immer geringer ausfallen.

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Dass dennoch die Zahl der Passagiere jährlich steigt, liegt nicht zuletzt an den größeren Maschinen, die auf internationalen Verbindungen unterwegs sind. So hat etwa die Lufthansa fünf Airbus A 380, das größte Passagierflugzeug, in München stationiert. Nächstes Jahr kommen zwei weitere hinzu. Während der Inlandsverkehr als Spätfolge der Air-Berlin-Pleite um ein Prozent zurückging, legte der Interkontinentalverkehr um sieben, der Europaverkehr um fünf Prozent zu. Bei den Berlin-Flügen dagegen stellt Kerkloh keinen Rückgang fest, trotz der neuen schnellen Bahnverbindung, mit der die Strecke von München aus in vier Stunden zu schaffen ist.

Auf der Langstrecke wird das Angebot weiter steigen. Zum Sommerflugplan, der vom 31. März an gilt, wird Lufthansa weitere 21 wöchentliche Abflüge zu Fernzielen anbieten, unter anderem nach Osaka in Japan und Seoul in Südkorea. Künftig geht es auch zweimal täglich nach Chicago. Die Lufthansa-Tocher Eurowings fliegt vom 3. Juni an täglich die thailändische Hauptstadt Bangkok an. American Airlines startet von München aus auch nach Dallas und Charlotte. Auch im Europaverkehr gibt es künftig zusätzliche Verbindungen. Insgesamt haben 83 Fluggesellschaften mehr als 250 000 Flüge zu 219 Zielen in 66 Ländern angemeldet.

Das weltweite Flugaufkommen werde weiterhin dynamisch wachsen, sagt Kerkloh, der es bedauert, dass der Münchner Airport der zunehmenden Nachfrage nicht mit einer entsprechenden Ausweitung des Angebots begegnen kann. So konzentriert sich der Airport nun darauf, den Service und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Das wichtigste laufende Ausbauprojekt, das im März gestartet ist, ist die Erweiterung und der Umbau des Terminal 1. Hier investiert die FMG 455 Millionen Euro, unter anderem in einen komplett neuen Flugsteig und eine neue Infrastruktur. So werden zum Beispiel die Sicherheitskontrollen umgestaltet und zentralisiert, sodass künftig 200 Passagiere statt 90 pro Stunde durch eine Kontrollspur kommen sollen. Bis 2023 soll der Terminal umgestaltet sein - und dann über eine Innenfläche von 95 000 Quadratmeter verfügen.

Insgesamt werden 14 große Bauprojekte den Flughafen in den nächsten Jahren prägen. Dazu gehören unter anderem neue Parkhäuser, der Ausbau des Flughafenzubringers Ost, eine neue Brücke über die Zentralallee und das Innovationszentrum "Lab Campus". Letzteres sieht die FMG als zusätzliche Einnahmequelle. Diese würden immer wichtiger, weil die Ertragssteigerungen im klassischen Luftfahrtgeschäft immer enger werden.

So ist die FMG auch mit ihrer Tochterfirma Munich Airport International GmbH (MAI) weltweit an anderen Flughäfen tätig und bietet dort Management- und Beratungsleistungen an. Unter anderem ist die MAI auch am Umzug des Istanbuler Flughafens beteiligt. Dieser strebt ein Passagieraufkommen von 200 Millionen im Jahr an, er wäre damit der mit Abstand größte Flughafen der Welt und eine Konkurrenz für andere Drehkreuze. Laut Kerkloh wäre aber nicht so sehr München betroffen, sondern eher die Drehkreuze Dubai und Doha.

Auch wenn 2018 laut Kerkloh ein "unruhiges Luftverkehrsjahr" war, so war es für ihn doch ein erfolgreiches. Ende des Jahres geht er in den Ruhestand. Ein Nachfolger soll noch bis zum Sommer gefunden werden.

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