Flughafen München:Satellitenterminal: Bald können die Passagiere kommen

Übersichtlichkeit, Transparenz und gute Orientierung - nach diesen Kriterien entwarf der Münchner Architekt Norbert Koch das neue Flughafengebäude. Ein Plan, der aufgehen könnte.

Von Alfred Dürr

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Quelle: Marco Einfeldt

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Von Endspurt-Hektik keine Spur: Zwar wird an vielen Ecken und Enden noch gesägt oder geschraubt, Kabel hängen von der Decke und Staub rieselt auf Teile des hellgrauen Bodenbelags aus Granit. Die letzten Arbeiten stehen an, aber das neue, riegelförmige Satelliten-Gebäude am Flughafen macht wenige Wochen vor der geplanten Eröffnung am 26. April einen startbereiten Eindruck. Im Herbst 2011 hatte die Aufstockung der Gepäcksortierhalle auf dem östlichen Vorfeld, gegenüber dem Terminal 2 begonnen. Nun steht hier ein Terminal, durch das sich künftig prognostizierte elf Millionen Fluggäste im Jahr bewegen werden.

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Architekt Norbert Koch aus dem Münchner Büro K+P Architekten und Stadtplaner Koch Voigt Zschornack knüpft bei der Gestaltung dieses Bauwerks, das rund 900 Millionen Euro kostet, an die spektakuläre Architektur des Terminals 2 an. Seit 45 Jahren ist Koch an der Flughafenplanung beteiligt. Er hat sich dabei immer von einem Grundsatz leiten lassen: Neben der reinen Zweckmäßigkeit und der hohen Funktionalität, die so eine riesige Anlage benötigt, muss sie auch hohe architektonische Ansprüche erfüllen.

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Bauzeit- und Kostenskandale gab es beim Satelliten nicht. "Man baut nicht völlig neu auf der grünen Wiese, sondern greift auf die bestehende Infrastruktur zurück", erklärt Projektleiter Michael Nahr aus dem Büro Koch und Partner den Bauablauf. Der musste während des regulären Flugbetriebs stattfinden. Die Flughafen München GmbH und die Lufthansa finanzieren und betreiben den Satelliten analog zum Terminal 2. Für dieses Bauwerk, für das Terminal 1 und auch die vielen anderen Gebäude am Flughafen gelten bestimmte Gestaltungsrichtlinien, die Koch und sein Team effektvoll umgesetzt haben. Den Fluggästen soll der Aufenthalt am Flughafen so leicht und angenehm wie möglich gemacht werden.

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Übersichtlichkeit, Transparenz und gute Orientierung - sie gelten als die wichtigsten Kriterien für die Gestaltung der Flughafen-Gebäude. Die Glasfassaden auf beiden Seiten des Satelliten machen die 600 Meter lange Passagierhalle - eine Strecke, die vom Odeonsplatz bis zur Ludwigskirche reicht - nicht nur hell, sondern auch übersichtlich. Man sieht zum Beispiel die schräge Fassade des Bahnhofs am Terminal 2, von dem die unterirdischen Züge zum Satelliten verkehren. Im Satelliten-Gebäude kann man sich also beim Blick aus dem Fenster leicht orientieren, in welche Richtung man sich bewegen muss, um zum Terminal 2 zu kommen.

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Der Bahnhof liegt in der Mitte des Satelliten-Gebäudes. Das ist ja kein eigenständiges drittes Terminal, bei dem man einfach vorfahren kann. Es ist eine Außenstelle des Terminal 2, in dem die Passagiere einchecken und durch die Sicherheitskontrollen gehen. Dann bewegen sie sich mit den U-Bahnen zum Satelliten. Dort überwinden sie mit Rolltreppen und Aufzügen eine Höhe von 22 Metern, um in die zentrale Halle zu kommen. Dieses Aufgangsbauwerk ist mit seinen Durch- und Ausblicken beeindruckend inszeniert. Einen zusätzlichen Effekt bietet die helle, wellenförmige Wandverkleidung, die je nach Wetter oder Lichteinfall optische Akzente setzt.

(Lesen Sie hier, wie die neue Bahn ihren Probebetrieb aufgenommen hat.)

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Doch die hellen Fassaden und Wandverkleidungen sollen nicht nur architektonische Effekte bewirken. Für den Satelliten wurde vom Ingenieurbüro Hausladen ein energetisches Konzept entwickelt, das den Aufwand für Strom, Wärme und Kühlung so gering wie möglich halten soll. Wie Cornelia Jacobsen aus dem Büro Hausladen erläuterte, hüllt die "vorgelagerte Klimafassade" das Gebäude wie mit einem Schutzmantel ein. Die im Innern liegenden Wartebereiche können dann mit einem geringeren Energieaufwand klimatisiert werden. Architektur und Klimaschutz spielen hier auf beeindruckende Weise zusammen.

Wie im Terminal 2 gibt es auch im Satelliten einen Mittelpunkt in Form einer großzügig gestalteten Halle. Um die zentrale Piazza oder den Marktbereich reihen sich die Gastronomiebetriebe und Geschäfte. Die Architektur versucht hier zu steuern und eine Art Wildwuchs zu verhindern. "An vielen Flughäfen sind die Geschäfte eher chaotisch angeordnet", sagt Norbert Koch. Im Satelliten soll dieser Eindruck durch große Schaufenster und klare Gliederung der Läden vermieden werden.

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Die Geschäfte gruppieren sich um den in die "Zentrale Mitte" integrierten Vorfeld-Tower, von dem aus die Bewegungen der Flugzeuge in Richtung Startbahnen gesteuert werden. Das Dach um den Tower ist angeschrägt und verspiegelt. So soll das Tageslicht am Tower entlang hinunter in die Halle gelenkt werden.

Aber die Architekten und Projektmanager um Norbert Koch haben bei ihren Gestaltungsplanungen nicht nur den großen optischen Auftritt im Sinn. Es geht auch ums Detail: Wenn man durch die bestuhlten Wartebereiche geht, erkennt man Reihen mit erhöhten Sitzflächen - für Passagier mit Bewegungsproblemen. Und das ist ebenfalls neu: Wickeltische gibt es nun auch bei den Herrentoiletten.

© SZ vom 08.03.2016/vewo
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