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Flughafen München:Entscheidung über dritte Startbahn vertagt

Lufthansa

Ein Flugzeug der Lufthansa startet am Flughafen in München.

(Foto: dpa)
  • Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft FMG will frühestens Ende des Jahres erneut über den Ausbau zu beraten.
  • Im Jahr 2012 stimmten die Münchner gegen eine dritte Startbahn; die Stadt fühlt sich an das Votum bis heute gebunden.
  • Der Freistaat, der Bund und Arbeitnehmervertreter sind für einen Ausbau.

Von Andreas Schubert und Wolfgang Wittl

Die Entscheidung über eine dritte Start- und Landebahn am Flughafen ist erst einmal vertagt: Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft FMG hat sich in der Sitzung am Donnerstag darauf verständigt, frühestens Ende des Jahres erneut über den Ausbau zu beraten.

Es habe sich ein klares Meinungsbild abgezeichnet, sagte der bayerische Finanzminister und Aufsichtsratschef, Markus Söder (CSU): "Der Freistaat, der Bund und alle Arbeitnehmervertreter sind für einen Ausbau." Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) dagegen teilte mit, man habe sich darauf verständigt, bis Jahresende abzuwarten, ob sich die Wachstumsprognosen des Airports bestätigen. Die Stadt München ist neben dem Bund und dem Freistaat der dritte Anteilseigner am Flughafen.

Söder empfindet Reiters Vorgehen als "völlig okay". Es habe ihn gefreut, dass "unsere Faktenbasis grundsätzlich akzeptiert" werde. Söders Haus und das Bundesverkehrsministerium hatten zuletzt Zahlen präsentiert, die einen Anstieg bei Flugbewegungen und Passagieren erkennen lassen. Ob die Münchner zu einem neuen Bürgerentscheid gerufen werden, darüber wird der Aufsichtsrat wohl im Frühjahr 2018 sprechen. Reiter betont, man wolle die Prognosen für 2018 abwarten, basierend auf den Zahlen des ersten Quartals.

Im Jahr 2012 stimmten die Münchner gegen eine dritte Startbahn; die Stadt fühlt sich an das Votum bis heute gebunden. Auch Söder plädierte erneut für eine Beteiligung der Bürger: "Der demokratische Weg hält länger als der juristische. Es muss ein Segen auf dem Projekt liegen." Zugleich will er eine Debatte über die "Wachstumsskepsis" in München anstoßen. Man dürfe nicht nur über Zahlen reden, sondern brauche auch eine "Gefühlsebene". Auch SPD-Landeschefin Natascha Kohnen, eine Startbahn-Gegnerin, fordert eine solche Diskussion. Söder sagt: Die Begrenzung von Wachstum sei "der falsche Ansatz, man muss es sensibel begleiten".

Reiters Stellvertreter und Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) sprach sich deutlich für die Startbahn aus. Die steigenden Passagierzahlen seien ausschlaggebend, nicht die Zahl der Flugbewegungen. Auch die Landtags-CSU fordert eine Entscheidung noch vor der Landtagswahl 2018. Ob sich dieser Zeitplan nach der Sitzung vom Donnerstag einhalten lässt, ist allerdings zu bezweifeln.

© SZ vom 28.07.2017 / schub, wiw/eca

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