Flughafen MünchenDas ist die milliardste Passagierin – doch wo bleibt der rote Teppich?

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Amanda Walls (Mitte), die Milliarden-Passagierin, nach der Landung in München. Ob ihr Mann und ihre Kinder als Reisende Nummer 999 999 997 ff. oder 1 000 000 001 ff. gezählt wurden, ist nicht bekannt.
Amanda Walls (Mitte), die Milliarden-Passagierin, nach der Landung in München. Ob ihr Mann und ihre Kinder als Reisende Nummer 999 999 997 ff. oder 1 000 000 001 ff. gezählt wurden, ist nicht bekannt. Bernd Ducke/Flughafen München

Der Airport München empfängt den Jubiläumsgast in einer unscheinbaren Ecke. Früher gab es zu solchen Anlässen Blasmusik, Gratis-Flugtickets und Auftritte angehender Wurst-Influencer.

Glosse von Nadeschda Scharfenberg

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Der Airport München hat in dieser Woche einen Flugmeilenstein verkündet: Der milliardste Passagier ist in MUC angekommen, genauer gesagt eine Passagierin. Nach 999 999 999 handgezählten Fluggästen steuerte am Dienstag Amanda Walls, frisch gelandet aus Chicago, samt Mann, Kindern und mehreren Trolleys durchs Terminal und wurde plötzlich vom bayerischen Finanzminister, dem Flughafenchef und einer hohen Lufthansa-Frau umstellt. Zack, Blumenstrauß in die Hand sowie ein Schild mit einer Eins und neun Nullen darauf, und dann Gruppenfoto, cheese. Obendrein gab es Gutscheine für die Senator-Lounge, die Flughafenbrauerei und fürs Parkhaus.

Da könnte die Familie Walls jetzt mal einen Luftsprung machen. Es sei denn, sie hat sich eingehender mit der Historie der Jubiläumspassagiere beschäftigt. Ein Blick in die Archive zeigt: Was die Begrüßungskultur und die Mitgebsel angeht, befindet sich der MUC auf dem absteigenden Ast. Pardon, es muss natürlich heißen: im Sinkflug.

Als im Januar 1996, knapp vier Jahre nach dem fliegenden Wechsel von Riem ins Erdinger Moos, Ursula Klause aus Weilheim als Fluggast Nummer 50 000 000 willkommen geheißen wurde, gab es auf dem Vorfeld noch einen roten Teppich und ein Ständchen von der Blaskapelle Moosinning. Der damals live anwesende SZ-Reporter zählte sieben Kamerateams und ein Dutzend Fotografen. Das Empfangskomitee konnte bei Frau Klause mit zwei Businessclass-Freiflügen landen und mit einer Nachbildung des Airport-Towers für die Vitrine.

Evelyn Hammerström aus Düsseldorf, die 250-millionste Passagierin, wurde im März 2005 vom Münchner Kindl höchstpersönlich begrüßt. Ihre Ausbeute, neben dem obligatorischen Blumenstrauß und ebenfalls zwei Flugtickets: ein Fresskorb und ein Festessen im Airport-Restaurant.

Blumen, Gratis-Reisen und die Blaskapelle blieben auch beim 500-Millionen-Jubiläum im Juli 2012 eine Konstante, erweitert wurde das Präsente-Portfolio um einen 500-Euro-Einkaufsgutschein für die Läden am Flughafen. Das Münchner Kindl ließ sich beim feierlichen Empfang der Passagierin Cathleen Holsman diesmal zwar nicht blicken, dafür schob sich ein Mann prominent ins Bild, der später als Wurst-Influencer durchstarten sollte.

Jubiläumspassagierin Cathleen Holsman, unter anderem mit dem damaligen Finanzminister und heutigen Food-Influencer Markus Söder.
Jubiläumspassagierin Cathleen Holsman, unter anderem mit dem damaligen Finanzminister und heutigen Food-Influencer Markus Söder. Flughafen München

Diese Jubiläumsrückschau ergibt einige Auffälligkeiten. Erstens: Bei der Frauenquote in der Kategorie „Reisende mit vielen Nullen“ ist der Flughafen München der Konkurrenz weit entschwebt. Zweitens: Wie es der Zufall will, sind all diese Passagierinnen einer Lufthansa-Maschine entstiegen. Drittens: Warum Businessclass fliegen, wenn man auch in der Senator-Lounge landen kann! Und viertens: Parken ist weniger abgehoben als shoppen.

Die milliardste Disney-Vergnügungspark-Besucherin hat übrigens lebenslang freien Eintritt bekommen und der milliardste Airbnb-Gast einen 50 000-Euro-Reisegutschein. Es ist also noch Luft nach oben.

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