Der Münchner Flughafen ist am Samstagnachmittag um Haaresbreite einer Katastrophe entgangen: Eine Boeing Dreamliner 787-9 der Vietnam Airlines sollte um 13.35 Uhr als Flug VN 034 nach Hanoi starten – und kam erst im allerletzten Moment vom Boden in die Luft. Entgegen ersten Beschwichtigungen der Flughafengesellschaft reichte die 4000 Meter lange Startbahn nicht aus: Die Maschine beschädigte nämlich noch Teile der Anflugbefeuerung hinter dem Startbahnende, schaffte es dann aber doch noch in die Luft.
Wie eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) der Süddeutschen Zeitung am Sonntagvormittag bestätigte, muss der Take-off der 250 bis 290 Passagiere fassenden Maschine alles andere als plangemäß verlaufen sein. Laut Angaben des Flughafens München sei die Bundesstelle für Luftfahrtunfälle hinzugezogen worden.
Normalerweise hebt ein Verkehrsflugzeug wie die Dreamliner mit ihren rund 129 Tonnen Leergewicht und 254 Tonnen maximalem Startgewicht spätestens nach etwa 2,5 Kilometern Startbeschleunigung ab. Ein Youtube-Video, das Planespotter vom missglückten Start des Fluges VN 034 mitgeschnitten haben, zeigt, dass die Maschine nicht in gewohnter Weise beschleunigt, aber die gesamte Bahnlänge ausschöpft, ohne den Vorgang abzubrechen. Dann sieht man eine derart gewaltige Staubwolke, dass allein dieser Anblick nahelegt, dass die Maschine jenseits der Rollbahn auf unbefestigtem Untergrund gewesen sein muss.
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Die DFS-Sprecherin bestätigte das: Die Anflugbefeuerung befindet sich jenseits der Rollbahn, sie wurde beim Take-off beschädigt. Nicht bestätigt sind bisher Zeugenbeobachtungen und Beiträge in Aviation-Foren, wonach der zweistrahlige Jet beim Abheben mit dem Heck sogar noch den Boden berührt habe. Unklar ist auch, ob Reifen am Fahrwerk bereits beim Beinahe-Fehlstart beschädigt wurden oder ob das erst später bei der Notlandung auf dem Münchner Flughafen geschah.
Zerfetzte Reifen und Schäden am Rumpf
Fest steht jedenfalls, dass der Kapitän der Dreamliner nach dem holprigen Gerade-noch-Start eine Rückkehr zum Airport München mit dem Tower aushandelte, allerdings unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Die Flugsicherung beorderte die Maschine auf mehrere größere Schleifen südlich und östlich von München und räumte nach Aussage der DFS-Sprecherin den Luftraum entsprechend frei dort. Auf Flightradar24 sind die Flugbewegungen dokumentiert. Zweck der großzügigen Platzrunden: 60 Tonnen Kerosin mussten abgelassen werden, um so leicht und risikoarm wie möglich landen zu können.
Danach habe das Flugzeug zweimal im Tiefflug den Tower und eine Landebahn überquert, um die Unterseite des Rumpfes und das Fahrwerk einem Sicht-Check vom Boden aus zu unterziehen und abzuschätzen, ob und wie eine Notlandung möglich sei. Der erste Tiefflug fand dabei auf Anforderung der Flughafenfeuerwehr statt, den zweiten hatte der Kapitän selbst erbeten, als zusätzliche Inspektionsmöglichkeit für den Zustand von Rumpf und Fahrwerk, heißt es von der DFS.
Die Landung erfolgte rund zwei Stunden nach dem Start, in Luftfahrtforen kursieren Fotos, die ein beschädigtes Fahrwerk mit zerfetzten Reifen sowie Schäden am Rumpf zeigen. Auch soll die Landebahn beschädigt worden sein bei der Notlandung, was sich durch die Landung auf den Felgen erklären ließe, aber nicht bestätigt ist bisher. Das Flugzeug konnte „nicht selbständig von der Bahn rollen“, bestätigt ein Sprecher der Flughafengesellschaft München (FMG). Die Passagiere seien „über Fluggasttreppen“ ausgestiegen und mit Bussen ins Terminal gebracht worden, die Boeing 787 sei noch in der Nacht „abgeschleppt und in einen Flugzeughangar zur weiteren Untersuchung gebracht worden“, so die FMG weiter.
Dort stand die Maschine auch am Sonntagmittag noch. Die nördliche Start-und-Lande-Bahn sei am Sonntagmorgen um sieben Uhr wieder für den Verkehr freigegeben worden, „leichte Beschädigungen“ seien in der Nacht „umgehend beseitigt“ worden. Vietnam Airlines hat auf Nachfrage bisher keine Angaben zur Ursache für den missglückten Start sowie zu Passagierzahlen und anderen Details gemacht.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung war die Chronologie anders dargestellt. Tatsächlich ließ die Maschine erst bei großen Flugschleifen südlich von München Kerosin ab und absolvierte danach zwei Tiefflüge über dem Airport. Wir haben das im Text korrigiert.
