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Neue Einnahmequellen:Flughafen München setzt aufs Geschäft abseits des Fliegens

Nur eine von vielen Baustellen am Flughafen: Der neue Flugsteig an Terminal 1 soll 350 Meter ins Vorfeld hineinragen. Simulation: Planungsgemeinschaft T1E

  • Der Finanzchef kündigt eine Milliardensumme an Investitionen an. Geplant sind ein "großzügiger Marktplatz" und ein Innovationszentrum mit Tausenden neuen Arbeitsplätzen.
  • Für 455 Millionen Euro baut der Airport auch das Terminal 1 aus. Dort sollen mehr Passagiere abgewickelt werden, obwohl es vorerst nicht mehr Flüge gibt.
  • Es geht aber vor allem um das Geschäft, das nichts direkt mit dem Fliegen zu tun hat: Etwa die Hälfte des Umsatzes wird bereits jetzt so erzielt.

Der Flughafen München wird in den nächsten Jahren zur Großbaustelle. Jetzt haben die Arbeiten zur Erweiterung des Terminal 1 begonnen, noch dieses Jahr will die Flughafengesellschaft FMG auch den ersten Bauabschnitt des Forschungs- und Innovationszentrum "Lab Campus" angehen. Unter anderem sollen auch ein neues Logistik- und ein Schulungszentrum entstehen und die Zufahrten für den Autoverkehr verbessert werden. Unter den insgesamt 14 laufenden und geplanten Bauprojekten ist auch ein neues Hotel vorgesehen. Bereits seit vergangenem Sommer wird an der Verlängerung des S-Bahntunnels um 1,8 Kilometer Richtung Osten gebaut. Von 2025 an sollen die Züge bis zur neuen Haltestelle und Wendeanlage Schwaigerloh fahren können.

Wie Finanzchef Thomas Weyer in der Kundenzeitschrift des Flughafens mitteilt, will die FMG dieses Jahr 374 Millionen Euro investieren, nächstes Jahr 530 Millionen und im Jahr 2021 knapp 600 Millionen. Das sei eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den vergangenen Jahren, als die FMG für Instandhaltung und Ausbau jährlich bis zu 250 Millionen ausgab. Für Weyer sind die Ausgaben eine Investition in die Zukunft. Denn rein auf die Erlöse aus der Abwicklung von Flügen könne man sich nicht verlassen. So ist inzwischen auch das Auslandsgeschäft für die FMG ein wichtiges Standbein. In rund 30 Ländern bietet sie Beratungs- und Management-Leistungen an.

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Den Lab Campus, an dem im ersten Schritt in den nächsten sechs Jahren rund neue 3000 Arbeitsplätze entstehen sollen, sieht Weyer ebenso als künftige wichtige Einnahmequelle. Im Jahr 2024 rechnet er mit Mieteinnahmen von bis zu 35 Millionen Euro jährlich. Das sei mit Blick auf die Gesamtbilanz zwar nicht viel. Auf lange Sicht, so Weyer, habe dieses Geschäftsfeld aber ein enormes Potenzial.

Der 455 Millionen Euro teure Ausbau des Terminals soll der FMG ebenfalls satte Mieteinnahmen durch Laden- und Gastronomieflächen bringen. Geplant sei ein "großzügiger Marktplatz" mit rund 7000 Quadratmeter neuer Ladenfläche. Insgesamt wächst die Innenfläche des Terminals von 80 000 auf 95 000 Quadratmeter. Der neue Flugsteig dockt an das Modul B an, wird 350 Meter weit ins westliche Vorfeld hineinragen und Platz für sechs Großraumflugzeuge respektive zwölf kleinere Maschinen bieten. Die Passagierkapazität könnte dann im Terminal 1 um etwa sechs Millionen pro Jahr auf etwa 21 Millionen steigen.

Insgesamt soll sich auch der Service für die Passagiere verbessern. So werden die Module im Terminal neu geordnet. Die sogenannten Schengen-Bereiche, wo Flüge von und aus der Europäischen Union abgewickelt werden, sind künftig in den Modulen C und D nebeneinander untergebracht. Zudem sollen auch die Sicherheitskontrollen zentralisiert und neu gestaltet werden: Pro Stunde sollen dann statt 180 bis zu 400 Passagiere kontrolliert werden können.

Besser soll auch die Situation für Autofahrer werden. Seit vergangenem Jahr läuft der Ausbau des Südrings und der Erdinger Allee, die zum östlichen Flughafenzubringer hin eine neue Streckenführung bekommen. Der Zubringer wiederum wird bis Ende 2020 vierspurig ausgebaut. Auf der anderen Seite des Airports, im Westen, entsteht ebenfalls ein neuer Verkehrsknotenpunkt. An der "Airsite West" baut die FMG eine neue Brücke über die Zentralallee, die bis 2020 fertig sein soll. Das Bauwerk verbindet künftig die Nord-, Zentral- und Wartungsallee.

Die Stadt Freising hatte eine Klage erwogen

Die Bauvorhaben des Flughafens sind durchaus umstritten. So waren für den Lab Campus zunächst 20 000 Arbeitsplätze angekündigt, eine Zahl, die Weyer wieder stark nach unten korrigierte. Die umliegenden Gemeinden hatten nach Bekanntwerden der Pläne eine enorme Zunahme des Verkehrs und des Siedlungsdrucks befürchtet. Gegen den neuen Terminal 1 hatte die Stadt Freising sogar eine Klage erwogen. Nachdem sich aber im Baugenehmigungsverfahren gezeigt hatte, dass damit nicht mehr Flugbewegungen zu erwarten sind, hat die Stadt eine Klage im vergangenen Herbst wieder verworfen.

Die Flughafengesellschaft setzt auf neue Einnahmequellen wie den Campus, da mangels zusätzlicher Kapazität bei den Flügen kein großes Wachstum mehr zu erwarten ist. Knapp die Hälfte des Umsatzes, der 2017 bei rund 1,47 Milliarden lag, stammt inzwischen aus dem sogenannten Non-Aviation-Geschäft, also aus Bereichen, die nicht direkt mit dem Flugbetrieb im Erdinger Moos zu tun haben.

Die dritte Startbahn sieht die FMG immer noch als langfristiges Ziel an, trotz aller Widerstände und obwohl diese zumindest in der laufenden Legislaturperiode bis 2023 auf Eis gelegt ist.

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