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Flüchtlinge:OB Reiter: Die Menschen sind "vernünftig und menschenwürdig angekommen"

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter zeigt sich am Nachmittag zuversichtlich, dass es gelingen werde, die Situation im Griff zu behalten. "Ich bin guter Dinge, dass wir auch diese Herausforderung meistern können", sagt er der Süddeutschen Zeitung. "Wir müssen versuchen, es logistisch hinzukriegen, dass es kein Chaos gibt."

Ankunft von Flüchtlingen am Bahnhof München

"High Five" zur Begrüßung: Mehrere hundert Münchner kamen zum Hauptbahnhof, um die Flüchtlinge in Empfang zu nehmen.

(Foto: dpa)

Er werde alles dafür tun, dass es aus München keine Bilder gebe wie aus Budapest. Die zuständigen Behörden, Polizei und Helfer arbeiteten gut zusammen. Am Abend lobt er gegenüber der SZ die "sensationell gute Zusammenarbeit aller Beteiligten", all die Menschen seien "vernünftig und menschenwürdig in München angekommen".

Die Behörden seien auf diese Zahlen vorbereitet, erklärt Regierungspräsident Hillenbrand. Sollten aber über einen längeren Zeitraum zwischen 5000 und 7000 Flüchtlinge am Tag zu betreuen sein, gerate man an die Aufnahmekapazitäten.

Erste Flüchtlinge aus Ungarn reisen um halb elf an

Die ersten Flüchtlinge aus Ungarn hatten München am Samstagvormittag erreicht. 180 Männer, Frauen und Kinder kamen mit einem Railjet um halb elf am Hauptbahnhof an. Auch sie wirkten erschöpft, aber erleichert.

Schon Stunden vorher herrschte am Hauptbahnhof reger Betrieb. Nach den Erfahrungen der vergangenen Woche - am Dienstag waren alleine 2400 Flüchtlinge angekommen - hatten Polizei, Regierung von Oberbayern und Ehrenamtliche ihre Arbeitsabläufe neu organisiert, um zum einen schneller arbeiten zu können und zum anderen den Asylsuchenden eine freundliche Ankunft zu bieten. Damit sie unkompliziert mit Bussen in ihre neue Unterkunft fahren können, ist die Arnulfstraße ab der Paul-Heyse-Straße gesperrt.

500 Ehrenamtliche sind am Samstag im Einsatz

Zum Starnberger Flügelbahnhof kommen am Samstag immer wieder Münchner, die helfen wollen. Die Polizei und die freiwilligen Helfer bitten allerdings, keine Sachspenden mehr vorbeizubringen. Wer etwas abzugeben hat, soll sich bitte vorher auf der Homepage der Stadt München informieren.

Auch zusätzliche Ehrenamtliche werden derzeit am Hauptbahnhof nicht mehr benötigt. 500 sind am Samstag im Einsatz, weitere 600 könnten im Notfall einspringen, sie haben sich auf einer Liste eingetragen. Die freiwilligen Helfer sind mittlerweile nicht nur am Hauptbahnhof eingesetzt, sondern auch an weiteren Standorten, in denen Flüchtlinge kurzfristig unterkommen, etwa in der von der Bahn zur Verfügung gestellten Notunterkunft in Neuhausen.

Akribische Vorbereitungen

"Wir bereiten uns in alle Richtungen vor", sagt Simone Hilgers von der Regierung von Oberbayern, die sich seit den frühen Morgenstunden eng mit Ehrenamtlichen, der Stadt München und der Polizei abstimmt. Es zahle sich nun aus, dass in den vergangenen Tagen alles so gut vorbereitet worden sei, erklärt sie. So gebe es zusätzliche Kapazitäten, um Flüchtlinge aufzunehmen.

Neben dem Münchner Luisengymnasium und einer Tennishalle in Grasbrunn seien 1200 weitere Plätze in einer Halle in der Münchner Richelstraße eingerichtet. Die ehemalige Signalmeisterei der Bahn steht seit Jahren leer, sie wurde in zwei Nächten für diesen Einsatz ertüchtigt, eine medizinische Erstversorgung ist möglich, auch können die Menschen hier verpflegt werden, bevor es für sie weitergeht. Kurzfristig hat die Stadt auch auf dem Gelände der Messe München 1700 Betten zur Verfügung gestellt.

27 Busse stünden in Bayern zur Verfügung, um Flüchtlinge in andere Regierungsbezirke zu bringen. Außerdem gebe es Gespräche auf Bundesebene, um Züge und Busse zu organisieren, die Menschen in andere Bundesländer fahren könnten. Auch die grenzüberschreitenden Kontakte seien intensiv. Es gebe dennoch viele "Unwägbarkeiten" angesichts der schnellen Entwicklungen, so Hilgers.

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