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Flüchtlinge in München:Neue Unterkünfte in Oberbayern

Doch dann, zu Jahresbeginn, kam die Nachricht, dass die Zeit im Pollinger abgelaufen sei. Der Grund dürfte das Geld sein, das Hotel ist vergleichsweise teuer. Zwar bestreitet das Sozialministerium finanzielle Gründe für den Auszug, doch andere werden auch nicht genannt. Und IM-Chef Bauer sagt: "Ich weiß, dass der Regierung der Rechnungshof im Nacken sitzt." Also werden erste, zarte Pflänzchen der Integration wieder herausgerissen. Die Nachricht vom Zwangsauszug überbringen nicht etwa Behörden-Mitarbeiter, die Betreuer der Inneren Mission werden vorgeschickt.

SZ-Adventskalender "Jetzt sind wir ein Teil von Deutschland"
Flüchtlinge aus Afghanistan

"Jetzt sind wir ein Teil von Deutschland"

Vor knapp 20 Jahren kamen die Mohmands aus Afghanistan nach München. Sie hatten mit Krankheiten zu kämpfen und lange Angst vor Abschiebung. Seit 2007 sind sie deutsche Staatsbürger - und trotz bitterer Armut zufrieden.   Von Bernd Kastner

Noch suchen diese nach Wohnungen, appellieren an Vermieter großer Wohnungen, sich zu melden, um zumindest ein paar Familien das nächste Übergangsheim zu ersparen. Acht Leute kommen wohl in Räumen der Inneren Mission unter, die eigentlich für Mitarbeiter gedacht sind. Darüber hinaus aber ist ein schneller Erfolg fraglich. 60 Angebote aus ganz Bayern wurden geprüft, fast alle haben sich zerschlagen: zu teuer, zu abgelegen, in unzumutbarem Zustand. Und mitunter wollte der Eigentümer dann doch nichts mit den Ämtern zu tun haben, die die Miete übernehmen. In einem dreiviertel Jahr fanden nur drei Familien eine eigene Bleibe: eine in München, zwei in Schweinfurt.

Im Chiemgau werden die Flüchtlinge freudig erwartet

Nach den Container-Wochen hatte man die Syrer um Geduld gebeten: Es wird gut, Schritt für Schritt. Aber nun folgt nach den Notlösungen eins und zwei die Notlösung drei. Und wieder wissen die Syrer nicht, was sie erwartet. "Man kann die Leute nicht einladen und sie dann wie Stückgut durchs Land schicken", kommentiert einer, der die Asylszene gut kennt.

Flüchtlinge in München Flüchtlinge und Studenten unter einem Dach
Wohnprojekt in München

Flüchtlinge und Studenten unter einem Dach

Schluss mit der Isolation: In einem neuen Wohnprojekt will die Hilfsorganisation Condrobs junge Flüchtlinge und Studenten zusammenbringen. Das Haus soll ein Ort der Integration sein - und gleichzeitig ein hippes Studentenwohnheim.   Von Martin Bernstein

In Unterwössen, einem 2500-Einwohner-Ort im Chiemgau kurz vor der österreichischen Grenze, stehen drei Wohnungen zur Verfügung; in Bernau am Chiemsee ein ehemaliger Gasthof mit einzelnen Zimmern und Gemeinschaftsküche. Man habe bei der Auswahl der neuen Heime "selbstverständlich auch auf eine gute Infrastruktur geachtet", betont die Regierung von Oberbayern. "Es gibt bereits in beiden Orten Helferkreise, die sich auch um Deutschkurse für die Flüchtlinge bemühen." Wieder baut der Staat auf Freiwillige.

Und tatsächlich, die Helfer in Unterwössen erwarten die Flüchtlinge schon freudig. Regine Käuffer, Sprecherin der örtlichen Gruppe mit einem Kern von etwa sechs bis acht Ehrenamtlichen, kann es kaum erwarten: "Was brauchen sie denn?" fragt sie. Rundum-Betreuung? Soziale Kontakte? Sprachkurse? Und in Bernau gründet sich gerade ein Verein, 50 Bürger haben bisher ihre Hilfe angeboten. Der Bürgermeister ist ganz stolz, dass sich so viele der knapp 7000 Einwohner engagieren wollen.

Das große Problem: mangelnde Kommunikation

Wie aber sollen Ehrenamtliche die intensiven Deutschkurse, an denen die Zukunft der Flüchtlinge hängt, bewältigen? Wie sollen Freiwillige täglich vier, fünf Stunden Sprachschule anbieten, um zertifizierte Prüfungen zu ermöglichen? "Das können wir nicht leisten", sagt Johannes Feitl vom Bernauer Asylhelfer-Verein.

Flüchtlinge in München Schmutzig und gefängnisartig
Flüchtlingsunterkunft in München

Schmutzig und gefängnisartig

"Es verschlägt einem den Atem, wenn man reinkommt": Das Ankunftszentrum für Flüchtlinge in München ist heruntergekommen. Flüchtlinge sollen maximal 24 Stunden bleiben - oft müssen sie viel länger ausharren.   Von Bernd Kastner

Wieder einmal scheint die Kommunikation zwischen den Akteuren mangelhaft. Von den Behörden, sagt Feitl, würde er kaum was erfahren, "wenn ich mich nicht selber kümmern würde". Und Bernaus Bürgermeister Philipp Bernhofer will Terminankündigungen aus München gar nicht mehr kommentieren, zu oft hätten sie sich in Luft aufgelöst: "Ich hoffe, dass ich rechtzeitig informiert werde." Auch die Innere Mission klagt seit langem über mangelnde Kommunikation. Wenige Tage vor dem geplanten Umzug ist der Informationsfluss zwischen München und dem Chiemgau rudimentär. Die Helfer in Unterwössen etwa erfahren erst durch einen SZ-Anruf, welch zertifizierten Deutschkurs die Syrer benötigen, weshalb die Gemeinde ihn jetzt über die Volkshochschule organisieren will. Und die Syrer ahnen nicht, wie sehr man sich auf sie freut; stattdessen haben sie Angst vor der Zukunft. Im Hotel Pollinger in Aubing erzählen sie, mit welchem Gefühl sie ankamen: als Gäste, eingeladen von der Bundesrepublik. Ein dreiviertel Jahr später übersetzt der Dolmetscher einen von ihnen mit diesem Satz: "So behandelt man Gäste nicht."

Spezieller Status

20 000 Syrer nimmt die Bundesrepublik als sogenannte Kontingentflüchtlinge auf. Gut 3000 von ihnen sollen nach Bayern kommen. Bayerns Integrationsbeauftragter Martin Neumeyer (CSU) hat gerade erst gefordert, noch mehr Flüchtlinge aufzunehmen, Flüchtlingshilfsorganisationen mahnen ein eigenes bayerisches Hilfsprogramm an zusätzlich zu dem des Bundes. Unter den Geflohenen sind Kontingentflüchtlinge privilegiert. Sie müssen keine lebensgefährlichen Schiffe besteigen, ihnen wird der Flug nach Deutschland bezahlt. Sie haben, anders als Asylbewerber, vom ersten Tag an ein sicheres Aufenthaltsrecht und Anspruch auf Sozialleistungen. Zudem dürfen sie arbeiten und, nach den obligatorischen zwei Wochen im Durchgangslager Friedland, eine eigene Wohnung beziehen. In vielen Teilen Deutschlands klappt das gut. beka