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Flohmarkt auf der Theresienwiese:Jäger und Sammler

Veranstalter Hartwig Kraus vom Bayerischen Roten Kreuz sagt: "Es sind wohl heuer maximal 2000 Stände. Im letzten Jahr waren es 3200, da war das Wetter auch super." Für einen Tisch muss man zwölf Euro Miete zahlen, jeder weitere Meter kostet vier Euro. Kraus rechnet mit etwa 20000 Besuchern, und mit wenigen Zwischenfällen. "Viel mehr als ein paar verlorene Kinder passiert selten." Die Polizisten patrouillieren lächelnd durch die Reihen. Kein Wunder, die Tische bieten wunderbare Kombinationen: etwa einen ausgestopften Fuchs neben einem FC-Bayern-Schlauchboot; ein Fondue-Spieß-Set neben Inline-Skates und einem alten Voigtländer-Fotoapparat; oder ein Katzenkratzbaum neben einer Friseurhaube. Bei Wende fünf zückt Frieda schließlich ihren Geldbeutel.

Sie hat eine elektrische Krups-Kaffeemühle entdeckt. "Die hatten wir früher zuhause, ich kann mich noch an das Mahlgeräusch erinnern." Die Verkäuferin fragt, was sie denn zahlen wolle: "Fünf Euro." Also zahlt sie fünf. "Ich hätte drei sagen sollen, dann wären wir wohl bei vier rausgekommen", sagt sie danach. Frieda hat jetzt auch so ein glückliches Gesicht wie die Leute um sie herum. Sie hat etwas gefunden.

Fast jeder Stand ist eine Erinnerungs-Insel. Die Kaffee-Mühle aus der Kindheit, die Taschenbücher von Walt Disney, bei denen noch jede zweite Doppelseite schwarz-weiß statt bunt war, alte Singles und LPs samt Plattenspielern; manche Besucher gehen verträumt durch die Reihen, die Mischung ist vollkommen: Kinder, Eltern, Großeltern, Paare und Pärchen, coole Glockenbach-Dreißiger oder vollbärtige Rentner.

Frieda sieht von weitem einen großen Kleiderstand. Nix. Und die Bavaria und damit das Marktende kommen immer näher. Es ist kurz vor elf, die Zeit der Sammler beginnt, der Himmel wird dunkel. Der Regen wird die Sammler vertreiben und Oliver die gute Laune. Aber Frieda hofft noch. Dann sieht sie es.

Grünrosa ist das 70er-Jahre Sommerkleid, eine Frau steht daneben und ermuntert sie: "Das musst du kaufen!" Frieda handelt nur kurz, zahlt zehn statt 15 Euro, und bringt ihre Beute trocken und glücklich nach Hause.