bedeckt München 21°

Fliegerbombe in Schwabing:Ein zäher Prozess

Wenige Tage nach der sogenannten kontrollierten Sprengung hatte Oberbürgermeister Christian Ude angekündigt, den Geschädigten zu helfen. Allerdings müssten zuvor die Haftungsfragen geklärt werden. Mittlerweile gibt es einen Fonds, aus dem in Härtefällen Geld an die Betroffenen fließt. Nach Auskunft des Sozialreferats wurden bislang 53.500 Euro ausbezahlt, davon 42.000 aus der städtischen Kasse. Die restliche Summe kam vom "Adventskalender" der Süddeutschen Zeitung und von der Hilfsaktion "Lichtblick Senioren".

Dem Sozialreferat zufolge haben 39 Personen Hilfe beantragt, von denen die meisten als Härtefälle anerkannt wurden. In fünf Fällen habe man Zahlungen verweigert, "weil es sich um Unternehmen handelte, die nur einen kurzfristigen Umsatzausfall zu verzeichnen hatten und dadurch nicht existenziell bedroht waren". Wer im Einzelnen finanzielle Unterstützung bekommen hat, steht nicht im Bericht der Behörde.

Auch Reinhard Pascher, Geschäftsführer des Modeladens "Flip", hätte von der Stadt größeres Entgegenkommen erwartet. Zwar hatten die Bretterverschläge vor den Fenstern größere Schäden verhindert, weil aber die Lüftungsanlage kontaminiert war, musste die Boutique für drei Wochen schließen. Mit der Zusage, die Räume über die geöffneten Fenster und Türen zu belüften, hatte Pascher eine Ausnahmegenehmigung beantragt. Vergebens. "Man kommt da nicht an die richtigen Leute ran, auch nicht an den OB." Immerhin, die Versicherung hat einen Teil der Verluste übernommen, "das reichte gerade zum Überleben".

Verhandlungen mit der Versicherung

Hermine Meck-Remmert, Chefin der Boutique "Rag Republic", hadert hingegen mit ihrer Versicherung. "Die waren anfangs unmöglich." Erst nach harten, nervenaufreibenden Verhandlungen habe die Versicherung bezahlt. An den Decken und Wänden ihres Ladens waren Risse aufgetreten, weshalb Experten erst einmal prüften, ob das Haus abgerissen werden müsse.

Ähnlich war die Lage bei der Constantin Film AG. Auch hier ruhte der Betrieb, bis die Statiker das Gebäude wieder freigaben. In den Büros waren Möbel und das Parkett beschädigt, auch Fenster sind zu Bruch gegangen. Die meisten Mitarbeiter konnten nach einer Woche an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, in Einzelfällen zog es sich bis zum Frühjahr hin. "Die Schadensregulierung ist noch nicht abgeschlossen", berichtet Constantin-Sprecherin Katja Wirz.

Beatrice Rillinger ist nach der Explosion für zehn Tage ins Hotel gezogen. Ihre Wohnung war voller Staub und Stroh, die herausgesprengte Eingangstür lag mitten im Raum, ein Mantel war verkohlt. Ihre wertvollen Bücher und Gläser aber haben die Druckwelle wunderbarerweise überstanden.

Weniger widerstandsfähig waren die Flaschen und Gläser, die Hans Rickert in seiner Getränkekammer lagerte. "Da waren nur noch Scherben", erzählt der Wirt der Kneipe "Zum neuen Hut". Auf insgesamt 30.000 Euro schätzt Rickert den Schaden, den die Bombe in seiner Kneipe angerichtet hat. "Einen Teil hat die Versicherung bezahlt." Wenigstens hielt sich der Verdienstausfall in Grenzen: "Schon am Freitag waren die Gäste wieder da. Die wollten sehen, wie es bei mir ausschaut."

© SZ vom 26.08.2013/wolf
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB