Braucht es einen bestimmten Anlass, um auf Tour zu gehen? Ein neues Album, einen viralen Hit, ein Newcomer-Dasein? Oder braucht es „einfach nur“ ein Standing und gute Songs, die bei den Leuten ankommen. „Einfach nur“ ist leicht daher gesagt, denn Musikerinnen und Musiker sowie die ganze Maschinerie dahinter wissen, dass ein solches Standing harte und langjährige Arbeit bedeutet. Rapperin Fiva hat eine Tour ohne großes Tamtam oder Neuveröffentlichungen angekündigt, weil sie Bock auf die Bühne hat. Und den hat nicht nur sie, beide Konzerte am 13. und 14. Mai im Ampere sind fast zur Gänze ausverkauft.
Warum die Tour gerade jetzt stattfindet, hat auch mit ihrem Debütroman zu tun, der im September erscheinen wird. „Ich habe die letzten zwei Jahre am Buch geschrieben. Und jetzt will ich wieder auf die Bühne!“ Back to the Roots also, denn Nina Sonnenberg hat bereits 2001 ihre erste Single „Status Quo“ veröffentlicht, damals als Fiva MC. Es folgten acht Alben, sonntags legt sie in ihrer eigenen Sendung des Wiener Radiosenders FM4 auf, schrieb Filmmusik für Checker Tobi, unterrichtet eine Masterclass an der Uni Wien, ist jetzt auch Autorin ihres ersten Romans und wagt nun ein kleines Tour-Comeback.
„Ich habe letztes Jahr schon Konzerte in Wien, Graz und Linz in Clubs gespielt. Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich gleich weitermachen muss.“ Es sind nicht die großen, sondern die kleinen, eher intimen Konzerte wie im Ampere, für die sich die Münchner Künstlerin entschieden hat. „Ich wollte auch einfach mal schauen, ob die Leute eine Tour überhaupt annehmen.“
Begleitet wird Fiva von der Band, mit der sie das Album „Alles leuchtet“ 2014 aufnahm. Das zählt nicht nur zu ihren bekanntesten, sondern entstand gemeinsam mit Musikern, mit denen sie sich am wohlsten fühlt. „Ich habe so eine wunderbare Band in Wien mit Herbert Pirker, Phil Nykrin und Tobi Wöhrer, mit denen ich so gerne spiele.“ Und mit denen sie vor genau zehn Jahren auch mit „Alles leuchtet“ tourte.
Gespielt werden auch Songs aus anderen Alben, aber so leuchtet alles ganz wunderbar zusammen. Mit ihrer Tour zeigt Fiva auch, wie sie sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat. Ihre unterschiedlichen Projekte mit verschiedenen Musikern und Künstlerinnen haben ihre Arbeit geprägt. „Ich würde sagen, ich hab mich zu einer ‚ordentlichen Musikerin‘ entwickelt, vor allem als Texterin.“
Gerade ihre Songs wie „Einen Sommer lang nur tanzen“ oder „Das Beste ist noch nicht vorbei“ bleiben nicht nur hängen, sondern man kann sich damit identifizieren. Die Strophen handeln davon, sich dem Alltag zu entziehen, vielleicht auch mal auszubrechen und etwas anderes zu machen. Fiva gibt den Menschen das Gefühl, mutig und nicht allein zu sein. In einer Zeit, in der es viel um die individuellen Bedürfnisse geht, schafft sie Zusammenhalt.
Die SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von YouTube angereichert
Um Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.
Nina Sonnenbergs größter Erfolg wäre es, solange Musik zu machen, wie es eben möglich ist. „Es gibt nicht so viele Musikerinnen in meinem Alter. Als ich angefangen habe, waren es gerade eine Handvoll.“ Jetzt gebe es unfassbar viele tolle Rapperinnen, die das Geschäft hoffentlich umkrempeln werden. „Es braucht Künstlerinnen, wie zum Beispiel Ikkimel, die einen draufhauen. Vielleicht wird es auch in 20 Jahren einfach dann selbstverständlich sein, dass Frauen über 40 über Sex rappen.“ Lady Bitch Ray macht es vor.
Für Nina Sonnenberg spielt das Altern nur in dem Sinne eine Rolle, indem sich jeder von uns früher oder später mit dem Tod beschäftigen muss. „In der Sterbebegleitung ist man oft allein. Ich habe zu diesem Thema einfach keine Literatur gefunden, also habe ich darüber geschrieben.“ Ihr Debütroman „Das Herz, ein Wolf“ handelt von Nele, die ihren Vater auf der Palliativstation begleitet. Eine fiktive Geschichte, die auf Erinnerungen und gemeinsamen Erlebnissen basiert, humorvoll aufgearbeitet. Ende September startet dann die Lesereise, je nach Location mit oder ohne Musik. Aber erstmal geht’s nach Landshut, Erlangen und München auf Tour!
Fiva, Alles leuchtet-Tour, Mittwoch, 13. und Donnerstag, 14. Mai, 20 Uhr, Ampere, Zellstraße 4

