Firmengründer Die schlimmsten Fails von Münchner Firmengründern

In der "Epic Fail Night" erzählen sie von ihren größten Niederlagen und peinlichsten Momenten. Damit wollen sie ihre Zuhörer ermuntern, auch mal Wagnisse einzugehen.

Von Anne Kathrin Koophamel

Carlo Zottmann fehlt das Bauchkribbeln. "Dieses Gefühl wie frisch verliebt zu sein, ohne das geht gar nichts", sagt der Münchner Web-Entwickler. Seit Jahren überlegt er, eine Firma zu gründen, doch die alles verändernde Idee kam dem 42-Jährigen noch nicht. Dabei hat er es schon einmal versucht. Sein Geld, seine Zeit, seine Energie in zwei Online-Projekte gesteckt. Am Ende hat es nicht funktioniert. "Und es war okay", sagt er heute. "Ich bin stolz, es versucht zu haben."

Es sind Geschichten vom Scheitern, die Münchner bei der "Epic Fail Night" während der Webwoche erzählen. Zum 14. Mal findet das Event statt, der Andrang ist groß. Mehr als 130 Besucher drängen sich im "Provisorium" an der Lindwurmstraße, um alles zu hören, was einfach mal kein Happy End hat. Dabei hatte Zottmann anfangs durchaus Erfolg. Er arbeitete für ProSiebenSat.1 und Yahoo. Nur abends meldete sich dieses Bauchgefühl, dass da mehr sein müsse. "Jahrelang hatte ich die Idee für ein Online-Journal und habe es immer wieder nach hinten geschoben, weil ich ja fest angestellt war. Irgendwann machste das mal. Irgendwann", erzählt er den Zuhörern, von denen die meisten Mitte 20 sind und wohl ihr Studium gerade beendet haben. Doch ist bei vielen der Drang da, etwas Eigenes zu machen.

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Carlo Zottmann zuckt die Schulter, wie er es gerne an diesem Abend macht: "Ich bin oft auf die Fresse gefallen, aber ich habe mich dabei kennenlernt. Ich habe gelernt, auf meinen Bauch zu hören." So weiß er, dass Ideen nicht ewig Zeit haben. "Als ich mit meinem Journal für das Online-Spiel ,World of Warcraft' rauskam, hatte einen Monat später die Konkurrenz das Gleiche aufgezogen. Und war erfolgreicher. Das war für mich tödlich." Heute habe er als freiberuflicher Web-Entwickler feste Kunden, sagt Zottmann, durch diese Projekte kann er sein Leben finanzieren. Einmal im Monat bietet er eine Art Beratung für Gründer an. 45 Minuten spinnt er mit denjenigen, die Hilfe suchen, auf deren Ideen herum, erarbeitet ein erstes Projekt. "Ich verdiene nichts daran, aber wenn ich die Leute sehe, wie sie begeistert sind, wie ich ihr Leben ein Stück vorangebracht habe, dann macht mit das Spaß."

Die Epic Fail Partys gehen auf ein paar Gründer aus Mexiko zurück, die bei Tequila über ihre schlimmsten Niederlagen sprachen und darüber lachen mussten. Sie sollen anderen Menschen die Scham nehmen, von Miseren zu erzählen. Im besten Fall entsteht daraus etwas Besseres, davon ist der Münchner Künstler David le Viseur überzeugt. Mit seinem Freund Michael Pfitzner drehte er einen Kurzfilm über das Scheitern. "Menschen, die scheitern, sind spannend", findet le Viseur. Persönlichkeiten wie Apple-Gründer Steve Jobs, Modedesignerin Vera Wang, Schauspieler Harrison Ford - ihre Namen fallen immer wieder an diesem Abend. Sie alle sind mit ihrer ersten Idee oder Karriere auf die Nase gefallen. Haben weitergemacht, neu gedacht - und sind zu Millionären geworden, zu Vorbildern.

Aber zu seinen Fehlern zu stehen, erfordert Mut. Denn Scheitern, finden die Veranstalter, finde in einer Gesellschaft, die einen Hang zum Über-Perfektionismus und bedingungslosen Erfolg hat, oft hinter verschlossenen Türen statt. Besonders bei den jungen Leuten ist aber der Wunsch groß nach einem Job, der mehr Spaß als Geld bringt, der einen öfter glücklich als reich macht. Schnell wird an diesem Abend klar: Das zu machen, was hundertprozentig erfüllt, ohne jegliches Risiko einzugehen - diese Kombination gibt es nicht. Egal, ob im Job oder in der Liebe.

So war es auch bei einem Redner, der sich als Bart vorstellt. Der Holländer kam für ein Praktikum in der niederländischen Botschaft nach München. "Nach sechs Monaten wollte ich wieder zurück zum Studieren. Dann traf ich auf dem Oktoberfest meine große Liebe." Wochenlang überlegte er: Studium und Karriere - oder eben auf sein Herz hören. Er entschied sich für die Liebe, verschob das Studieren und versuchte, eine Webdesign-Firma zu gründen, ohne auch nur ansatzweise gut Deutsch zu sprechen. "Am Schluss war ich pleite und die Uni wollte mein Darlehen zurück, falls ich nicht sofort wieder zum Studieren nach Holland komme." Die Entscheidung mit dem Herzen konnte er kein zweites Mal treffen. "Es gab keine andere Möglichkeit, ich musste zurück."

Bart beendete sein Studium. Und zu seiner Überraschung: Die Liebe blieb, "obwohl ich von Fernbeziehungen nichts halte". Heute lebt er zusammen mit seiner Freundin in München. Er hat Deutsch gelernt und eine Firma gegründet, die niederländischen Unternehmern hilft, hierzulande Fuß zu fassen. Als das niederländische Königspaar im Frühsommer in München war, durfte er mit der Delegation Willem-Alexander und Máxima begrüßen. Bart glaubt, dass das Scheitern richtig war: "Man kann Fehler machen im Leben, das ist okay. Wenn man seinem Herzen folgt, kann eigentlich nichts passieren."

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