„Fine Dine für alle“ heißt es auf dem Instagram-Kanal des neuen Restaurants Randale im Lehel, dessen Name ein bisschen nach Revolte klingt. Soll er auch: „Wir wollen Fine Dining zugänglicher gestalten und die Etikette infrage stellen“, erklärt Adrian Krieg, der das Randale seit knapp einem Monat zusammen mit Stefan Retzer führt.
Die zwei befreundeten Köche haben sich vor vier Jahren bei der Arbeit im Giesinger Sterne-Restaurant Gabelspiel kennengelernt. Bald stellen sie fest, dass sie sich zusammen selbständig machen wollen und finden in der Sternstraße, wo einst das Bistro Sir Tobi war, passende Räumlichkeiten für ihr Projekt.
Ihre Kampfansage: Die gehobene Gastronomie in München müsse sich den Stock aus dem Hintern ziehen und ihre abgehobenen Preise auf den Boden der Realität zurückholen, erklärt Krieg. Besonders mit ihrem neuen Lunch-Angebot zeigen die beiden Jungköche, wie das geht. Für 33 Euro gibt es mittags bei ihnen eine Vorspeise, einen Hauptgang, Wasser und Kaffee mit hausgemachtem Florentiner – von allem reichlich und in bester Qualität.
Das Mittagsmenü wechselt wöchentlich. Diese Woche wählt man im ersten Gang zwischen einer Kokos-Zitronengras-Suppe und einer Quiche mit Kräuterjoghurt und „Grünzeug“, was sich als Salatbouquet mit kandierten Kerndln herausstellt. Die Quiche ist warm, locker, saftig und voller Geschmack.
Für den Hauptgang stehen aktuell Schwammerl-Risotto mit Buchweizen sowie Ochsenbacken mit Pastinaken-Creme und süßsauer zubereitetem Trevisano zur Auswahl. Brot mit Butter und Dessert können optional und gegen Aufpreis dazubestellt werden. Satt wird man aber auch ohne.
Abends tischen Krieg und Retzer fünf Gänge für 89 Euro auf. Immerhin dann wird man beim Essengehen wieder wie gewohnt mindestens 50 Euro los; nicht, dass am Ende die zwei Revoluzzer noch von ihren Gastro-Kollegen wegen Dumping-Preisen mit Fackeln und Mistgabeln aus dem Lehel gejagt werden (Randale, Sternstraße 16, Mittwoch bis Freitag 12 bis 14.30 Uhr und Dienstag bis Samstag von 18.30 bis 1 Uhr, Telefon 089/24637633).
Fine Dining zugänglicher machen, das will auch Maximilian Moser, Küchenchef im Starnberger Sternelokal Aubergine. Deshalb bietet er ab sofort zusätzlich zum Degustationsmenü bestehend aus fünf (149 Euro) bis sieben (169 Euro) Gängen erstmals auch eine À-la-carte-Option an.
„Ich glaube, für den Gast ist die Hemmschwelle mittlerweile sehr hoch, in Sterne-Restaurants essen zu gehen“, so begründet Moser diesen Schritt. „Du weißt von vornherein, dass du mindestens 160 Euro für ein Menü ausgibst und ein langer Abend bevorsteht.“ Dass nun seine Gäste auch spontan für zwei, drei Gänge vorbeikommen können, soll für eine höhere Auslastung des Restaurants sorgen.
Die neue À-la-carte-Speisekarte setzt sich aus Gerichten zusammen, die auch im Menü zu finden sind, aber auch aus Neuzugängen, darunter die Rote Garnele mit Chorizo, Tomate und weißer Bohne (26 Euro) bei den Vorspeisen, der Bretonische Steinbutt mit Trüffelsoße und Blumenkohl (32 Euro) bei den Zwischengängen und bei den Hauptgängen die Poltinger Entenbrust mit Blaukraut, Orange und Mandel (40 Euro). Aus welcher Kategorie man wie viele Teller bestellt, ist freilich jedem selbst überlassen (Aubergine im Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg, Münchner Straße 17, Mittwoch bis Samstag 18.30 bis 22 Uhr, Telefon 08151/4470290).
Zugänglicher wird’s nicht: Nächste Woche Samstag muss man bloß über den Viktualienmarkt laufen, um die Kreation einer Sterneköchin probieren zu können. Nathalie Leblond vom Gourmetrestaurant Les Deux stattet zusammen mit ihrem Souschef Florian Brunner dem Stand vom Coucou Food Market einen Besuch ab und hat eine „Lobster Roll“ im Gepäck.
Dafür belegt sie selbstgebackenes Brioche mit einem lauwarmen Hummersalat, Staudensellerie, Bergamotte und Kaviar. 29 Euro soll dieses Deluxe-Sandwich kosten. Wer mag, kann sich einen Champagner oder Crémant dazu gönnen (Les Deux zu Gast beim „Marché de Noël“ vom Coucou Food Market auf dem Viktualienmarkt, Samstag, 13. Dezember ab 11.30 Uhr).

