Finanzierung:Diese Einrichtungen hängen am Tropf der Stadt

Konzerte, Museum oder Kinderbetreuung: Würde München das alles nicht subventionieren, würden Eintrittsgelder und Kosten dramatisch steigen. Ein Überblick.

Von Heiner Effern

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Münchens Kämmerer Ernst Wolowicz in seinem Büro

Quelle: Alessandra Schellnegger

Das Schicksal beschert einem Kämmerer nur wenige Augenblicke, in denen er als Wohltäter auftreten kann. Qua Amt muss er seine Mitmenschen ständig ermahnen, dass sie nicht so viel Geld ausgeben. Im Alltag jongliert er mit Millionen und Milliarden, aber selbst diese hohen Zahlen faszinieren kaum jemand. Und zur Verzweiflung des kommunalen Finanzministers versteht sie auch kaum jemand. Deshalb genießt es Kämmerer Ernst Wolowicz zu Beginn jedes Jahres spürbar, wenn er berichtet, wo die Münchner die guten Taten der Millionen direkt spüren. Wenn sie zum Beispiel ein Buch in einer Bibliothek ausleihen, und die Stadt dafür jedes Mal 3,52 Euro an Kosten zuschießt, ohne dass sie es bemerken. Oder eine Theaterkarte in den Kammerspielen für 25 oder 40 Euro zu haben ist und nicht für 200 Euro. So viel würde sie ohne das Geld kosten, das die Stadt jedes Jahr ihren Einrichtungen zukommen lässt, damit diese nicht die echten Marktpreise verlangen müssen. Die Zuschüsse aus dem Jahr 2016 sind zusammengefasst im Bericht "Leistungen und Gebühren", den der Kämmerer am Freitag vorstellte.

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Stadtbibliothek

Stadtbibliothek im Gasteig in München, 2017

Quelle: Robert Haas

Die Zentrale am Gasteig und ihre 22 Filialen erhielten im Jahr 2016 einen Zuschuss von 43,6 Millionen Euro. Damit wurden fast 12,4 Millionen Ausleihen gefördert. Im Schnitt subventionierte die Stadt jedes Buch, jede DVD oder jede CD, die über den Tresen ging, mit 3,52 Euro. Das sind fast 30 Cent mehr als 2015(3,23 Euro). Die Stadtbibliothek konnte im Jahr 2016 nur 7,8 Prozent ihres Etats selbst decken. Das ist bei Gebühren für die Nutzer, die auch 2018 die Grenze von 40 Euro nicht überschreiten werden, aber bewusst einkalkuliert.

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Kammerspiele

Münchner Kammerspiele in München, 2016

Quelle: Stephan Rumpf

Auch das renommierteste Theater im Besitz der Stadt könnte ohne Zuschüsse nicht überleben. In der Spielzeit 2015/2016 steuerte die Kommune 34,1Millionen Euro bei. Nur deshalb können die Kammerspiele ihre Kartenpreise unter 50 Euro halten. Diesen Service nutzten 2015/2016 allerdings nur 174 001Besucher. Das Theater verlor damit im Vergleich zur Vorsaison mehr als 20 000 Zuschauer.

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Philharmoniker

Konzert der Münchner Philharmoniker

Quelle: picture alliance / dpa

Das Münchner Orchester steigerte dagegen die Besucherzahl sogar leicht. 191 370 Musikliebhaber erwarben 2016 ein Ticket. Damit konnten die Philharmoniker ein Viertel ihres Budgets decken. Die Stadt steuerte 20,1Millionen Euro bei. Das bedeutet, dass sie zu jeder Karte nochmals 105 Euro dazu zahlte. Heuer sollen die teuersten 85,90 Euro kosten.

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NS-Dokumentationszentrum

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Quelle: Stephan Rumpf

Den Bau bezahlten Bund, Land und die Stadt noch gemeinsam. Für den seit 30. April 2015 laufenden Betrieb kommt München aber alleine auf. 2016 ist das erste volle Kalenderjahr, an dem das NS-Dokuzentrum geöffnet hatte, und erlaubt daher zum ersten Mal einen Blick auf die Kosten für die Stadt. Kämmerer Ernst Wolowicz bezifferte sie auf 4,7 Millionen Euro und rechnet damit, dass sie sich auf diesem Niveau einpendeln werden. Das gilt auch für die 95 000 Besucher. Im Eröffnungsjahr 2015 zählte das Zentrum sogar 180 000Gäste. Doch das sei eine Ausnahme aufgrund des starken Interesses zur Eröffnung und des freien Eintritts bis Ende Juli gewesen, sagte Kämmerer Wolwicz. Im ersten vollen Betriebsjahr 2016 subventionierte die Stadt die Eintrittstickets mit 49,31 Euro im Schnitt.

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Kindertagesstätten

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Quelle: Stephan Rumpf

Auch im sozialen Bereich sorgt die Stadt mit ihren Zuschüssen dafür, dass ihre Einrichtungen laufen. 2016 steuerte die Kommune für die Kitas in eigener Hand 257,3 Millionen Euro bei. Die Beiträge der Eltern blieben insgesamt deutlich unter 50 Millionen. Daneben fördert München aber auch private Kitas. Für deren Kosten stellte sie 219 Millionen Euro bereit.

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Ferienangebote/Familienpass

Sommerferien beginnen in Baden-Württemberg

Quelle: dpa

Für die Freizeitangebote, von denen Kinder und Familien profitieren, gab die Stadt im Jahr 2016 etwa 3,7 Millionen Euro aus. Das sind 400 000 Euro mehr als im Vorjahr. Die Ferienangebote und der Familienpass nahmen etwa ein Viertel ihrer Ausgaben durch Gebühren ein.

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Tierpark

Polarfuchs im Münchner Tierpark Hellabrunn, 2017

Quelle: Stephan Rumpf

Der Zoo in Hellabrunn gehört zu den wenigen städtischen Einrichtungen, die sich praktisch selbst tragen. Die Stadt musste für den Betrieb 2016 nur zwei Millionen dazugeben, das sind 87 Cent für jeden der 2,228 Millionen Besucher.

© SZ vom 13.01.2018/amm
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