Finanzen Benko will eine Milliarde Euro in München investieren

Absolute Premiumobjekte, teilweise oder vollständig im Besitz der österreichischen Signa-Gruppe: der Altbau des Karstadt-Kaufhauses am Hauptbahnhof, der Eingang zum Kaufhaus Oberpollinger und der sogenannte Giebelbau der Alten Akademie in der Fußgängerzone (v.l.).

  • Die Signa-Gruppe um den Tiroler René Benko will eine Milliarde Euro in Immobilienprojekte an der Fußgängerzone stecken.
  • Der traditionsreiche Oberpollinger soll erneut umgebaut und vor allem ganz neu gestaltet werden.
  • Am Karstadt am Hauptbahnhof plant Benkos Unternehmen teilweise komplette Neubauten.
Von Alfred Dürr

Die Signa-Gruppe um den Tiroler Investor René Benko rollt mehr und mehr Münchens Innenstadt und Geschäftswelt auf - und kündigt an, hier in den nächsten Jahren eine Milliarde Euro investieren zu wollen. Das Geld soll in ehrgeizige Projekte fließen, insbesondere in die beiden Kaufhäuser, die ganz oder teilweise im Besitz der Österreicher sind. Der traditionsreiche Oberpollinger soll erneut umgebaut und vor allem ganz neu gestaltet werden. Am Karstadt am Hauptbahnhof plant Benkos Unternehmen teilweise komplette Neubauten, ja womöglich sogar eine neue Straße.

Und auch bei Signas wichtigstem Projekt, dem Umbau der Alten Akademie neben der Michaelskirche, geht es offenbar voran. Jahrelang wurde darüber diskutiert, wie modern der historisch bedeutsame Komplex an der Neuhauser Straße mit den künftigen Geschäften, Büros, Lokalen und Wohnungen werden darf. Jetzt scheinen sich die Vertreter der Stadt, der Denkmalschutz-Behörden und des Investors anzunähern. Noch in diesem Jahr könnte der Stadtrat das Signal zum Start des Baugenehmigungsverfahrens geben. Signa wird damit endgültig zu einem der größten Immobilien-Akteure in München. Ein Überblick über das Benko-Imperium in der Innenstadt.

Was Benko beim Karstadt am Hauptbahnhof plant

Ein Großteil der einen Milliarde Euro fließt in die Umstrukturierung des denkmalgeschützten Altbaus mit dem lang gestreckten Erweiterungstrakt aus den Siebzigerjahren zwischen Hauptbahnhof und dem Hotel Königshof. Erst kürzlich war die Beteiligung der Signa an dieser Immobilie bekannt geworden. Die andere Hälfte gehört der Investment-Firma RFR. Die städtebauliche Situation im Bereich der Schützenstraße und Prielmayerstraße könnte durch einen Neubau oder besser gesagt durch zwei Neubauten, die Signa im Sinn hat, enorm aufgewertet werden.

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Statt des jetzigen sperrigen Riegels könnte eine attraktive Passage oder gar eine Straße zwischen diesen beiden neuen Komplexen zur Belebung des Umfelds beitragen. Bislang werden Schützen- und Prielmayerstraße nur durch die kleine Luitpoldstraße verbunden, die auch Zufahrt zu einer Parkgarage ist. Die Überlegungen dazu seien in einem sehr frühen Stadium, betont Signa-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber. Wann die Baumaschinen auffahren ist ungewiss.

Ein Tunnel für die Alte Akademie

Ein spektakulärer Signa-Plan betrifft auch die Alte Akademie, genauer gesagt die Zufahrt für die künftigen Bewohner des historischen Komplexes. Denn die Signa plant, die neu zu bauende Tiefgarage über einen Tunnel mit der Garage des Kaufhauses Oberpollinger zu verbinden. Damit könnte die Kapellenstraße noch weiter vom Autoverkehr befreit und die Fußgängerzone entlang des benachbarten Erzbischöflichen Ordinariats verlängert werden.

Umstritten bleibt die Frage, was aus den alten Hettlage-Arkaden wird. Ende April ging das Schweizer Büro Morger Partner Architekten als Sieger aus dem Architektenwettbewerb zur Neugestaltung der Alten Akademie hervor. Wesentliche Vorgabe war, dass sich das Erscheinungsbild des historisch bedeutsamen Ensembles nicht grundlegend verändern darf. Die Schweizer gingen bei ihrer Interpretation des Vorhandenen "behutsam und stimmig" vor, lobten alle Beteiligten das Konzept - mit Ausnahme der Arkaden. Der Investor möchte zwar einen Durchgang an der Neuhauser Straße erhalten, aber die Verkaufsflächen auch deutlich näher an die Fußgängerzone rücken.

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Vor allem Stadtheimatpfleger Gert Goergens kämpfte für die Arkaden. Sie gehörten zum typischen Erscheinungsbild der Altstadt und seien damit unverzichtbar. Außerdem dürfe den Passanten kein öffentlicher Raum entzogen werden. Signa unterbreitete einen Vorschlag: Zur Fußgängerzone hin sollen die Arkaden erhalten bleiben, aber deren Tiefe von 7,65 Metern um etwa die Hälfte verringert werden.

Jedoch besteht Signa darauf, dass die Arkaden an der Kapellenstraße verschwinden. Geplant ist, den Durchgang im sogenannte Giebelbau der Alten Akademie, der quer zur Fußgängerzone steht, zu schließen. Im Erdgeschoss entsteht damit ein beeindruckend großer Raum. Welches Geschäft dort einzieht, ist noch nicht bekannt. Die Signa wünscht sich jedenfalls mehr statt der jetzt zwei bogenförmigen Öffnungen hin zum Platz mit dem Richard-Strauss-Brunnen. Das bringe zusätzliches Licht ins Haus und schaffe eine attraktive Verbindung hin zum Platz und zur Fußgängerzone. Hier ist noch nicht geklärt, ob ein solcher Eingriff in die nach dem Krieg wiederaufgebaute Fassade mit dem Denkmalschutz vereinbar ist.