Film:Auf Expansionskurs

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Seepferdchen, Filmstill

Ein besonders anrührender Beitrag des diesjährigen Festivals: "Seepferdchen" von Nele Dehnenkamp.

(Foto: Filmzeit Kaufbeuren)

Das Festival "Filmzeit Kaufbeuren", 2007 gegründet, hat sich gewaltig ausgedehnt. In diesem Jahr zeigt es in fünf Wettbewerben 77 Filme in drei Städten.

Von Sabine Reithmaier, Kaufbeuren

Hauptsache, die Qualität stimmt, das Genre ist nicht so wichtig. Daher zeigt die Filmzeit Kaufbeuren ( 19.9. bis 3.10.) schon seit ihren Anfängen einen bunten Mix an Spielfilmen, Animationen, Dokumentationen, gelegentlich auch Experimentelles. Allerdings darf jeder Film maximal nur 40 Minuten lang sein. Doch abgesehen von diesen beiden bis heute gültigen Kriterien hat sich seit der Gründung des Festivals im Jahr 2007 viel verändert. Das ursprünglich als Wochenendprogramm gestartete Autorenfilmfestival hat sich gewaltig ausgebreitet. Nicht nur, was die Zahl der Wettbewerbe (inzwischen fünf) und der gezeigten Filme betrifft - 77 werden es heuer sein -, sondern auch, was die Standorte betrifft: Zum zweiten Mal bespielt die Filmzeit unter dem Motto "Kuck mal kurz Filme" neben Kaufbeuren auch Kinos in Kempten und Immenstadt mit ihren Wettbewerben.

520 Filme wurden eingereicht

"Wir haben schon die Vision, das Allgäu mit unserem Festival ein bisschen zusammen zu holen", sagt Festivalleiterin Birgit Kern-Harasymiw. Zwei Flyer, unterschiedlich in Farbe und Titel - pink die "filmzeitkaufbeuren" und grün die "filmzeitallgäu" - verdeutlichen den Expansionskurs. In diesem Jahr wurden 520 Filme mit einer Lauflänge von 150 Stunden eingereicht. 28 Mitarbeiter der Filmzeit waren damit beschäftigt, sie zu sichten. Kern-Harasymiw ist es wichtig, dass mindestens vier Leute einen Film benoten. Filme würden so unterschiedlich wahrgenommen, sagt sie, daher bedürfe es mehrerer "Sichter", um zu einer Entscheidung zu kommen.

Die räumliche Ausdehnung mitten im Corona-Jahr 2020 war riskant, funktionierte auch nicht ganz so wie gewünscht. Vor allem in Kempten blieb das Publikum aus. Das mag auch am Programm gelegen haben, dort findet der Internationale Wettbewerb statt, heuer mit 24 Beiträgen. Geboten werden ausländische Filme (immer mit englischen, manchmal auch mit deutschen Untertiteln) sowie im Ausland produzierte deutsche Produktionen. "Wir haben uns heuer sehr bemüht, den Wettbewerb in diesem Jahr abwechslungsreich aufzubereiten, auch für Leute, die nicht so fit in Fremdsprachen sind", sagt Kern-Harasymiw.

Musik und Tanz in Immenstadt

In Immenstadt bietet das Festival in zwei Blöcken 14 Musik- und Tanzfilme an. Neben Animationen gibt es klassische Spielfilmformate über Musiker und Tänzer, wie "Trumpet" oder "Das Probespiel", aber auch Dokumentarfilme oder das Kneipenmusical "Zum ewigen Knecht", das das Sterben der Wirtshauskultur thematisiert.

In Kaufbeuren startet das Festival am Wahlsonntag (26.9.) mit dem Demokratie-Wettbewerb, gegliedert in zwei Themenbereiche: Im Sportblock werden ein Spiel- und drei Dokumentarfilme vorgestellt, darunter der schon preisgekrönte Film "Haeberli", der um einen Eigenbrötler in St. Moritz kreist. Auf Dokumentarfilme setzt auch der Bereich Migration, besonders anrührend vielleicht "Seepferdchen", der von Hanan erzählt. Das Mädchen floh 2015 mit ihrer Familie aus dem Nordirak nach Deutschland, das Schlauchboot, mit dem sie das Mittelmeer überquerten, wäre auf der Überfahrt beinahe gesunken. Damals konnte sie nicht schwimmen, heute gibt sie ihrem kleinen Bruder und anderen Kindern Schwimmunterricht.

Der Demokratie folgen in Kaufbeuren der deutschsprachige Wettbewerb sowie die Dokufilmzeit. Und erstmals gibt es auch eine digitale Filmzeit, die alle jene erreichen soll, die aus Vorsicht oder Zeitgründen nicht ins Kino gehen wollen.

Infos: www.filmzeitkaufbeuren.de und www.filmzeit-allgäu.de

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