Filmpremiere „Der verlorene Mann“Wenn der Ehemann die Scheidung vergisst

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August Zirner und Harald Krassnitzer haben Spaß bei der Premiere.
August Zirner und Harald Krassnitzer haben Spaß bei der Premiere. Robert Haas

Ernstes Thema, spaßige Premiere, großer Andrang: Harald Krassnitzer, August Zirner und Dagmar Manzel loben Regisseur Welf Reinhart auf dem roten Teppich. Der beweist besondere Kenntnisse.

Von Josef Grübl

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Der verlorene Mann ist an diesem Abend ein älterer Herr, der von seiner weiblichen Begleitung gesucht und unter großem Hallo im Gewusel gefunden wird. Was an diesem frühsommerlichen Mai-Abend im Münchner City-Kino nicht ganz einfach ist: Die Premiere von Welf Reinharts Kinofilm „Der verlorene Mann“ stößt auf großes Interesse, das Publikum staut sich im Innenhof des Kinos, der Film wird in zwei vollbesetzten Sälen aufgeführt. Für ein Spielfilmdebüt ist das erstaunlich.

Das mag mit dem Film selbst zu tun haben, sicher aber auch mit dessen Schauspielern: Dagmar Manzel, Harald Krassnitzer und August Zirner sind Stars im Fernsehen, jetzt sieht man sie wieder einmal auf der großen Leinwand. Das ist nicht nur für sie etwas Besonderes: Krassnitzer löst seit unglaublichen 27 Jahren im Wiener „Tatort“ Kriminalfälle, Manzel ermittelte ein knappes Jahrzehnt lang am „Tatort“ Franken. Auch Zirner hat schon in mehreren „Tatorten“ mitgespielt, im Krimi-Genre macht den dreien also keiner etwas vor. Will man sie auch in anderen Rollen sehen? Der Andrang im City-Kino spricht eine deutliche Sprache, fast alle wollen etwas von ihnen – Selfies, Unterschriften, Umarmungen.

Harald Krassnitzer spielt im Film den titelgebenden Mann: Er wird zwar ebenfalls bald gefunden, verloren ist er trotzdem. Genauer gesagt büßt er aufgrund einer Demenzerkrankung Kurzzeitgedächtnis, Sprache und Orientierungssinn ein. Immerhin kann er sich an seine Ehefrau erinnern: Doch er scheint vergessen zu haben, dass sie sich vor mehr als 20 Jahren scheiden haben lassen. Als er vor der Tür seiner Ex (Dagmar Manzel) und ihrem neuen Mann (August Zirner) steht, ist die Verwirrung groß: allerdings weniger bei ihm, mehr bei ihnen. Abweisen werden sie ihn trotzdem nicht.

Harald Krassnitzer, Dagmar Manzel, Regisseur Welf Reinhart und August Zirner.
Harald Krassnitzer, Dagmar Manzel, Regisseur Welf Reinhart und August Zirner. Robert Haas

Das ist weder ein Drama noch eine platte Komödie, sondern gut gespielt und nuancenreich erzählt. Es geht ums Erinnern und Vergessen, um Liebe, Alter und Abschiede. Also eigentlich um alles. Nach so einem Stoff habe er lange gesucht, erzählt der Absolvent der HFF München und Gewinner eines „Studenten-Oscars“ (für den Kurzfilm „Eigenheim“). Ausgerechnet bei einem Witzbild aus dem Internet wurde Welf Reinhart fündig: Seine Professorin an der HFF habe ihm ein Meme gezeigt, erzählt er. Darauf sei ein älterer Herr zu sehen gewesen, der wegen seiner Demenz die Trennung von seiner Frau vergessen habe. Darüber kann man lachen oder weinen, sich lustig machen über die Krankheit wollte er aber nie: „Ich habe eine Ausbildung zum Demenzhelfer gemacht“, erzählt Reinhart, er sei auch in stetem Austausch mit der Alzheimer Gesellschaft in München gewesen.

„Dieser Mann meint es ernst“, sagt August Zirner auf dem roten Teppichstreifen, der für die Fotos am Premierenabend ausgelegt wurde. Der Schauspieler spricht da über seinen Regisseur, der sehr viel jünger sei, sich aber trotzdem in diese Geschichte über drei ältere Menschen hineindenken konnte. „Natürlich interessiert mich dieses Thema“, fügt Harald Krassnitzer hinzu, „es betrifft ja unsere Alterskohorte.“ „Es fühlte sich alles sehr vertraut an“, sagt Dagmar Manzel, „wir waren bereit, uns in der Tiefe unserer Seelen zu zeigen.“

Lobhudeleien solcher Art gehören zu Premieren dazu wie das Fotografengeschrei am roten Teppich oder die Autogrammjäger am Eingang, an diesem Abend glaubt man den Beteiligten aber fast jedes Wort. Da sind auf der einen Seite drei Schauspiel-Routiniers, die sich im Kino noch einmal von einer anderen Seite zeigen wollen. Und da sind auf der anderen Seite ein Regisseur, eine Drehbuchautorin und zwei Produzenten, die ganz am Anfang ihrer Karriere stehen. Sie freuen sich über die Aufmerksamkeit für ihren Film. Verloren hat hier niemand.

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