Als der US-Außenminister Marco Rubio von der Münchner Sicherheitskonferenz direkt weiter nach Budapest reiste, folgte er einem Plan: In Ungarn wird im April gewählt, Viktor Orbán und seine nationalkonservative Partei Fidesz müssen sich laut Umfragen Sorgen um ihre Wiederwahl machen. Also erhalten sie Unterstützung aus Amerika, von Trump und seiner rechtspopulistischen Regierung.
Nicht nur in Ungarn ist politisch einiges in Bewegung geraten, in den vergangenen Monaten gingen in Rumänien, Bulgarien, Litauen oder der Slowakei Hunderttausende auf die Straßen. Diese Menschen demonstrierten gegen Korruption, Repression oder Wahlmanipulation, sie fordern ihre demokratischen Rechte ein, wollen nicht zurückfallen in den Einflussbereich von Putins Welt.
Was in den ehemaligen Ostblockstaaten passiert, erfährt man regelmäßig aus den Nachrichten. Und jetzt auch im Kino: Am 26. Februar startet im Filmmuseum München das „Mittel Punkt Europa Filmfest“, mit Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilmen aus Mittel- und Osteuropa, die hierzulande nur selten zu sehen sind. Aufgeführt werden diese Produktionen aus Polen, Tschechien, Ungarn oder der Ukraine in ihren Originalfassungen mit Untertiteln, im Anschluss an einige der Vorstellungen finden Publikumsgespräche statt.
So auch am 28. Februar, nach der Vorstellung von „Pod szarym niebem“ („Under the Grey Sky“): Der polnische Spielfilm erzählt von einem Journalisten-Paar aus Belarus, das nach den Präsidentschaftswahlen im Sommer 2020 in eine Notlage gerät. Sie berichtet von den Protesten im Land und wird festgenommen. Er möchte in ihrer Nähe bleiben und entscheidet sich gegen eine Flucht ins Ausland. Im Anschluss wird es ein Gespräch mit einer ehemaligen politischen Gefangenen in Belarus geben.
Ebenfalls am 28. Februar ist der polnische Regisseur Maciej Sobieszczański zu Gast im Filmmuseum, er stellt seinen Film „Brat“ („Brother“) vor. Darin geht es um einen 13-Jährigen, der sich um seinen kleinen Bruder kümmert und die Rolle des abwesenden Familienoberhaupts übernimmt. Eine Familiengeschichte erzählt auch der Filmemacher Bálint Dániel Sós aus Ungarn: In „Minden Rendben“ („Growing Down“) wird ein Vater Zeuge eines Unfalls, den sein Sohn verursacht. Fortan steckt er in einer Zwickmühle. Er möchte nicht lügen; wenn er aber die Wahrheit sagt, könnte sein Kind zur Verantwortung gezogen werden.

Neben zwei Kurzfilmprogrammen (unter anderem eines für Kinder) stehen auch zwei Dokumentarfilme auf dem Spielplan: In „Sanatorium“ geht es in die Ukraine, in einer in die Jahre gekommenen Heilanstalt nahe Odessa läuft der Betrieb trotz des Krieges weiter.
Viele Filme sind recht aktuell, eröffnet wird das Festival aber von einer schwarzen Komödie aus dem Jahr 1969: In „Polowanie na muchy“ („Hunting Flies“) verliert sich ein polnischer Übersetzer zwischen herabhängenden Fliegen-Klebefallen und seinem Leben zwischen Ehefrau und Geliebter in psychedelischen Tagträumen. Regie bei diesem von den Swinging Sixties inspirierten Film führte der Pole Andrej Wajda, der im März 2026 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.
Mittel Punkt Europa Filmfest, Donnerstag, 26. Februar, bis Sonntag, 8. März, Filmmuseum München, St.-Jakobs-Platz 1

