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Filmmuseum München:Blickduelle

Baby Face

Voller Stärke: Barbara Stanwyck in "Baby Face" von 1933.

(Foto: Münchner Filmmuseum)

Das Filmmuseum eröffnet wieder. Mit der Reihe "Leading Women"

Von Josef Grübl

Erst wird sie als junges Mädchen vom Vater an wildfremde Kerle verschachert, später schwingt sie über den Köpfen von 40 Männern die Peitsche, sie befehligt Beamte, Richter oder Sheriffs. Barbara Stanwyck verkörpert in "Baby Face" (1933) ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen, das Männer benutzt, statt sich benutzen zu lassen. Sie schläft sich nach oben, aus der Flüsterkneipe des Vaters bis in die oberste Etage einer Bank in New York City. Hollywoods damalige Zensurbehörde verhinderte zwar die ursprüngliche Filmfassung und ließ die Heldin am Ende für ihr Treiben büßen. 24 Jahre später spielte Barbara Stanwyck dann erneut eine Frau, die sich nicht benutzen lassen wollte, die im schwarzen Reiterdress ein Gefolge von 40 Männern anführte. Regisseur Samuel Fuller drehte 1957 mit "Forty Guns" einen Western mit eindeutigen sexuellen Untertönen, auch hier schritt Hollywood ein: Ursprünglich sollte der Film "Woman with a Whip" (Frau mit einer Peitsche) heißen, das war dem Studio zu anzüglich.

Jetzt kehren beide Filme ins Kino zurück, das Filmmuseum startet nach dreieinhalbmonatiger Corona-Pause mit der Reihe "Leading Women - Frauen im Kino". Los geht es am Dienstag, 7. Juli, mit dem eingangs erwähnten "Baby Face", gezeigt wird die ursprüngliche (und nicht von der Zensur veränderte) Fassung. Während für Barbara Stanwyck ein knappes Vierteljahrhundert verging, bis sie die Peitschen-Lady in "Forty Guns" spielen konnte, müssen die Zuschauer nur 19 Tage lang darauf warten: Fullers Film ist am Sonntag, 26. Juli, zu sehen. Stanwyck war eine Hollywoodlegende, ein Vorbild für ganze Schauspielerinnengenerationen. Mit einigen von ihnen gibt es nun ein Wiedersehen, die Filmmuseum-Reihe umfasst 24 internationale Spielfilme aus den Jahren 1933 bis 2017.

Superstars aus dem Goldenen Zeitalter Hollywoods wie Greta Garbo ("Ninotchka", Do., 9. Juli), Katharine Hepburn ("Bringing Up Baby", So., 12. Juli) oder Bette Davis ("All About Eve", Sa., 25. Juli) sind ebenso dabei wie die europäischen Filmgöttinnen Isabelle Huppert ("Elle", Mi., 8. Juli), Harriet Andersson ("Die Zeit mit Monika", Fr., 10. Juli) oder Carmen Maura ("Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs", Fr., 17. Juli). Sie alle spielen starke Frauen, nicht unbedingt auf die Art und Weise, wie man sie sich heute in Frauenzeitschriften vorstellt. Die Heldinnen dieser Filme sind fürs Kino geschaffen, sie sind Vorbilder, auch wenn viele von ihnen den Realitätscheck nicht bestehen würden. Eine "Piratenkönigin" wie Jean Peters 1951 gibt es eben nur im Kino (Do., 23. Juli), eine Gangsterbraut wie die 1980 von Gena Rowland verkörperte "Gloria" vermutlich auch (Mi., 29. Juli). Zudem setzt das Filmmuseum auch sein Online-Programm fort: Digital sind Werke des US-Filmemachers Mark Rappaport sowie weitere Stummfilm-Restaurierungen zu sehen.

Leading Women - Frauen im Kino, Dienstag, 7. Juli, bis Sonntag, 2. August, je 20 Uhr, Filmmuseum, St.-Jakobs-Platz 1

© SZ vom 07.07.2020

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