Überblick zur neuen SaisonFellini, Bogart und Pionierinnen des Kinos: Die Highlights im Filmmuseum

Lesezeit: 5 Min.

Keine heiße Nacht in Rom: Tatsächlich wurde die berühmte Szene aus „La Dolce Vita“ im kalten März gedreht.
Keine heiße Nacht in Rom: Tatsächlich wurde die berühmte Szene aus „La Dolce Vita“ im kalten März gedreht.
Foto: Filmmuseum München

2027 muss das Filmmuseum München umziehen, im Herbst davor zeigt es Filme von Hollywood-Ikonen und Meistern aus Korea. Auch eine Reihe über Regie führende Frauen steht auf dem Spielplan. Der Überblick zur neuen Saison.

Von Josef Grübl

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Über die wohl berühmteste Szene in seinem berühmtesten Film sagte Federico Fellini einmal: „Um gegen die Kälte anzukommen, trank Mastroianni eine Flasche Wodka. Als wir dann gedreht haben, war er völlig besoffen.“ Seine Hauptdarstellerin Anita Ekberg hätte dagegen überhaupt keine Probleme gemacht: Obwohl der Film im März gedreht worden ist und es in den Nächten sehr kalt war, sei die schwedische Schauspielerin stolz wie eine Löwin gewesen und länger im Brunnenbecken geblieben als nötig, erzählte Fellini einst dem Journalisten Costanzo Costantini. Die Rede ist natürlich von „La dolce vita – Das süße Leben“, dem 1960 erschienenen Meisterwerk des Regisseurs – und der legendären Szene im Trevi-Brunnen.

Im Filmmuseum München kann man Federico Fellinis Satire auf die römische High Society wieder auf der großen Leinwand erleben – und ganz genau hinschauen, ob Marcello Mastroianni tatsächlich betrunken war. Das Herbstprogramm umfasst eine große Fellini-Retrospektive, die am 10. September mit „La dolce vita“ beginnt und am 16. Dezember mit seinem letzten Film „La voce della luna – Die Stimme des Mondes“ aus dem Jahr 1990 endet.

Dazwischen sind Klassiker wie „La strada – Das Lied der Straße“, „Otto e mezzo – 8 ½“ oder „Amarcord“ zu sehen, die den Italiener zu einer Filmlegende machten. Seine beste Zeit als Regisseur hatte Fellini in den Fünfziger- und Sechzigerjahren, gezeigt werden aber auch spätere Werke, der artifizielle „Casanova“ (1976) etwa oder die wehmütige Tragikomödie „Ginger e Fred“ (1985), mit Marcello Mastroianni und Fellinis Ehefrau Giulietta Masina. Die beiden waren übrigens auch einmal zu Gast im Münchner Filmmuseum, 1970 war das, aus Anlass einer Ausstellung zu seinen Ehren.

Das neue Filmmuseum-Programm ist etwas kürzer als üblich, es endet bereits kurz vor Weihnachten mit der alljährlichen Verleihung des Werner-Herzog-Filmpreises. Hintergrund ist der Umzug des Filmmuseums im April 2027, im Zuge der Generalsanierung des Stadtmuseums ist das unausweichlich. Das Filmmuseum wird weiterhin Filme zeigen, über das Ausweichquartier in München ist nach wie vor nichts bekannt. Man werde „im Winter“ bekannt geben, wie man weitermache, sagt die stellvertretende Filmmuseum-Leiterin Claudia Engelhardt dazu. In den ersten Monaten des Jahres 2027 wird es zunächst einmal am St.-Jakobs-Platz weitergehen.

Der letzte Herbst im alten Quartier ist vor allem männlichen Filmkünstlern gewidmet: Neben der Fellini-Retro wird es eine Werkschau zu Ehren des französischen Autorenfilmers Jean Eustache geben. Dieser starb vor 45 Jahren in Paris und hinterließ ein Werk von zwölf Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilmen. Der bekannteste davon eröffnet am 9. September die neue Filmmuseum-Saison: „La Maman et la putain – Die Mama und die Hure“ (1973) ist eine dreieinhalbstündige Abrechnung mit der 68er-Generation, erzählt wird von einem Nichtstuer und seinen Beziehungen zu zwei Frauen. Eustaches Lieblingsschauspieler Jean-Pierre Léaud spielte die Hauptrolle.

Eine Abrechnung mit der 68er-Generation: „La Maman et la putain – Die Mama und die Hure“.
Eine Abrechnung mit der 68er-Generation: „La Maman et la putain – Die Mama und die Hure“.
Foto: Filmmuseum München

„Here’s looking at you, kid“: Der wohl bekannteste Spruch der Filmgeschichte wurde hierzulande völlig anders übersetzt, die deutsche Übersetzung ist aber ebenfalls sehr bekannt: „Ich schau dir in die Augen, Kleines.“ Das Filmmuseum zeigt den dazugehörigen Film („Casablanca“ aus dem Jahr 1941) am 25. September im Rahmen einer Retro zu Ehren von Hauptdarsteller Humphrey Bogart. Der gebürtige New Yorker galt in Hollywood als harter Kerl, der in seinen Filmen aber regelmäßig seine verletzliche und romantische Seite zeigte. Das Filmmuseum kündigt ihn als „tough without a gun“ an, die Retrospektive beginnt am 11. September mit „High Sierra – Entscheidung in der Sierra“. Der damals 41-jährige Bogart spielte darin einen alternden Gangster, der sich in eine hübsche Tänzerin verliebt. Gespielt wird diese Frau von Ida Lupino, die diesen Herbst im Filmmuseum eine besondere Rolle innehat. Dazu später mehr.

Im Rahmen der Bogart-Retro dürfen Klassiker wie „The Maltese Falcon – Die Spur des Falken“, „The Big Sleep – Tote schlafen fest“ oder „The African Queen“ (mit Katharine Hepburn an seiner Seite) nicht fehlen. Der Schauspieler starb 1957 an Krebs, vergessen wurde er aber nie: Auf dem Spielplan stehen auch filmische Hommagen wie „Play it again, Sam – Mach’s noch einmal, Sam“ mit Woody Allen als Möchtegern-Bogart oder Carl Reiners 1982 erschienene Komödie „Dead Men Don’t Wear Plaid – Tote tragen keine Karos“.

Humphrey Bogart mit Ida Lupino in „They Drive By Night“.
Humphrey Bogart mit Ida Lupino in „They Drive By Night“.
Foto: Filmmuseum München

Bei so vielen Männern im Programm freut man sich auch über die Reihe „Filmpionierinnen der 1950er-Jahre“. Hier taucht auch wieder die gebürtige Britin Ida Lupino auf, die im Hollywood der Vierzigerjahre Erfolge als Schauspielerin feierte (unter anderem zweimal an der Seite von Humphrey Bogart), später aber ins Regiefach wechselte. Zu jener Zeit galt Filmregie als Männerdomäne, ihren ersten Film „Not Wanted – Verführt“ (1949) durfte Lupino nur drehen, weil der ursprünglich vorgesehene Regisseur einen Herzinfarkt erlitten hatte. Dieses Drama über eine Kellnerin, die ungewollt schwanger wird, eröffnet am 16. September die Filmpionierinnen-Reihe.

Ida Lupino wurde in den Fünfzigerjahren zu einer viel beschäftigten Regisseurin, das Filmmuseum zeigt zudem ihre Filme „Outrage“ oder „The Hitch-Hiker – Der Anhalter“. Etwa zur selben Zeit begannen auch die Karrieren der Britin Muriel Box („The Truth About Women – Die Wahrheit über Frauen“) und der Französin Jacqueline Audry („Olivia“, „Huis-clos – Geschlossene Gesellschaft“), ihre Filme werden ebenfalls gezeigt.

„Busanhaeng – Train to Busan“, gedreht 2016, war weltweit erfolgreich.
„Busanhaeng – Train to Busan“, gedreht 2016, war weltweit erfolgreich.
Filmmuseum München

Südkorea ist spätestens seit dem Oscar-Triumphzug von Bong Joon-hos „Parasite“ oder dem Serien-Welterfolg „Squid Game“ zu einem der wichtigsten Filmländer geworden; im Filmmuseum dreht sich eine Filmreihe um „Korean Mysteries“. Ab 29. September steht phantastisches koreanisches Kino auf dem Spielplan: Typisch für dieses Genre ist, dass es Elemente aus Thriller, Mystery, Horror oder Science-Fiction miteinander vermischt und dabei auch oft Gesellschaftskritik übt. Gezeigt wird unter anderem der 3D-Horrorfilm „Akmawa Minyeo – The Devil and the Beauty“ aus dem Jahr 1969, aber auch hierzulande bekanntere Filme wie „Bakjwi – Durst“ (2009) von Park Chan-wook oder der weltweit erfolgreiche Zombiefilm „Busanhaeng – Train to Busan“ aus dem Jahr 2016.

Neben den großen Reihen und Retrospektiven finden sich im Programm auch Veranstaltungen wie das am 8. Oktober startende Underdox-Festival, das dieses Jahr unter dem Motto „Erinnern“ steht. Auf dem Spielplan stehen Filme von Stanley Schtinter oder Norbert Pfaffenbichler, die als deutsche Premieren präsentiert werden. Auch unter dem Label „Film und Psychoanalyse“ gibt es wieder Filme zu sehen, unter anderem Romuald Karmakars „Der Totmacher“ mit Götz George (am 18. Oktober). Im Oktober wird Friedrich Wilhelm Murnaus „Faust – Eine deutsche Volkssage“ 100 Jahre alt, die Premiere war 1926 in Berlin. Das Filmmuseum führt diesen Stummfilm-Klassiker am 25. Oktober auf, die Live-Musik dazu kommt von Sabrina Zimmermann und Mark Pogolski.

Im November findet das 20. Rumänische Filmfestival statt, mit aktuellen Filmen von Regisseuren wie Radu Jude, Mihai Mincan oder Serge Ioan Celebidachi. Ebenfalls im November startet eine Retrospektive zu Ehren von Josef Rödl. Der aus der Oberpfalz stammende Regisseur machte 1978 mit seinem HFF-Abschlussfilm „Albert – warum?“ auf sich aufmerksam. In dem mit Laiendarstellern gedrehten Drama geht es um einen geistig behinderten Bauernsohn, der nach einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt in sein oberpfälzisches Dorf zurückkehrt. Später drehte Rödl mit Stars wie Sigi Zimmerschied („Grenzenlos“, „Der wilde Clown“), Günther Maria Halmer („Ein Richter in Angst“) oder Bruno Ganz („Schattenwelt“). Auch diese Filme werden gezeigt. Josef Rödl ist dem Filmmuseum eng verbunden, er wird die Retrospektive persönlich begleiten.

Herbstprogramm Filmmuseum, ab Mittwoch, 9. September, bis Mitte Dezember, Filmmuseum München, St.-Jakobs-Platz 1

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