Filmfest München:Salz in der Pop-Suppe

"A-ha - The Movie" zelebriert nicht nur die Musik, sondern auch die verquere Dynamik der Band. Eine Doku, die die Gemüter spaltet.

Von Michael Zirnstein

Filmfest München: Die Achtzigerjahre ohne A-ha? Undenkbar. Pål Waaktaar-Savoy, Magne Furuholmen und Morten Harket (v.l.) sind aber auch 2021 erfolgreich.

Die Achtzigerjahre ohne A-ha? Undenkbar. Pål Waaktaar-Savoy, Magne Furuholmen und Morten Harket (v.l.) sind aber auch 2021 erfolgreich.

(Foto: Salzgeber/Filmfest München)

Gemessen am eigenen Anspruch ist Thomas Robsahm mit seinem Film über die norwegischen Superstars A-ha gescheitert. Doppelt. Einmal, weil er hoffte, die drei Eigenbrötler beim Dreh "therapieren" zu können - es blieb beim Versuch, er schaffte es nicht mal, sie zu den Interviews zu versammeln. Meist filmt er jeden für sich in Backstage-Einzelzellen oder schwarzen Limousinen. Nur auf den Bühnen wie der in der Olympiahalle in München, wo sie dann eh fürs Konzert zueinanderfinden mussten, bekam er sie auf der Tournee 2018 auf einmal ins Bild. Es misslang ihrem Landsmann Robsahm auch, seinen Traum als Regisseur - den er hat, seit er als Zehnjähriger die Beatles-Doku "Let It Be" sah - zu verwirklichen: "Einen Film darüber zu machen, wie A-ha ein Album aufnehmen." Dafür tat er, was er konnte (vielleicht zu viel für einen Dokumentarfilmer), "die drei dazu zu bringen, neue Musik aufzunehmen."

Das wollen sie nicht mehr. Beziehungsweise der Keyboarder und eine Songwriter Magne Furuholmen hätte schon Lust auf ein Album und spielt im Film eine Keyboard-Melodie vor, die man sofort an der Spitze der Charts sieht; der Gitarrist und andere Komponist Pål Waaktaar-Savoy will aber auf keinen Fall neue Songs, solange die Urheberrechte nicht fair verteilt seien; und der Sänger Morten Harket steht irgendwie verbindend dabei wie das Strichlein zwischen a und ha.

Ganz so diplomatisch ist der charmante Frontmann des Trios allerdings nicht, wenn er der SZ vom Tribeca Filmfestival, wo A-ha - The Movie Premiere hatte, ein Zoom-Interview gibt. Da lobt der 61-jährige, noch immer an Stimme und Armen kräftige Falsettsänger, den Regisseur nicht etwa in höchsten Tönen. Das muss er auch nicht, schließlich sei er "Teil der Band", nicht "Teil des Films". Jedenfalls gefällt Harket die zweite Hälfte des recht chronologisch aufzählenden Films nicht. "Der Fokus der Doku sind dann die Schwierigkeiten in der Band, das ist mir zu einseitig", sagt Harket. Von den Zahlen her sei die Erfolgsgeschichte von A-ha nach ihrer ersten Zäsur 1997 gar noch größer, statt von Uneinigkeiten hätte Robsahm besser davon berichtet, "warum wir bewusst über so viele Jahre zusammenblieben, das hat ja einen Grund."

Freilich ist das kleine bisschen Zoff die Würze in der Pop-Suppe. Zu erfahren, wie der große Hit "Foot On The Mountain" 2009 aus zwei verschiedenen Songs von Savoy und Furuholmen entstand, wie Savoy dann seinen Refrain wieder zurückzog, woraufhin die anderen ihm den Rauswurf androhten, und er diesen "vergifteten Hit" doch freigab, nur um kurz darauf die nächste Band-Scheidung zu erleben. Beziehungsstatus: kompliziert. "Aber das ist doch das Normalste zwischen drei starken, unabhängigen Menschen, die so viel Zeit ihres Lebens miteinander verbringen, das ist Teil des kreativen Prozesses; ehrlich, für mich ist das nicht interessant", sagt Morten Harket und schiebt selbstkritisch nach: "Aber hätten wir mehr erreichen können als Band? Definitiv. Werden wir es je wieder hinbekommen? Ich weiß es nicht."

Gemessen an ihren Träumen, mit denen sie als Teenager - ihrem Idol Jimi Hendrix nacheifernd - nach London aufbrachen und scheiterten, sind sie freilich enorm weit gekommen. Davon erzählt der erste Teil, in dem ihr Jahrhundert-Hit "Take On Me" die Comic-Ästhetik aus dem mit sechs MTV-Awards prämierten Video vorgibt und zu einer Art viertem Band-Mitglied wird. Das ist für Fans genauso erbaulich wie für die Band. Die drei hat A-ha - The Movie jedenfalls nicht umdenken lassen, Diskussionen wegen der Differenzen im Film gab es nicht, sagt Harket und lacht. "Wobei ich nicht weiß, ob die anderen ohne mich darüber gesprochen haben."

© SZ vom 01.07.2021
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