Eröffnungsfeier zum 42. Filmfest MünchenWer rückt nach, wenn der größte Star nicht kommt?

Lesezeit: 3 Min.

Schauspielerin Maria Furtwängler und Ministerpräsident Markus Söder standen bei der Eröffnung des 42. Filmfests München länger zusammen auf dem roten Teppich im Gasteig HP8.
Schauspielerin Maria Furtwängler und Ministerpräsident Markus Söder standen bei der Eröffnung des 42. Filmfests München länger zusammen auf dem roten Teppich im Gasteig HP8. Hannes Magerstaedt/Getty Images

Das Filmfest München 2025 startet ohne Carey Mulligan, die aus privaten Gründen absagt. Stattdessen feiern Stars wie Vicky Krieps und Helena Zengel mit – und für Emotionen sorgen an diesem Abend zwei Politiker.

Von Susanne Hermanski

Wer ist der größte Star des Filmfest-Auftakts 2025? Geplant war zweifelsohne, dass Carey Mulligan („Wall Street: Geld schläft nicht“, „Der große Gatsby“) den Titel an diesem Abend einheimst. Aber anders als angekündigt, kommt die englische, mehrfach Oscar-nominierte Schauspielern dann doch nicht, um den Film „The Ballad of Wallis Island“ bei der Eröffnung im Gasteig HP8 vorzustellen. Und weder die angereisten Hauptdarsteller Tom Basden und Tim Key, noch James Griffiths, der Regisseur der britischen, charmant-harmlosen Feel-Good-Komödie, reichen an ihren internationalen Bekanntheitsgrad heran.

Wer später beim Filmfest-Chef Christoph Gröner nachfragt, erhält die freundliche Antwort, sie habe „aus privaten Gründen“ absagen müssen, mehr wisse man nicht. Bei der Eröffnungszeremonie wird einfach wortlos eine kleine Grußbotschaft von ihr abgespielt. Die mittlerweile dreifache Mutter und Trägerin des schönen Titels „Commander of the Order of the British Empire“ hat sich dafür in eine interessante kleine, bräunlich ausgeleuchtete Kammer mit einem viel zu mächtigen Schubladenschrank gestellt – und wirft ein Kusshändchen. Kein ganz großes Kino, aber fast.

Im Getümmel: die Präsidentin der Deutschen Filmakademie Vicky Krieps und Veronica Ferres in der Halle E vor Beginn des Eröffnungsfilms.
Im Getümmel: die Präsidentin der Deutschen Filmakademie Vicky Krieps und Veronica Ferres in der Halle E vor Beginn des Eröffnungsfilms. Hannes Magerstaedt/Getty Images

Also bleibt genug Raum, um jene zu feiern, die gekommen sind, und ihrerseits Hollywood-Flair mitbringen. Vicky Krieps („Der seidene Faden“, „Corsage“, „Ingeborg Bachmann - Reise in die Wüste“) zum Beispiel. Die Präsidentin der Deutschen Filmakademie hat selbst in diesem Jahr keinen Film auf dem Festival, begleitet aber ihre elfjährige Tochter Elise, die die Hauptrolle in „Karla“ spielt. Die Verfilmung einer wahren Geschichte um ein zwölfjähriges Mädchen, das seinen Vater anzeigt.

Auch Helena Zengel („Systemsprenger“) sitzt im Publikum. Die 17-Jährige gibt aktuell an der Seite von Willem Dafoe und Emily Watson die Hauptfigur im Fantasy-Abenteuer „Die Legende von Ochi“. Veronika Ferres (produziert in Los Angeles) und Götz Otto (Deutschlands ewiger Bond-Bösewicht) haben beide in diesem Jahr keinen eigenen Film im Programm, sorgen trotzdem für Kreischalarm am roten Teppich.

Die „Systemsprengerin“: 17 Jahre alt ist die Schauspielerin Helena Zengel heute.
Die „Systemsprengerin“: 17 Jahre alt ist die Schauspielerin Helena Zengel heute. Kurt Krieger/Filmfest München
Julius Weckauf gibt Interviews auf dem roten Teppich. Er ist einer der Stars der „Drei ???“ und begann seine Karriere als kindliches Alter Ego von Hape Kerkeling in „Der Junge muss an die frische Luft“.
Julius Weckauf gibt Interviews auf dem roten Teppich. Er ist einer der Stars der „Drei ???“ und begann seine Karriere als kindliches Alter Ego von Hape Kerkeling in „Der Junge muss an die frische Luft“. Joel Heyd / Filmfest München

Und dann sind da ja auch noch so bewährte Kräfte wie Uschi Glas, Maria Furtwängler, Kostja Ullmann, Max von der Groeben, Rosalie Thomass und der wunderbare Julius Weckauf. Gerade noch Kinderstar in „Der Junge muss an die frische Luft“ und „Die drei ???“ ist er jetzt schon 17 Jahre alt.

Die Frage aber, wer der Star dieser lauen Sommernacht ist, ist damit immer noch nicht beantwortet. Geht man nach dem Applaus sind erstaunlicherweise zwei Politiker mit im Rennen, beide sind geladen als Repräsentanten der Hauptgesellschafter des Festivals – Stadt und Freistaat. Euphorischen Beifall erhält zunächst Münchens Kulturbürgermeister Dominik Krause (Grüne). Es scheint, als hätte er von der Christopher-Street-Day-Parade, wo er nachmittags auf einem der Wagen saß, geradewegs seine persönliche Südkurve mitgebracht.

Krause erzählt, wie er vor knapp 20 Jahren als Jugendlicher sein Coming-out hatte. Damals habe es „sehr viele tragische schwule Filme“ gegeben – obwohl es doch auch eine andere, freudvolle Lebensrealität in diesem Alter gebe. Und dann dankt Dominik Krause Markus Söder (CSU), der nach einem Eklat im Jahr 2018 mit dem damaligen Kulturreferenten Georg Küppers (SPD) bis zu diesem Abend nie wieder zur Filmfest-Eröffnung gekommen war.

Söder sei zu verdanken, dass in diesen Tagen „die Regenbogen-Flaggen als Zeichen der Solidarität auch am Bayerischen Landtag wehen“, sagt Krause. Zudem plane der Ministerpräsident, einen Aktionsplan gegen Hasskriminalität für Bayern auf den Weg zu bringen. Und das sei wichtig und dankenswert.

Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt
:Führender Händler von wertvollstem Porzellan ist insolvent

Die Kunsthandlung Röbbig in München, einer der weltweit führenden Händler für Meissener Porzellan, muss Insolvenzantrag stellen. Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf „Betrug und Untreue“.

Von Susanne Hermanski und Evelyn Vogel

Markus Söder folgt Krause auf der Bühne als Redner nach. Er wird gefragt: Was bewegt ihn im Kino, was bringt ihn gar zum Weinen? „Als Captain Kirk gestorben ist, hat mich das fast aus der Bahn geschmissen“, sagt da der bekennende Star-Trek-Fan. Und weiter: „Wenn es um Familiengeschichten geht – meine Eltern sind früh gestorben“. Als Beispiel nennt er „Everybody’s Fine“. In diesem Drama spielt Robert De Niro einen Witwer.

Eine noch emotionalere Regung im Publikum erzeugt Bayerns Ministerpräsident aber mit einem anderen Moment. Er verspricht, darauf hinwirken zu wollen, dass Produktionsbedingungen für das Filmen in Deutschland sich wieder verbessern. An Kunst und Kultur dürfe nicht gespart werden. Er wolle, dass nicht mehr so viele Produktionen abwandern, etwa nach Tschechien oder Ungarn. Als er nochmal betont: „Ungarn – unter den Bedingungen dort!“, und damit anspielt auf die homophobe und LGBTQ+-feindliche Gesetzgebung, da bejubelt auch ihn aus vollstem Herzen besagte Südkurve.

Mehr Eintracht geht kaum bei einer Festival-Eröffnung. Vielleicht ist die der Superstar des Abends. Und da ist es auch vollkommen unwichtig, ob danach noch ein bisschen gestritten wird, ob der Eröffnungsfilm nun gut oder sehr gut gewesen sei.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

ARD-Dokudrama
:Die traurige Vergangenheit des Robert Lembke

Die Ratesendung „Was bin ich?“ machte Robert Lembke zu einem der beliebtesten TV-Moderatoren Deutschlands. Über sein Privatleben sprach er kaum. Ein neues Dokudrama enthüllt unbekannte Seiten – und offenbart verblüffende Parallelen zu Hans Rosenthal.

SZ PlusVon Josef Grübl

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: